Der Große Preis von Katar findet 2025 zum vierten Mal in der Geschichte der Formel 1 statt. Zum vierten Mal werden die Reifen eine Hauptrolle spielen. Aus Angst vor Reifenschäden sucht Pirelli derzeit mit der FIA und den Teams nach Lösungen, eine Wiederholung der Vorjahre zu vermeiden. Aller Voraussicht nach wird das Rennen auf dem Losail International Circuit in dieser Saison zum verpflichtenden Zweistopp-Rennen.

Als die Formel 1 2021 zum ersten Mal in Katar gastierte, erlitten im Rennen gleich vier Piloten Reifenschäden. Immer war es der vordere linke Reifen, der den Belastungen nicht mehr standhielt. Beim zweiten Gastspiel im Jahr 2023 erkannte Pirelli die Probleme schon am Freitag. Die Analysen nach den Trainings zeigten Schnitte in den Reifen.

Schnelle Lösungen waren gefragt: Um die übermäßig starke Nutzung der Kerbs zu vermeiden, wurden kurzerhand die Track Limits verschoben. Indem man die weißen Linien weiter innen auf die Kerbs malte, wollte man die Fahrer dazu zwingen, nicht mehr so lange und vor allem so aggressiv auf die Kerbs zu fahren.

Katar 2023: Keine Reifenschäden, dafür 3 Pflicht-Stopps

Der Versuch ging nur bedingt auf: Für den Grand Prix mussten komplexe Regeln dafür sorgen, dass im Rennen de facto drei Boxenstopps absolviert werden mussten. Die kurzfristige Einführung wurde erschwert, weil die Teams ihre Reifen bis dahin schon unterschiedlich genutzt hatten. Um niemanden zu benachteiligen, mussten über Nacht komplexe Regeln entworfen werden. Immerhin: Reifenschäden gab es im Rennen keine.

Anders ein Jahr später: Man hatte zwar inzwischen die Kerbs abgeschliffen, trotzdem kam es im Rennen wieder zu Reifenschäden. Diesmal waren Karbonteile, die sich auf der Strecke befunden hatten, mitverantwortlich dafür.

Aber die Trümmerteile waren eben nur 'mitverantwortlich' dafür. Ein grundlegendes Problem in Katar bleibt: Die F1-Reifen zeigen nicht genügend 'thermal degredation', also Performance-Abbau, um die Teams zu mehreren Boxenstopps zu zwingen. Gleichzeitig verlieren die Reifen aber extrem viel Gummi, sie verschleißen also (wear).

Wenn die Reifen Gummi auf der Lauffläche verlieren, ist die darunterliegende Karkasse nicht mehr so gut geschützt. Aggressive Kerbs oder kleinste Karbonsplitter können zum Versagen der Konstruktion führen.

Unterschied zwischen Pflicht-Stopps und Laufleistung

Genau davor hat Pirelli auch 2025 Angst. "Die Struktur der Reifen hat sich im Vergleich zum Vorjahr nicht stark verändert. Wir wollen aber eine Situation wie im Vorjahr vermeiden", sagt Pirellis Formel-1-Chefingenieur Simone Berra.

Noch laufen die Gespräche, doch eine mögliche Lösung ist die Begrenzung der Laufleistung. Jeder Reifensatz dürfte dann nur noch eine bestimmte Rundenzahl absolvieren. Das wäre für Pirelli eine effektivere Lösung als das Vorschreiben von zwei oder mehreren Pflicht-Boxenstopps. Ähnlich war man schon 2023 verfahren. Bei mehreren Pflicht-Boxenstopps könnten einzelne Reifensätze trotzdem noch (zu) lange gefahren werden.

Zwei Pflicht-Boxenstopps gab es dieses Jahr in Monaco. Allerdings nicht, um die Reifen zu schonen, sondern um etwas Würze in das das sonst so monotone Rennen im Fürstentum zu bringen. Ging der Plan auf? Motorsport-Magazin.com-Redakteur Markus Steinrisser hat dazu eine klare Meinung.

Kräfte auf Highspeed-Strecke nicht das Reifen-Problem

Eine Erhöhung des Luftdrucks beim vorletzten Rennen der Formel-1-Saison 2025 dürfte keine Lösung sein. Pirelli schreibt an jedem Wochenende den Mindestluftdruck in den Reifen vor. Werden die Belastungen zu hoch, reagieren die Italiener gerne mit einer Erhöhung, weil die strukturelle Integrität der Pneus so erhöht werden kann.

Die hohen Kräfte durch die zahlreichen und schnellen Kurven sind aber in Katar nicht das grundlegende Problem: Weil die Konstruktion selbst nicht beschädigt wird, würde dieser Schritt nicht helfen. Im Gegenteil: Pirelli fürchtet sogar, dass sich dadurch die Problematik verschärfen könnte, weil dann die Seitenwände steifer sind.

FIA kann F1-Regeln ohne Probleme anpassen

Reifenalleinausrüster Pirelli geht die Problematik proaktiv an, auch um ein mögliches Chaos wie 2023 zu vermeiden. Wird agiert statt reagiert, können die Regeln einfacher und fairer gestaltet werden. Das Reglement erlaubt den Eingriff auch ohne Zustimmung der Teams. Bei Sicherheitsbedenken hat die FIA vollen Gestaltungsspielraum.

Reifen sind auch in Brasilien an diesem Wochenende ein interessantes Thema. Der Soft-Reifen funktioniert nicht so, wie sich Pirelli das vorgestellt hat. Warum? Das erklärt euch Christian im Video:

Zu lahm: Ferrari patzt in São Paulo, Rückschlag für Verstappen (15:28 Min.)

2026 gibt es übrigens komplett neue Reifen. Bei der großen Technik-Revolution werden die Pneus kleiner. Einem Piloten gefällt diese notwendige Änderung überhaupt nicht...