Ein siebter und zehnter Platz im Training haben einem Formel-1-Fahrer wahrscheinlich selten so viel Freude bereitet wie Kimi Antonelli. Nach den Freitagssessions in Ungarn wirkten die Schultern des Mercedes-Rookies um einige Kilogramm leichter als noch vor ein paar Tagen. "Zur Spitze fehlt uns etwas, aber es war ein guter Tag. Ich bin glücklich, weil ich endlich das Vertrauen ins Auto zurückbekomme", strahlte der 18-Jährige.
Antonellis Selbstvertrauen war zuletzt ein großes Thema. Nach desaströsen Europa-Rennen, in denen er keinen einzigen Punkt holte und viermal teils selbstverschuldet ausfiel, hatte er mental mit sich zu kämpfen. Dass der W16 seit Imola auch noch an Performance verliert, verstärkte das Problem. Nach dem Spa-Qualifying, in dem er schon im ersten Segment ausschied, trat er mit Tränen in den Augen vor die Medien.
In Ungarn sieht das schon ganz anders aus. Antonelli scheint befreit, auch wenn der Abstand zur Konkurrenz durchaus besorgniserregend ist. Im ersten Freien Training fehlten Antonelli über acht Zehntelsekunden auf die Bestzeit von Lando Norris, im FP2 waren es fast neun.
Doch ganz repräsentativ ist das nicht, meinte Antonelli selbst: "Als ich mit den Soft-Reifen unterwegs war, hatte ich ziemlich viel Verkehr im letzten Sektor. Die Runde war auch nicht ganz sauber, aber ich habe ein gutes Gefühl für Samstag", ließ sich der Rookie nicht entmutigen. Die Tatsache, dass die Longruns des W16 gut aussahen, stärkt ebenfalls sein Selbstvertrauen für das Wochenende.
Um dem Performance-Abfall entgegenzuwirken und beiden Fahrern Vertrauen in das Auto zurückzugeben, hat Mercedes ein Vorgängermodell der Hinterachse an den Hungaroring mitgebracht. "Die Hinterachse ist eine große Veränderung, das Auto ist ganz anders. Wir arbeiten viel daran und versuchen, es wieder auszubalancieren", schilderte Antonelli. Alle Details zum technischen Wechsel bei Mercedes gibt es hier:
George Russell: Kein Durchbruch, müssen dranbleiben
Auch George Russell zeigte sich mit der neuen bzw. alten Hinterachse zufrieden. "Das Auto hat sich heute besser angefühlt, es war viel angenehmer zu fahren. Wir haben beide mehr Vertrauen gehabt. Es ist definitiv eine Verbesserung von Spa", urteilte der Brite nach den Freitagstrainings.
In FP2 fehlten Russell knapp acht Zehntelsekunden auf Norris, im ersten Freien Training musste er sich sogar seinem Teamkollegen geschlagen geben und reihte sich hinter dem Rookie auf dem achten Platz ein.
Jedoch sieht der Rückstand von Mercedes auf den Drittplatzierten Charles Leclerc schon akzeptabler aus. Im FP1 sind es noch über sechs Zehntel, die den Mercedes-Piloten auf die Ferrari-Zeit fehlen, im FP2 nur noch 0,4 Sekunden. Auch, dass sich beide Aston Martins im zweiten Freien Training überraschend weit oben platzieren konnten, rückt die Mercedes-Performance in ein schlechteres Licht.
"Es ist schön, wenn du in der Rangliste etwas weiter oben bist. Wir müssen jetzt noch die letzten Kleinigkeiten finden, damit alles wieder richtig funktioniert. Es war kein Durchbruch, aber das haben wir auch nicht erwartet. Wir müssen dranbleiben", resümierte Russell den Ungarn-Freitag.
Es sei "nur" Freitag, "nur" das Training. Entscheidend ist jedoch das Qualifying, denn auf dem überholfeindlichen Hungaroring ist die Startposition extrem wichtig. Gerade in der aktuellen Formel-1-Saison können drei Zehntelsekunden über Q1 oder Q3 entscheiden, wie der Fall Antonelli in Spa gezeigt hat.
Max Verstappen hat in Ungarn mit seinem RB21 zu kämpfen. Doch noch bizarrer als sein 14. Platz ist das, wofür er nach dem Training bei den Stewards antanzen musste. Details dazu und einen Recap des Hungaroring-Freitags gibt es im Video!



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