Charles Leclerc erlebte bis zum Qualifying ein hervorragendes Formel-1-Wochenende bei seinem Heimrennen in Monaco. In allen drei Freien Trainings erzielte der Lokalmatador die Bestzeit und ging somit als Favorit ins alles entscheidende Qualifying im Fürstentum. Den Kampf um die Pole Position verlor der Monegasse jedoch gegen McLaren-Pilot Lando Norris. Statt der Heim-Pole musste er sich hauchdünn mit dem zweiten Startplatz zufriedengeben.
"Es war eine gute Runde, aber ein schwieriges Q3. Im ersten Versuch hatte ich Max [Verstappen, d. Red.] im zweiten Sektor vor mir und habe da viel Zeit verloren", erklärte Charles Leclerc. Dann hast du ein bisschen weniger Selbstvertrauen, im zweiten Run alles zu geben." Am Ende fehlten dem Ferrari-Fahrer nur 0,109 Sekunden auf den Monaco-Rundenrekord von Norris.
Allerdings, vermutet Leclerc, hätte etwas mehr Selbstvertrauen im entscheidenden Versuch nicht gereicht, um wie im vergangenen Jahr erneut auf Pole zu stehen: "An der Spitze jeder Trainings-Session zu sein, ist ein gutes Zeichen. Aber ich habe es schon in FP3 gespürt, als ich Runden sehr nah am Limit gefahren bin." Der Zeitenvergleich von Leclerc und Norris sieht folgendermaßen aus:
Der Blick auf die Daten zeigt, dass Leclerc in seinem zweiten Q3-Versuch bis zur Rascasse auf Augenhöhe mit Norris war und sogar drei Hundertstelsekunden Vorsprung hatte. Doch in den letzten beiden Kurven verlor er die marginale Führung auf den McLaren-Piloten. Der Grund: Im zweiten Versuch bremste Leclerc früher als im ersten und verlor ein wenig Zeit. Zusätzlich bremste Norris auf seiner entscheidenden Runde noch später und machte Zeit gut. Am Kurvenausgang war der McLaren-Star nur marginal langsamer im Vergleich zu Leclerc, wie folgende Graphik veranschaulicht:
McLaren-Kniff kostet Charles Leclerc die Pole Position

In der dritten Qualifying-Session überraschte McLaren mit zwei schnellen Runden auf dem letzten weichen Reifensatz. Sowohl Lando Norris als auch Oscar Piastri konnten sich so nochmals steigern. "Ich weiß nicht, ob sich unser Auto auch auf der zweiten Runde verbessert hätte", kann Leclerc im Nachhinein nur mutmaßen.
Er und Ferrari reisten ob der eklatanten Qualifying-Schwäche nur mit geringen Erwartungen ins Fürstentum. Dennoch überwiegt bei Leclerc die Enttäuschung nach P2. "Ich bin nicht zufrieden, weil du die Erwartungen sehr schnell vergisst, mit denen du ins Wochenende startest." Für den 27-Jährigen ist es trotzdem das beste Qualifying-Resultat des Jahres.
"Wir lagen falsch mit unseren Erwartungen", muss der Ferrari-Pilot zu seinem Glück eingestehen. Warum der SF-25 in Monaco auf eine Runde so schnell ist, kann sich Leclerc allerdings nicht erklären: "Um ehrlich zu sein ist es für mich eine Unbekannte. Und ich weiß nicht, warum wir plötzlich so schnell in langsamen Kurven sind." Ferrari-Teamchef Fred Vasseur lässt lediglich wissen: "Langsame Kurven sind nicht immer gleich, und die Charakteristika sind ganz anders. Und hier hat das auch etwas Magie von Charles."
Trotz aller Fragezeichen bei Leclerc kann er im Rennen von seiner Ausgangsposition in der ersten Startreihe profitieren. Allerdings beschert der neu eingeführte zweite Pflicht-Reifenwechsel den Formel-1-Strategen und auch dem Monegassen mächtig Kopfzerbrechen. "Mehr Stopps bedeuten mehr Möglichkeiten", ahnt er voraus. "Wir werden vielleicht von Fahrern unter Druck geraten, die wir von hinten nicht erwarten."
Der zweite Pflicht-Reifenwechsel soll für zusätzliche Spannung im Rennen sorgen. Oder bringt die Regeländerung nur Chaos? Christians Erklärungen hier im Video:



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