Nico Hülkenberg hat endlich eine gute Qualifying-Serie laufen. Nach seinem langen Durchhänger zur Saisonmitte schlägt er im Sprint-Qualifying von Brasilien zum fünften Mal in Serie Gabriel Bortoleto. Zum zweiten Mal nach Austin schafft er es für einen Sprint in die Top-10 der Startaufstellung. Der Grund erscheint auch in Sao Paulo klar.

Sprint-Qualifying, das heißt wenig Vorbereitungszeit, und das ist üblicherweise ein Vorteil für Formel-1-Piloten mit viel Erfahrung. Erst recht, wenn es auf Übersee-Strecken wie Austin oder Interlagos geht. Diese Kurse kennen F1-Rookies gar nicht, da sie meist nur die auf Europa fokussierten Nachwuchsklassen fuhren. Für Bortoleto ist es ebenso das erste Rennen überhaupt auf seiner Heimstrecke.

Kein Heim-Vorteil für Gabriel Bortoleto: Brasilien-Streckenkenntnis fehlt

So war Bortoleto bei seinem ersten Auftritt vor Heim-Publikum zwar insgesamt schnell, und es kamen auch beide Sauber in SQ2, doch in SQ2 patzte Bortoleto: "Mir fehlte es einfach ein bisschen in Sektor 1 auf dem ersten Versuch. Der zweite war nicht zu schlecht, aber die Reifen ... jeder hat die beste Zeit im ersten Anlauf gefahren, ich habe mich im zweiten verbessert. Da waren nur die Reifen nicht mehr da."

Im Sprint-Qualifying ist nur ein Reifensatz pro Segment erlaubt. Üblicherweise fahren alle zumindest in SQ1 und SQ2 mit den verpflichtenden Medium-Reifen zu Beginn gleich eine schnelle Runde und lassen dann entweder zwei Kühlrunden oder einen kurzen Stopp folgen, ehe sie mit den alten Reifen erneut rausfahren.

"Mein Fehler, ich hätte wohl etwas besser im ersten Versuch abliefern müssen", gesteht Bortoleto. "Mit etwas mehr Streckenkenntnis hätte er vielleicht SQ3 erreicht", vermutet Teamchef Jonathan Wheatley. Wie eben Hülkenberg. Der fuhr auf seinem ersten SQ2-Versuch sogar seine beste Zeit des Tages. Die 1:09,735 war gerade einmal 76 Tausendstel schneller, um vor Lewis Hamilton auf Platz 10 zu bleiben und in SQ3 aufzusteigen.

Nico Hülkenberg findet endlich Qualifying-Form

Mehr als P10 war in SQ3 dann jedoch nicht drin. Hülkenberg fuhr nur einen Versuch, um mit leeren Tanks das Maximum aus dem Soft-Reifen zu holen, dennoch blieb er eineinhalb Zehntel hinter Isack Hadjar. Keine Heldentat wie in Austin, wo er einen sensationellen vierten Sprint-Startplatz geholt hatte. Trotzdem - zum zweiten Mal hat er in diesem Jahr ein Zeittraining unter den Top-10 beendet.

"P10 in SQ3 ist nie das Beste, aber viel mehr war da nicht mehr zu holen", meint Hülkenberg danach. Dass er in SQ3 trotz Soft-Reifen zwei Zehntel langsamer war als in SQ2 auf Medium heißt auch nicht unbedingt, dass mehr drin gewesen wäre. Sprint-Qualifyings sind schwer zu perfektionieren, denn fast alle hatten vor SQ3 noch keine einzige Runde auf dem Soft gefahren. Auch die drei Fahrer direkt vor Hülkenberg waren in SQ3 daher gleich schnell oder langsamer als in SQ2.

Nico Hülkenberg bedankt sich nach dem Sprint-Qualifying von Brasilien bei den Fans
Nico Hülkenberg kann sich über ein weiteres Top-10-Ergebnis freuen, Foto: IMAGO / PsnewZ

"Nehmen wir mit, mal schauen was morgen geht", lautet Hülkenbergs Fazit. Da im Sprint nur die ersten acht Plätze punkten, weiß er, dass es schwierig werden könnte. Die Konkurrenz ist schließlich stark. Regen wäre ihm da nicht unrecht: "Die Vorhersage sieht ja recht nass aus. Hoffentlich können wir fahren, das ist die wichtigste Frage."