Letzter Platz? Nachdem Carlos Sainz in den letzten Formel-1-Wochen zumindest in Sachen Qualifying-Performance einen wahren Höhenflug hingelegt hatte, kommt das desaströse Ergebnis im Sprint-Qualifying von Brasilien völlig aus dem Nichts. Sainz hat danach die Nase voll von einem völlig verkorksten Williams-Fahrplan.

Die letzte Runde hatte Sainz sich grundsätzlich selbst mit einem Verbremser schon in der ersten Schikane ruiniert. Aber wie es dazu kam? Das ist eine deutlich längere Geschichte, und das Team wird mit in die Pflicht genommen. Direkt nach dem Überfahren des Zielstrichs schon von Sainz per Funk: "Das war die schlimmste Umsetzung, die ich in meinem Leben gesehen habe."

"Wir haben einfach kein gutes Qualifying geschafft", kritisiert Sainz später. "Der erste Versuch war schon chaotisch mit Verkehr, und es war ein Problem, die Reifen auf Temperatur zu bekommen. Im zweiten Versuch haben wir es dann geschafft, uns unser Leben noch schwieriger zu machen."

Williams-Chaos am Funk: Entscheidende Sprint-Qualifying-Vorbereitung geht schief

Bei Sainz stürzte das Verkehrs-Management in den letzten drei Minuten von SQ1 völlig ins Chaos. Er wartete zwar abfahrbereit mit Heizdecken schon an seinem Stellplatz, aber dann war Williams trotzdem erst einmal zu langsam und ließ zu, dass mehrere Autos vor Sainz in die Boxenausfahrt fuhren. Dort hob wie üblich das große Bummeln an, da im Qualifying in der Formel 1 Mindest-Zeiten vorgeschrieben sind, sobald man die letzte Linie an der Boxenausfahrt überfahren hat.

Sainz, Letzter im Zug, wurde gleich nervös, zog erstmals das Tempo an und fuhr dabei gleich einmal beinahe einem in der Kurve der Boxenausfahrt stehenden Lance Stroll ins Heck. Nun summierten sich die Probleme, weil diese aus der Box kommende Gruppe mitten in eine zweite Gruppe hineinfuhr, die schon draußen auf der Strecke war und teilweise Inlaps, teilweise Abkühlrunden zwischen Versuchen fuhr.

Carlos Sainz im Williams am Freitag bei der Formel 1 in Brasilien
Sainz hatte im Sprint-Qualifying Ärger mit Verkehr, Foto: IMAGO / PsnewZ

Sainz wurde am Funk prompt bei zwei verbleibenden Minuten ermahnt, dass es knapp werden würde. In starkem Verkehr verzichtete er auf das kurz davor empfohlene andere Anfahren des linken Vorderreifens, um sich in eine bessere Position zu bringen. Doch war die Lage so dramatisch? Gegenseitig über sich stolpernd kam die Gruppe in der letzten Kurve an. Bei immer noch einer verbleibenden Minute. Und plötzlich musste Sainz am Ausgang von Kurve 12 noch einmal auf Schritttempo verlangsamen.

Hier will man eigentlich schon den Berg hoch beschleunigen. Fast 20 Sekunden rollte Sainz, musste unter anderem seinem bereits auf einer schnellen Runde befindlichen Teamkollegen Alex Albon vorbeilassen. Was die Williams-Box zu überraschen schien, sie informierte Sainz erst im letzten Moment. Entsprechend plötzlich musste er auf die Bremse und wurde dabei von mehreren anderen Autos wieder überholt.

Carlos Sainz schwört auf Williams-Potenzial, Alex Albon zweifelt

Das erklärt schnell den Verbremser. Tatsächlich wies sein Renningenieur Sainz nur Sekunden vor der ersten Kurve noch einmal auf "leicht" unterkühlte Vorderreifen hin. Das entlockte Sainz schon raus aus Kurve 3 eine Fluchtirade, ehe er sich nach Ablauf der Runde erneut empörte.

"Die Pace in FP1 hat gezeigt, dass wir heute eine schnelle Runde hätten schaffen können", ärgert sich Sainz. In FP1 war er noch solider Achter gewesen, nur ein Zehntel langsamer als der im Sprint-Qualifying fünftplatzierte Fernando Alonso. "Aber wir haben es geschafft, uns in eine Position zu bringen, in der wir nicht einmal eine schnelle Runde fahren konnten!"

Teamkollege Alex Albon zweifelt nach einem blassen 12. Rang nach dem Sprint-Qualifying allerdings an dem Potenzial: "Ich denke, wir wussten, dass wir mit dieser Strecke hadern würden. Viel Zeit liegt darin, nur die Balance zu bekommen, die du willst, aber ich weiß nicht, ob das möglich ist oder ob es eher fundamentale Probleme sind. Wir werden versuchen, das zwischen Sprint und Qualifying zu lösen, aber es war schwierig." Mehr zum Rest des Qualifyings gibt es hier: