Das Qualifying bei der Formel 1 in Singapur war eine sehr deutliche Niederlage von McLaren. Das war kein Baku, wo man es auf Fahrfehler schieben konnte. "Meine erste Q3-Runde fühlte sich vernünftig an - sicher nicht vier Zehntel langsamer", berichtet Oscar Piastri nach einem abgeschlagenen dritten Platz mit 0,366 Sekunden Rückstand. Es dämmert langsam: Nein, es sind nicht nur die Strecken.

Viel wurde schließlich an den letzten beiden Wochenenden darüber gesprochen, dass Low-Downforce-Kurse mit wenig Reifenverschleiß dem Red Bull entgegengekommen waren. Beides trifft auf Singapur nicht mehr zu, und Lando Norris hatte hier vor 12 Monaten auch dominiert. Für Piastri ist der Rückstand dann schon überraschend: "Es war in allen Trainings eng, da waren wir denke ich recht zuversichtlich."

McLaren-Teamchef: In Singapur sind es die Kurven

Trotzdem bemüht Teamchef Andrea Stella auch im dritten Rennen noch einmal das Argument der Streckencharakteristik: "Wir sehen ein Muster mit Baku und Singapur, das wir schon in Kanada gesehen haben. Wenn wir Bremszonen mit Wellen und Kerbs haben. In Kanada waren wir nicht das beste Auto, in Baku nicht, und in Singapur sind wir es wieder nicht."

"Von einer technischen Perspektive ist es keine Überraschung", argumentiert Stella da. "Wir sehen generell, dass wir in der Kurvenmitte Zeit gewinnen, aber jede Kurvenmitte ist hier zu kurz. Hier dominieren Bremsen und Traktion mit Wellen und Kerbs, und da scheinen wir einfach ein bisschen zu leiden." Die Verbindung wird von Mercedes untermauert: George Russell holte in Singapur wie schon in Kanada Pole.

In Monza hatte Stella bereits hervorgehoben, dass der McLaren mit kurzen Kurvenradien recht wenig anfangen kann. Warum aber war das Auto dann vor 12 Monaten hier so viel besser zu handhaben? "Da geht es um ein paar Aspekte der neuen Vorderreifen, die wir dieses Jahr haben", glaubt Stella.

Pirelli hatte im Winter die Reifen verändert, um sie robuster zu machen. Die Vermutung: Dadurch wurde das grundsätzlich auf der Vorderachse schon anfällige McLaren-Konzept noch anfälliger auf Strecken, auf denen die Vorderreifen der limitierende Faktor sind.

"Das haben wir in Vegas und so gesehen", erinnert Lando Norris ans Vorjahr. Außerdem wurden Teile von Singapur für 2025 neu asphaltiert: "Die neuen Asphaltstellen haben viel Grip, sind sehr untersteuernd, und wir bekamen die Vorderreifen einfach nicht zum Arbeiten." Diese Probleme treffen Norris schon das ganze Jahr härter, wie er in Singapur einmal mehr darlegte:

McLaren stellt Auto-Entwicklung 2025 ein, Red Bull nicht

"Ich gehe davon aus, dass Austin mit den engen Kurven und vielen Bremszonen noch einmal schwierig für uns wird", prognostiziert Stella daher. "Unsere Strecken bleiben solche wie Brasilien, Katar, Abu Dhabi." Doch inzwischen kann das nicht mehr alles sein. Die Formel 1 fuhr 2025 schon auf anderen Kursen mit den Problemkurven.

"Vielleicht hatten wir früher in der Saison einen etwas größeren Vorteil und konnten manche Strecken besser wegstecken", räumt Stella schließlich ein, dass die Konkurrenz aufgeholt hat. "Manche unserer Konkurrenten haben ihr Auto weiterentwickelt, oder es besser verstanden. Dementsprechend wurde das Feld noch enger."

So ist Stella in Singapur schnell bereit, erneut auf Red Bulls letzte Updates zu verweisen. Ein neuer Unterboden in Monza, ein neuer Frontflügel in Singapur. Anders McLaren, wo man schon viel länger das Projekt 2025 abgeschlossen hat: "Wenn überhaupt, dann hatten wir ein paar Kleinteile in Monza, aber sonst sind wir schon lange auf 2026 fokussiert."

Mit dieser Entscheidung muss McLaren für die letzten Rennen jetzt leben. "Natürlich würden wir die Formel 1 gerne langweilig machen, wie wir es bei manchen Events getan haben", beurteilt Stella die getroffene Wahl. "Aber normalerweise ist die Formel 1 ein enger Wettbewerb. Du musst den Kampf akzeptieren, und genau das tun wir."