Die Formel 1-Saison nähert sich mit großen Schritten der Halbzeit an. Mit dem Kanada GP an diesem Wochenende steht das zehnte von 24 Rennen am Programm. Die von der Konkurrenz erhoffte Wende im Kräfteverhältnis brachten die strengeren Frontflügel-Tests in Spanien zumindest auf den ersten Blick nicht. Der WM-Vorsprung von McLaren ist bereits auf 197 Punkte angewachsen, hinter der Papaya-farbenen Mannschaft geht es dafür umso enger zu.

Formel-1-Kräfteverhältnis: Wer ist zweitstärkste Kraft?

Ferrari, Mercedes und Red Bull haben eines gemein: Sie hinken ihren Erwartungen hinterher, denn keiner von ihnen will um Platz zwei McLaren fighten. Und doch tun sie es, denn auch den größten Makel im Vergleich zu McLaren haben sie gemein: es fehlt ihnen an zwei starken Fahrern. Das Red Bull-Punktekonto wurde vorwiegend von Max Verstappen gefüllt. 137 der 144 WM-Zähler holte der vierfache Champion, doch wie sich in Spanien zeigte, macht auch ein Max Verstappen Fehler. Erschwerend kommt hinzu, dass außer dem Niederländer keiner mit dem RB21 (schnell) fahren kann.

Ferrari ist zwar dank dem dritten Platz von Charles Leclerc in Barcelona an Mercedes in der WM vorbeigegangen, allerdings profitierte der Monegasse von der Safety-Car-Phase im Rennen. Die größte Schwäche des SF-25 ist weiterhin das Qualifying – der zweite Startplatz von Leclerc in Monaco war vor allem dem Layout geschuldet. Im Renntrimm ist der SF-25 definitiv stärker, wobei bislang nur Leclerc die Pace regelmäßig in Punkte verwandeln kann. Lewis Hamilton ist hingegen völlig orientierungslos.

Bei Mercedes taucht hingegen ein altes Problem wieder auf – der W16 setzt auf die Distanz zu sehr den Reifen zu. Zuletzt kämpfte Mercedes auch noch mit der Zuverlässigkeit – in Imola gab es bei Kimi Antonelli ein Problem mit dem Gaspedal, im Monaco-Qualifying musste George Russell seinen Wagen abstellen und in Barcelona traf es abermals Antonelli – Motorschaden in Runde 53.

TeamKonstrukteurs-WMSiegeSprint-SiegePole PositionsPole Positions SprintPodestplätze
Ferrari165 0 1 0 1 3
Mercedes159 0 0 0 1 4
Red Bull144 2 0 3 0 3

Hinter Williams läuft Kopf-an-Kopf-Rennen

Williams gelang es in den bisherigen Rennen wiederholt die Top-Teams zu ärgern. Der FW47 ist nicht nur konstant, sondern auch schnell, weshalb Alex Albon in Australien, Miami und Imola ein Top-5-Ergebnis einfahren konnte. Auch Carlos Sainz hat sich mittlerweile an sein Arbeitsgerät gewöhnt und fuhr seit Saudi-Arabien immer in die Punkte – mit Ausnahme von Spanien. Doch der Circuit de Barcelona-Catalunya ist seit 2021 kein gutes Pflaster für Williams. Hier wird die Downforce-Schwäche des FW45 in langgezogenen Kurven deutlich.

Trotzdem muss sich der britische Traditionsrennstall keine Sorgen um P5 in der Konstrukteurswertung machen, denn aktuell stellen weder Racing Bulls noch Haas eine konkrete Gefahr da. Im hinteren Feld kämpfen Sauber und Aston Martin gegeneinander. Während Aston Martin zu Saisonbeginn stark auftrat und dann immer mehr schwächelte, gelang Sauber mit einem Update-Paket in Barcelona die große Kehrtwende.

Laut dem Schweizer Rennstall brachte das Update mindestens eine Zehntelsekunde, was in der aktuell so engen Formel 1 ein Gamechanger sein kann. Auf jeden Fall katapultierten die neuen Teile Nico Hülkenberg in Barcelona auf P5 und Sauber in der Konstrukteurswertung vom letzten auf den achten Platz.

Schlusslicht ist jetzt Alpine, was allerdings weniger mit der Performance des Autos zu tun hat als mit den internen Querelen. Jack Doohan musste sein Cockpit nach sechs Rennen für Franco Colapinto räumen, der bisher aber auch nicht glänzen konnte. Nach Miami räumte Oliver Oakes seinen Teamchef-Sessel und Flavio Briatore übernahm das Ruder. Der Italiener ist damit der vierte Teamchef bei Alpine seit 2023.

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