"Das war für mich ein bisschen die Szene des Rennens." Wer jetzt denkt, dass sich Formel 1-Experte Christian Danner auf die Szene bezieht, als Oscar Piastri seinen Teamkollegen Lando Norris aufgrund einer Teamorder vorbeiließ, der irrt.

Er bezieht sich auf die Reaktion von Max Verstappen auf die besagte McLaren-Teamorder in Italien. Bereits im Rennen hatte sich der viermalige Champion über die Situation amüsiert und auch in der Pressekonferenz sorgte seine Reaktion für Lacher. Da es von den Journalisten vorwiegend Fragen zur Teamorder gab, sank er theatralisch von seinem Sitz nach unten und tat so, als würde er schlafen.

"Dass sich Max darüber totgelacht hat, ist völlig nachvollziehbar. An seiner Stelle hätte ich es auf dieselbe Art und Weise getan und auch kommuniziert. Denn so kann man den Gegner lächerlich machen", sagt Christian Danner im AvD-Motorsport-Magazin . Er selbst ist kein Fan von McLarens Entscheidung, die Position der Fahrer zu vertauschen, nachdem Norris nach einem verpatzten Boxenstopp hinter Piastri zurückgefallen war.

McLaren behandelt Fahrer wie Marionetten

"Die Fahrer wie Marionetten unter dem Vorwand der Fairness hin und her zu schicken, ist ziemlich unüblich für ein F1-Team", meint der Deutsche. Allerdings sei man im Nachhinein immer klüger. "Ich glaube, McLaren hätte im Nachhinein das eine oder andere nicht so in Angriff genommen. Aber der ganze Vorgang war schon so, dass ich persönlich sagen muss, das ist die Grenze zu Absurdistan."

Die ganz Großen des Sports würden sich solcher Anweisungen des Teams nicht beugen. Als Beispiele nennt Danner einerseits Michael Schumacher, der sich den Nummer-1-Status inklusive Teamorders vertraglich zusichern ließ und andererseits Sebastian Vettel. Er ignorierte 2013 in Sepang die Order "Multi-21" seines Red-Bull-Teams. Statt die Position wie angewiesen zu halten, überholte Vettel eigenmächtig seinen Teamkollegen Mark Webber und sicherte sich damit den Sieg.

McLaren-Piloten Oscar Piastri und Lando Norris im GEspräch
Kracht es bald zwischen Piastri und Norris?, Foto: IMAGO/Eibner

Danner warnt: Piastri wird der Kragen platze

Auch Max Verstappen stellte nach dem Italien GP im Interview mit ServusTV klar, dass er an Stelle von Piastri seinen Teamkollegen nicht vorbeigelassen hätte. "Er würde im Leben nie die Position wieder hergeben. Das hat er auch in der Vergangenheit gegen Pérez schon bewiesen", sagt Danner.

Der frühere F1-Pilot spielt auf den Brasilien Grand Prix 2022 an als Red Bull ihn aufforderte, Teamkollege Sergio Pérez vorbeizulassen und ihm damit im Kampf um Platz zwei in der Fahrer-WM zu helfen. Verstappen ignorierte die Teamorder und stellte über Funk klar: "Ich habe es euch schon das letzte Mal gesagt, dass die Jungs mich nicht noch einmal um so etwas wie das bitten sollen."

Danner ist sich sicher, dass auch Oscar Piastri die Teamorder nicht so einfach hinnehmen wird, auch wenn er gegenüber den Journalisten Verständnis für die Entscheidung zeigte. "Ich bin mir sicher, dass da intern diskutiert wird. Es ist völlig normal, dass es das brodelt – und durch solche Aktionen steigt der Druck", erklärt Danner und warnt: "Irgendwann wird der Druck im McLaren-Kessel so hoch werden, dass es zu einer Explosion kommt. Irgendwann wird auch Piastri der Kragen platzen."

McLaren-Teamorder unfair? Danner warnt vor Eskalation! (41:28 Min.)