Monaco erlebte am Sonntag die Stau-Hölle. Nicht nur für Fans auf dem Weg an die Strecke. Auch die Formel-1-Fahrer zogen im Rennen eine Bummel-Show ab, die ihresgleichen sucht. Wie schlimm war die Aktion wirklich? Die Renn-Analyse untermauert: George Russell hätte besser schon früher die Regeln gebrochen. Und Bummler mit zwei Runden Rückstand spielten in die Sieg-Strategie mit hinein.
Russell war der Mann, der letztendlich in Runde 49 überkochte und einfach abkürzte, um zu überholen. Er war von Runde 5 bis Runde 48 - alle bis dahin gefahrenen Runden unter grüner Flagge - aufgehalten worden. Erst von Liam Lawson. Dann von Carlos Sainz. Schließlich von Alex Albon. Die Strategie dieser Fahrer war klar. Man kann in Monaco selbst ein vier Sekunden langsameres Auto nicht überholen. Teams konnten also locker einen Fahrer anweisen, das Feld aufzuhalten, damit der zweite Fahrer eine Boxenstopp-Lücke auffahren konnte.
Weil 2025 in Monaco zwei Reifenwechsel verpflichtend waren, musste man das sogar zweimal machen. Williams war in einer besonders glücklichen Lage. Albon und Sainz lagen hintereinander. Daher konnte erst Sainz 40 Sekunden für Albon öffnen. Dann tauschten die beiden die Plätze. Und Albon öffnete 40 Sekunden für Sainz. Ein Albtraum-Szenario, dass die Williams-Piloten selbst am Donnerstag schon prognostiziert hatten.
"Manipuliert" habe man das Rennen, findet der selbst damit unglückliche Sainz am Sonntag schließlich. Die Blockierer exekutierten es perfekt. Lawson ermöglichte Isack Hadjar erst zwei Stopps in den Runden 14 und 19 und damit P6. Sainz tat dasselbe für Albon (und für Lawson als Strategie-Schnorrer) in den Runden 32 und 40. Dann tauschten die Williams, Sainz stoppte in den Runden 48 und 53. Damit hatten Lawson, Albon und Sainz P8, P9 und P10 sicher.
George Russell vs. Williams-Doppelspiel: Strafe reicht nicht einmal aus
Wie viel kostete das alles ihren Verfolgern? Nehmen wir Russell als Beispiel - naheliegend, er war das unmittelbare Opfer. Er lag beim Neustart nach einem frühen Virtuellen Safety Car zu Rennbeginn 15 Sekunden hinter dem Führenden Lando Norris. In Runde 48 waren es zweieinhalb Minuten. In Runde 47 fuhr Albon vor ihm vier Sekunden langsamer als Sainz, für den er die Boxenstopp-Lücke erzeugen sollte. Und fünf Sekunden langsamer als der Führende.
Russell platzte der Kragen, in Runde 48 kürzte er schließlich die Hafenschikane ab und ging an Albon vorbei. Die Stewards hatten das Szenario vor dem Rennen tatsächlich antizipiert und straften deshalb bewusst ungewöhnlich hart, mit einer Durchfahrtsstrafe. "Ironischerweise habe ich trotzdem profitiert", lacht Russell nach dem Rennen. Rückblickend betrachtet hätte er es daher viel früher machen müssen.
Russell hatte nie etwas zu verlieren, er war immer im Zug und nie in den Punkten. Ab Runde 19 war er hinter Sainz der erste Fahrer im Stau. Es ist eine einfache Rechnung: Als Russell in Runde 50 endlich freie Fahrt hatte, fuhr er auf Anhieb Rundenzeiten im Bereich von 1:16. Nimmt man das als seine theoretische Pace in freier Fahrt, so hat Russell hinter den Williams über 30 Runden hinweg insgesamt 01:27 Minuten verloren. Eine Durchfahrtsstrafe kostet in Monaco weniger als 17 Sekunden...
Wilde Strategie-Theorie: George Russell betrügt viel zu spät
Die Rechnung geht sogar im Detail auf. Russell hätte Sainz sofort per Abkürzen überholen und die 20 Sekunden Strafe in Kauf nehmen können, als Williams in Runde 25 Sainz zum Verlangsamen verdonnerte. Dann hätte er einfach Albon hinterherfahren können. Basierend auf der tatsächlichen Strafe dauern die Ermittlung, das Aussprechen und das Abwarten bis ans Ende der drei Runden langen Galgenfrist zum Absitzen einer Strafe insgesamt sechs Runden.
In diesen sechs Runden hätte Russell am Heck von Albon genau 17 Sekunden Vorsprung auf den verlangsamenden Sainz aufgefahren. Genau die Zeit, die er bei der Durchfahrtsstrafe verloren hätte. Er hätte beim Ableisten also keinen Platz verloren. Zwar hätte er nach der ersten Rotation in Runde 40 dann erst einen Boxenstopp gehabt, aber freie Fahrt mit einem auf dem Papier schnelleren Mercedes, während der zu dem Zeitpunkt dann elftplatzierte Sainz null Stopps hatte. Damit war ein Punkt in Reichweite.

Natürlich verlangt die Theorie, dass nicht etwa Albon kurz verlangsamen würde, um zu garantieren, dass Russell nach der Strafe wieder hinter Sainz landen würde. Aber ist das nicht noch absurder? Die Realität ist sowieso absurd genug. Bei Kimi Antonelli und Yuki Tsunoda, die als einzige Fahrer praktisch den ganzen Zug von Lawson über Sainz bis Albon und schließlich Antonelli selbst (der für Russells P11 am Ende eine Lücke schaffen musste) ununterbrochen mitmachten, gingen zwischen den Runden 5 und 65 sagenhafte 03:40 Minuten Rennzeit verloren.
F1-Spitze fährt eigenen Monaco-GP - leider auf der gleichen Strecke
Vorne hätte McLaren die Taktik wohl nur dann riskiert, wenn man mit Norris und Oscar Piastri eine Doppelführung gehabt hätte. Ein in Monaco aber nie in den Rhythmus findender Piastri war im Rennen jedoch stets zu weit weg, um eine ernsthafte Gefahr für den zweitplatzierten Charles Leclerc zu sein. Schon beim ersten Stopp war Piastri nicht in Undercut-Reichweite, da spielte selbst ein schlechter Stopp keine Rolle.
Doch die Kombination aus der rollenden Straßensperre im Mittelfeld und aus einem nervigen Max Verstappen machte das Rennen für McLaren und Norris dann noch einmal stressig. Verstappen war daran nur indirekt schuld. Weil er zu langsam war: "Jedes Mal, wenn ich versuchte, ihr Tempo zu gehen, haben die Reifen überhitzt." Red Bull ließ Verstappen daraufhin im Mittelstint bis Runde 77 draußen und hoffte auf eine rote Flagge.
Norris' Rennen wurde ab Runde 45 daher äußerst unangenehm. Da schloss er zum zweiten Mal auf den Zug auf, der gerade von Albon angeführt wurde. Als Norris in Runde 29 zum ersten Mal alle überrunden hatte müssen, hatte er in vier Runden sechs Sekunden verloren. Als er in Runde 45 nun wieder auflief, hatte er genau sechs Sekunden Vorsprung auf Leclerc.
McLaren war strategisch gefangen. Hätte man vorausgeplant und Norris vor dem Verkehr reingeholt, wäre man hinter dem langsamen Verstappen gelandet. Leclerc hätte draußen auf der bei ihm noch freien Strecke die Lücke gefährlich verkürzen können. Oder noch schlimmer. "Verstappen hätte mit uns spielen können", meint Teamchef Andrea Stella. Für McLaren äußerst irritierend: Verstappen konnte dieses Spiel nur spielen, weil der Fünfte Lewis Hamilton nach dem ersten Stopp völlig abgerissen war. Aus unerfindlichen Gründen hatte er bei den Überrundungen eine unfassbare Menge an Zeit verloren. Mehr dazu hier:
Ferrari stoppte Leclerc aber in Runde 49 - weg vom Überrundungsverkehr. McLaren wog das Risiko ab und entschloss: Besser Verstappen die Führung überlassen als Leclerc freie Fahrt. Damit machte man sich zwar bei einer roten Flagge verwundbar, gesteht Stella, aber: "Das ist ein Fakt, den musst du akzeptieren." Der Ferrari war die deutlich größere Gefahr. Bis zum Schluss steckte Norris dann auch hinter dem auf toten Medium-Reifen herumrollenden Verstappen fest. Aber er machte keinen Fehler mehr. Und die rote Flagge kam nie. Eine Runde vor Schluss stoppte Verstappen und überließ Norris den Sieg.



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