Wenn der Rookie den Formel-1-Routinier schlägt: Bei Sauber schlägt das Qualifying-Pendel seit Österreich definitiv in Richtung Gabriel Bortoleto aus. Auch in Monza hielt der 20-Jährige seinen Teamkollegen Nico Hülkenberg auf Distanz. Aufgrund der Strafversetzung von Lewis Hamilton (plus 5 Startplätze) startet er aus der vierten Startreihe und ist damit der Schnellste hinter Verstappen und den drei Top-Teams McLaren, Ferrari, Mercedes.
Eine Leistung, vor der sogar Nico Hülkenberg seinen Hut zieht. "Gabi [Gabriel Bortoleto] ist eine Maschine. Er produziert Runden wie ein Drucker, dem die Tinte nie ausgeht. Für einen Rookie und angesichts dessen, was er leistet, macht er kaum Fehler. Das ist ziemlich erstaunlich", lobte Hülkenberg seinen jungen Teamkollegen. Für ihn ist er der "Mann der Zukunft". Dieses Lob geht für den 20-Jährigen runter wie Öl, immerhin kommt es von einem der erfahrensten Piloten im Feld und einem, der in den letzten Jahren als einer der stärksten Qualifier im Feld galt.
Bortoleto: Früher zu Nico aufgeschaut, jetzt auf einem Niveau
"Als ich in der F2 und F3 gefahren bin, habe ich zu ihm aufgeschaut und dachte mir: Der Kerl ist so schnell. Als ich dann erfuhr, dass ich sein Teamkollege werde, habe ich befürchtet, dass es ein hartes Jahr für mich wird. Aber wenn man sich die Daten ansieht, liegen wir sehr nah beieinander", sagte Bortoleto und gestand, sich stundenlang die Daten des Deutschen anzusehen. Das scheint sich ausgezahlt zu haben, im teaminternen Qualifying-Duell steht es 10:7 für den Rookie. Zwar hat Hülkenberg für Sauber die besseren Rennergebnisse erzielt, darunter der Podiumsplatz in Silverstone, trotzdem hat er es in dieser Saison nicht einmal ins Q3 geschafft.
Diese Grafik zeigt bei Hülkenberg einen besorgniserregenden Qualifying-Trend:
Das Aus in Q2 in Italien nahm Hülkenberg voll auf seine Kappe. Im ersten Run in Q2 machte er einen Fehler, im zweiten Run konnte er sich nicht mehr genug verbessern, um Q3 zu erreichen. "Ich habe den ersten Lauf in Q2 völlig vermasselt und hatte im Grunde nichts auf dem Konto. Das macht einen natürlich ein bisschen verwundbar, wenn man auf den letzten Versuch geht. Diese paar Hundertstel am Ende sind kostspielig und machen den Unterschied", sagte Hülkenberg. Tatsächlich waren es nicht Hundertstel, sondern Tausendstel – genauer gesagt 56 Tausendstel, die auf die zehntschnellste Zeit von Yuki Tsunoda fehlten.

Italien GP: Für Bortoleto war in Q3 mehr drin
Während Hülkenberg als Zwölfter in Q2 schied, fuhr Bortoleto in den ersten beiden Sessions jeweils die siebtschnellste Zeit und landete in Q3 auf Rang acht. Laut dem Brasilianer wäre im letzten Segment definitiv mehr drin gewesen. "Auf meinem Run auf den neuen Reifen hätte ich vielleicht etwas mehr herausholen können. Ich habe viel Druck gemacht, das Auto war am Limit - es fühlt sich an, als hätte ich etwas auf den Tisch gelassen", erklärte der 20-Jährige.
Seine Zeit von 1:19,390 Minuten war eine halbe Sekunde langsamer als der neue Streckenrekord von 1:18.792 Minuten, aufgestellt von Max Verstappen. "Wenn ich mir die Abstände und alles anschaue, bin ich zufrieden mit unserer Position", meinte Bortoleto. Vor allem der Rennspeed des C45 stimmt ihn für den Sonntag zuversichtlich. "Wir werden versuchen, die anderen hinter uns zu halten und wenn möglich sogar nach vorn anzugreifen. Es wird ein hartes und langes Rennen."



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