Der Funkverkehr von Lewis Hamilton war in seiner ersten Formel-1-Saison bei Ferrari bisher schon mehrmals Thema. Teamchef Fred Vasseur beschwichtigte mehrfach und machte stattdessen die TV-Regie dafür verantwortlich, dass diese absichtlich ein verzerrtes Bild liefere. Ein Vorwurf, der nicht immer unbegründet ist, wenn man sich bei bisherigen Formel-1-Rennen das komplette Funkprotokoll zwischen dem Briten und seinem Renningenieur Riccardo Adami anhörte.
In Monaco wurde es wieder einmal etwas hitziger am Funk zwischen Hamilton und Adami. Diesmal lag es allerdings nicht nur an der TV-Übertragung, denn am Rennende schien auch Lewis Hamilton selbst den Eindruck zu haben, dass etwas nicht passte: "Seid ihr sauer auf mich, oder was ist los?" fragte er auf der Cooldown-Runde, als er gerade den Tunnel durchfuhr.
Ferrari gewinnt zwei Plätze - Hamilton versteht Anweisungen trotzdem nicht
Die Antwort von der Boxenmauer? Schweigen. Zuvor hatte Hamilton seinen Ferrari auf der fünften Position ins Ziel gebracht. Eigentlich ein solides Resultat, wenn man bedenkt, dass Hamilton getrennt durch zwei Mittelfeld-Piloten auf P7 gestartet war. Am Funk gab es aber schon zuvor etwas Konfusion. Adami teilte ihm in Runde 17 mit, dass er freie Fahrt habe. "Was wollt ihr, das ich tue?", fragte Hamilton. Die Antwort: "Push, das ist unser Rennen." Eine Nachricht, die Hamilton nicht verstand.
"Ich wusste nicht, um was ich kämpfe. Den nächsten Platz vor mir? Aber wenn ich mir die Daten anschaue, dann war ich nicht einmal in der Nähe der Fahrer an der Spitze", wunderte sich Hamilton bei den Interviews nach dem Zieleinlauf. "Ich habe also meine Reifen aufgebraucht, aber ich war trotzdem weit weg." Eine Aussage, die wir der Vollständigkeit halber hier erwähnen, die man aber mit einem dicken Sternchen versehen muss.

Denn sie lässt sich so interpretieren, dass Hamilton nach dem Rennen gedanklich etwas durcheinanderbrachte. Angesichts dessen, dass er gerade einen Formel-1-GP hinter sich hat, kann das schon einmal vorkommen. Die Aussage von Adami bezog sich zu diesem Zeitpunkt nämlich keineswegs auf die Top-4. Kurz zuvor waren Isack Hadjar und Fernando Alonso, die von P5 und P6 gestartet waren, an die Box abgebogen.
Hamilton, der nach einer Strafe nur von P7 in den Grand Prix gegangen war, hatte also erstmals freie Fahrt und damit die Möglichkeit, einen Overcut zu fahren. Das gelang ihm, indem Hamilton noch einmal seine Reifen voll auspresste und dann an die Box abbog. Nachdem die ersten Boxenstopps durch waren, lag der Brite jetzt 2,9 Sekunden hinter Max Verstappen.
Erst dann begann die Phase, in der es für Hamilton scheinbar um nichts mehr ging. Bei den darauffolgenden Überrundungen verlor er beinahe 14 Sekunden mehr als Verstappen und fand sich im Niemandsland zwischen P4 und P6 wieder. In der Folge verlor der ehemalige Mercedes-Fahrer massiv Zeit auf die Fahrer vor ihm, während alle Piloten ab P6 strategisch mit sich selbst beschäftigt waren, und überrundet wurden. Zwischendurch erkundigte sich der dreifache Monaco-Sieger: "Bin ich immer noch eine Minute hinten?"
Lewis Hamilton plötzlich sehr langsam: Hatte er keine Lust mehr?
Es gibt keinen offensichtlichen Grund, warum Hamiltons Pace so stark einbrach, denn eigentlich hatte er abgesehen von Überrundeten im restlichen Rennen keinen Verkehr mehr, während beispielsweise sein Teamkollege Charles Leclerc im letzten Rennabschnitt im Zug hinter Max Verstappen festhing. Dennoch landete Hamilton 48 Sekunden hinter ihm.
Dass der Verkehr als Erklärung für diesen Rückstand nicht ausreicht, stellte auch sein Renningenieur fest. Adami sagte nach dem Überfahren der Ziellinie: "Wir haben viel Zeit im Verkehr verloren und den Rest müssen wir untersuchen." Auch die Konkurrenz war verwirrt. McLaren-Teamchef Andrea Stelle meinte: "Ich bin mir nicht sicher, ob Lewis Probleme hatte, aber er hätte heute im Rennen dabei sein müssen. Er hätte derjenige sein müssen, der von dieser Herangehensweise von Red Bull profitiert hätte."
McLaren blickt deshalb so genau darauf, da dieser Faktor den Sieg von Lando Norris gefährdet hatte. Verstappen konnte seinen zweiten Stint nur deshalb bis in die vorletzte Runde verlängern und kostenlos auf eine rote Flagge pokern, da er nie Gefahr lief, hinter Hamilton zurückzufallen. Am Ferrari-Funk und auch in den Medienrunden nach dem Rennen war jedenfalls nie von einem technischen oder anders gelagerten Fahrzeug-Probleme die Rede, das den Pace-Abfall von Hamilton erklären könnte.
Eine naheliegende Hypothese wäre, dass Hamilton im Rennen selbst das Gefühl bekam, dass es um nichts mehr ging und somit einfach die Entscheidung traf, das Auto nur noch ins Ziel zu tragen, anstatt zu pushen. Das könnte dann auch erklären, warum er vermutete, dass Renningenieur Riccardo Adami sauer auf ihn sein könnte. Aber wie gesagt, das ist nur eine Hypothese.



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