Eine halbe Sekunde hinter McLaren und doch sieht man nach dem Qualifying nur strahlende Gesichter bei Ferrari. Erstmals seit Monaco und zum dritten Mal überhaupt in dieser Saison steht Charles Leclerc in der ersten Startreihe. Der SF-25 hat sich im Qualifying bisher als stumpfe Waffe erwiesen, mit der der Monegasse nicht um die vorderen Startplätze kämpfen konnte. Das neue Update-Paket, das Ferrari für den Österreich Grand Prix im Gepäck hatte, scheint das geändert zu haben.

"Es ist eine Weile her, seit wir ganz vorne gestanden sind. Zumindest liegt hier [am Red Bull Ring; Anm. der Red.] ein kürzerer Weg vor uns, bevor wir uns mit den Jungs vorne messen können", freute sich Charles Leclerc. Gleichzeitig ist er sich darüber im Klaren, dass auch Glück bei seinem zweiten Startplatz eine Rolle gespielt hat. "Wir haben heute mit etwas Glück ein Auto [Oscar Piastri] hinter uns gelassen. Ich weiß nicht, ob wir das Zeug haben, um morgen um den Sieg zu kämpfen. Aber ich werde alles tun, um mehr Druck als sonst auf die beiden McLaren auszuüben", betonte Leclerc.

Wie die Grafik zeigt, ist McLaren-Pilot Lando Norris besonders durch Turn 3 stark. Ferrari liegt in den schnellen Kurven zurück, aber auch in den langsamen Passagen.

Leclerc: Zeitverlust geringer als erwartet

Doch der Zeitverlust in den langsamen Kurven stimmt den 27-Jährigen sogar positiv. "Es war zu erwarten, dass wir im Vergleich zu McLaren bei hohen Geschwindigkeiten Einbußen haben, aber wir hatten erwartet, dass wir bei niedrigen Geschwindigkeiten noch mehr zurückliegen. Das ist nicht der Fall", verriet Leclerc. Noch will er diesen Umstand nicht dem modifizierten Unterboden zuschreiben. "Wir befinden uns immer noch in der Lernphase", stellte der Ferrari-Pilot klar.

"Wir haben Fortschritte gemacht, aber wir wissen nicht, wie viel davon an der Streckencharakteristik liegt. Das erfahren wir erst, wenn wir auf mehreren unterschiedlichen Strecken gefahren sind, aber die Zahlen, die wir erwartet haben, haben wir erreicht. Das bedeutet, dass wir in die richtige Richtung arbeiten." Ob es in Silverstone nochmals neue Teile geben wird, wollte er nicht kommentieren. "Wir haben Updates in der Pipeline, aber ich weiß nicht, wann genau sie fertig sein werden", meinte Leclerc.

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Hamilton will das Wort Podest nicht in den Mund nehmen

Nicht nur Charles Leclerc marschierte mit einem breiten Grinsen durch den Paddock, sondern auch Lewis Hamilton. Erstmals in dieser Saison steht der Rekordweltmeister in der zweiten Startreihe und damit nicht genug – der Abstand zu Leclerc betrug lediglich 90 Tausendstel. Seine Erklärung für den Aufschwung hat allerdings nichts mit dem Auto oder den Updates zu tun. Vielmehr fühlte sich für Hamilton erstmals der operative Prozess bei Ferrari "smooth" an.

"Die Jungs in der Box leisten immer eine fantastische Arbeit, aber heute lief alles besonders ruhig ab. Das Timing an der Boxenmauer war perfekt – wann sie uns reingeholt haben, wie sie uns aus dem Verkehr rausgehalten haben und auch die Boxenstopps waren perfekt", lobte der Brite. Trotzdem will er das Wort "Podest" nicht in den Mund nehmen. Die Erklärung: er habe in den vergangenen Rennen immer wieder davon gesprochen und darauf gehofft – nie hat es geklappt. Für den Österreich GP lautet seine Strategie daher: "Ich werde weniger reden, sondern mich auf Taten konzentrieren."

Ferrari-Teamchef gibt Österreich-Sieg noch nicht auf

Ihm ist wohl auch bewusst, dass er für einen Podestplatz seinen Teamkollegen hinter sich lassen muss. Denn ein Kampf gegen McLaren erscheint ihm aussichtslos. "Die Geschwindigkeit der McLaren-Autos ist beeindruckend. Sie sind fast 10km/h schneller durch Turn 6 und Turn 7. Für uns ist es unmöglich, noch schneller durch diese beiden Kurven zu fahren", betonte Hamilton. Allerdings zeigt unsere Grafik, dass Ferrari zumindest in Sachen Topspeed mit McLaren auf jeden Fall mithalten kann.

Das stimmt auch Ferrari-Teamchef Fred Vasseur zuversichtlich. "Das Rennen wird vor allem vom Reifenmanagement abhängig sein. Andererseits kann man hier gut überholen und somit seine Position nach einem Boxenstopp wieder gut machen. Unsere Pace auf den Longruns sah im Training gut aus. Es wird daher wichtig sein, das DRS, das hier sehr effektiv ist, gut einzusetzen."