Oliver Bearman legte in Zandvoort eine starke Aufholjagd hin. Von der Boxengasse aus fuhr er auf den sechsten Platz und erzielte das beste Ergebnis seiner bisherigen Formel-1-Karriere. In Monza sind nun die Augen einiger Tifosi auf den Haas-Piloten gerichtet, schließlich ist er Teil des Ferrari-Nachwuchsprogramms. Könnte Bearman die Zukunft der Scuderia sein?

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"Ich habe eine starke Verbindung zu Italien. Ich habe dreieinhalb Jahre hier gelebt, die Sprache gelernt und mit meiner Verbindung zu Ferrari fühlt sich Monza wie eine Art Heimrennen an", sagte der Brite. Bearman trat der Ferrari Driver Academy im Jahr 2022 bei, während er in der Formel 3 fuhr. Letztes Jahr feierte er sein F1-Debüt in Rot, als Carlos Sainz wegen eines plötzlichen Blinddarmdurchbruchs nicht am Saudi-Arabien GP teilnehmen konnte.

Seither ist Bearman ein bekanntes Gesicht für die italienischen Motorsport-Fans. "Der Rückhalt war hier immer unglaublich. Ich kann kaum erwarten, wie es als Formel-1-Fahrer ist, denn es war schon verrückt, als ich in der Formel 2 und Formel 3 war", freute sich der Haas-Pilot.

Oliver Bearman beim Formel-2-Rennen in Monza
Oliver Bearman fuhr bereits in der Formel 2 in Monza und gewann 2024 das Sprint-Rennen, Foto: IMAGO / Panoramic by PsnewZ

Oliver Bearman zu Ferrari: "Das ist mein Ziel"

Könnte Bearman bald für Ferrari an den Start gehen? Bis dahin ist es noch ein weiter Weg, stellte der Rookie klar. "Das ist mein Ziel und hoffentlich schaffe ich es eines Tages, aber meine Karriere ist gerade bei Haas. Ich muss zuerst beweisen, dass ich das Können für ein Top-Team habe." Dafür müsste er vor allem konstantere Performances liefern.

Bisher gelang es Bearman in nur drei der bisherigen sechzehn Rennen in die Punkteränge zu fahren. Daran ist aber nicht nur der Rookie schuld, sondern auch der fehleranfällige und inkonstante VF-25. Das spürte das Team in Zandvoort: Im Qualifying schaffte es Bearman nur auf P19, Teamkollege Esteban Ocon auf P18.

Der Grund: Es gab ein Problem am Haas, weswegen der frische Soft-Reifen keinen Grip aufbaute. Bearman versicherte, dass das Problem in Zukunft nicht mehr auftreten sollte, aber das Team und er selbst müssten sich vor allem in Sachen Vorbereitung noch verbessern. "Es geht viel um Outlaps, das Aufwärmen der Reifen. Darauf müssen wir mehr achten", so der Brite.

Bearman und Haas haben "noch Raum für Wachstum"

Ebenso müsse er an seiner Mentalität arbeiten. "Ich habe stundenlang die Daten studiert, um das Auto und mich schneller zu machen. Aber wenn man an zu viele Dinge gleichzeitig denkt, ist es hart, den Fokus im Auto zu behalten. Deswegen arbeite ich daran, meinen Kopf freizukriegen und mich auf das Ziel zu konzentrieren, bevor ich ins Auto steige."

Auch wenn Bearmans ultimatives Ziel ein Platz in Maranello ist, gibt es weder einen Zeitplan noch eine Kommunikation mit Ferrari: "Ich fokussiere mich auf die Dinge hier [bei Haas]. Mein Job ist es, so gut zu performen, dass die Teams gar keine andere Möglichkeit haben [als mich einzustellen]. Und das passiert nicht von einem Tag auf den anderen."

Hinzu kommt, dass beide aktuellen Ferrari-Piloten noch mehrjährige Verträge haben und Bearman erst am Anfang seiner Karriere steht. "Ich sehe noch viel Raum für Wachstum bei mir und im Team. Ich habe noch viel Potential für Weiterentwicklung und das ist ein gutes Gefühl. Ich konzentriere mich aufs schnelle Fahren und der Rest wird sich ergeben", zeigte sich Bearman positiv für die Zukunft.