Der Große Preis der Niederlande liegt zwar schon Tage zurück, ist aber im Formel 1-Paddock in Monza immer noch Gesprächsthema. Die Berührung zwischen Carlos Sainz und Liam Lawson in Zandvoort löste im Fahrerlager eine Debatte über die aktuellen Racing Guidelines aus.
Was war passiert? Carlos Sainz hatte beim Restart nach der ersten Safety-Car-Phase in Runde 27 außen in der ersten Kurve angegriffen. Lawson ließ sich am Scheitelpunkt nach außen tragen. Sainz gab nicht nach, es kam zum Kontakt. Die Stewards sahen den Williams-Piloten als Schuldigen der Kollision an – Sainz kassierte eine 10-Sekunden-Strafe und zwei Strafpunkte. In Monza stellte Sainz klar, dass er die Strafe immer noch als "inakzeptabel" ansieht und er den Fall noch einmal aufrollen möchte.
Lawson: Warum bin ich der Aggressivere?
Die Racing Guidelines besagen: Wer außen attackiert, dem steht nur Platz zu, wenn seine Vorderachse am Scheitelpunkt vor der Vorderachse des Verteidigers ist. Bei Sainz war das nicht der Fall. Entsprechend versteht Liam Lawson auch nicht, warum er in die Kritik geriet. "Er hat das Überholmanöver angesetzt. Ich fuhr außen herum, und er hat seine Achse nicht dort platziert hat, wo er sie hätte platzieren müssen. Ich verstehe ehrlich nicht, warum ich als der Aggressive dargestellt werde?", so der Racing-Bulls-Pilot.
Lawson selbst hat aus der Vergangenheit seine Lehren gezogen und hält sich strikt an die Regeln. "Ein Beispiel, das mir besonders in Erinnerung geblieben ist, ist Miami. Als ich versuchte, an Fernando [Alonso] vorbeizufahren, hatte ich das Gefühl, dass mir kein Platz gelassen wurde", erinnert sich Lawson. Der Neuseeländer versuchte im Miami-Sprint in Kurve 11 außen an Alonso vorbeizugehen. Lawson fuhr bis an den äußersten Rand der Strecke und berührte auf dem Weg zu Kurve 12 Alonso. Der Spanier landete in der Streckenbegrenzung, Lawson kassierte eine 5-Sekunden-Strafe.
"Ich habe daraus viel gelernt. Wenn die Richtlinien besagen, dass ich keinen Platz machen muss, warum sollte ich dann Platz machen?", so Lawson. Alex Albon hat eine ähnliche Situation in Spanien erlebt. "In der ersten Kurve wurde ich nach außen gedrückt, habe mir dabei den Frontflügel beschädigt und musste an die Box – mein Rennen war damit praktisch zerstört. Später fand ich mich neben demselben Fahrer wieder. Ich habe eine Kollision vermieden, indem ich die Kurve abgekürzt habe und kassierte dafür eine Strafe. Im Endeffekt also ein klassisches Lose-Lose", erzählte der Williams-Pilot.
Albon glaubt das Problem zu kennen
Die Ursache für solch fragwürdige Strafen sieht Albon in der Tatsache, dass die Racing Guidelines dem Fahrer auf der Innenseite zu viel Macht geben. "Er bestimmt quasi alleine über den Ausgang, während der Fahrer auf der Außenseite nur reagieren kann. Im Racing geht es aber eigentlich immer um Geben und Nehmen. Im Moment scheint das allerdings nicht zu gelten. Das führt zu Strafen, die sich für uns Fahrer einfach nicht richtig anfühlen", erklärte Albon und sieht Gesprächsbedarf zwischen der FIA und den Fahrern. Pierre Gasly sieht das Thema etwas entspannter.
Lewis Hamilton versteht nach seiner Strafe für den Italien GP die Welt nicht mehr. Mehr dazu in diesem Artikel:
"Am Ende des Tages wollen wir alle spannendes Racing erleben, ohne dass es allzu große Konsequenzen für das Rennen gibt – egal, ob diese durch das Verhalten eines Fahrers oder durch eine zu harte Strafe verursacht wurden. Und eigentlich gelingt uns das auch ganz gut. Es gibt nur einzelne Situationen, die da herausstechen", so der Alpine-Pilot. Letztendlich bleibe es eine Grauzone, in der es manchmal zugunsten eines Fahrers und manchmal zugunsten eines anderen Fahrers ausginge.
Auch Lawson schlägt in Bezug auf die Racing Guidelines versöhnliche Töne an. "Die Regeln sind darauf ausgelegt, enge Rennen zu ermöglichen und sie so für die Zuschauer spannend zu machen. Im Vergleich zu den letzten Jahren denke ich, dass uns positive Schritte gelungen sind. Die Richtlinien sind nicht perfekt, aber ich kann verstehen, wie schwierig es ist, genaue Richtlinien festzulegen, wenn 20 Fahrer unterschiedliche Dinge verlangen", so Lawson.
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