So viel Aufhebens um den Fahrertausch bei Alpine - und dann so ein Qualifying. In seinem ersten Formel-1-Auftritt für das Team lieferte Franco Colapinto eine desaströse Vorstellung ab. Das Auto zerstörte er schon in Q1, und wegen eines Missverständnisses an der Box kassierte er kurz darauf auch noch eine Grid-Strafe. Doch Colapinto schwört: Sieht viel schlimmer aus als es ist.

Besonders schlimm sieht aber das Auto aus, nachdem es Colapinto mit einem Fahrfehler in der Tamburello-Schikane in die Reifenstapel gedreht hatte. "Qualifying war wohl das erste Mal, dass ich ans Limit des Autos gekommen bin, vielleicht etwas darunter", rechtfertigt sich Colapinto. Der Alpine fühle sich hier ganz anders an als der Williams, mit dem er im Vorjahr neun Wochenenden bestritten hatte.

Auf der Suche nach dem präzisen Punkt am Limit übertrieb er es dann: "Ich wollte etwas mehr Kerb mitnehmen, und es war einfach zu viel." Zwar reichte seine Zeit - auch dank der von ihm ausgelösten roten Flagge - für den Q2-Einzug, aber dort konnte er natürlich nicht mehr teilnehmen. Aus seinem 15. Startplatz wurde zwei Stunden später dann auch noch ein 16.

Vom Alpine-Mechaniker verwirrt: Franco Colapinto fährt zu früh los

Denn kurz vor seinem Unfall hatte sich Colapinto nach der vorangegangenen roten Flagge für den Abflug von Yuki Tsunoda als erster Mann an der Boxenampel für den Neustart aufgestellt. Viel zu früh. Eigentlich darf ein Auto die Garage erst verlassen, wenn die Rennleitung eine offizielle Neustart-Zeit angesetzt hat. Gegen diese Regel hatte in Bahrain zuletzt schon Mercedes verstoßen und Grid-Strafen kassiert.

So schien schon klar, was die Folgen sein würden, als die Stewards Colapinto und einen Alpine -Vertreter für die Anhörung vorluden. Kurze Zeit später folgte die Bestätigung: Colapinto muss um einen Platz zurück. Schuld ist eine Fehlkommunikation zwischen Team und Fahrer. Das Team hatte Colapinto eigentlich auffordern wollen, in Vorbereitung auf den Neustart in der Garage leicht nach vorne zu rollen.

Alpine-Neuling Colapinto in Imola mit Kommunikations-Problemen

Rausfahren aber sollte Colapinto nicht. Doch der verstand die Anweisung falsch, wofür er sich schon während des Qualifyings am Funk entschuldigt hatte und den Fehler auch gegenüber den Stewards noch einmal eingestand. Dass es unabsichtlich war, räumen die Stewards auch ein. Aber sich früher an der Boxenausfahrt anzustellen kann im Qualifying immer ein sportlicher Vorteil sein, weil man dann erster Mann auf der Strecke ist.

So hat man mehr Zeit, und ist sicherer, wenn weiter hinten Unfälle passieren. In diesem konkreten Fall entstand allerdings kein tatsächlicher sportlicher Vorteil. Wie schon im Fall der Mercedes-Strafe in Bahrain rechneten die Stewards das als mildernde Umstände an und sprachen nur einen Strafplatz aus.

Kommunikativ war es ein schwieriges Wochenende für Colapinto. Am Freitag war er in den Trainings schon zahlreichen Fahrern im Weg gestanden und räumt am Samstag ein, dass er sich noch mit seinem Renningenieur einarbeiten muss. Aber er findet auch Positives: Langsam will er nicht gewesen sein. Er war auch zumindest im Rennen, sich sowieso für Q2 zu qualifizieren: "Es sieht vielleicht richtig mies aus, aber es ist nicht so schlimm, wie es aussieht. Zumindest in Bezug auf mein Gefühl im Auto."

Pierre Gasly im zweiten Alpine mit unglücklichem Q3

"Das Auto fühlte sich ehrlich gesagt toll an, und mit dem Setup geht es in die richtige Richtung", schwört Colapinto. Er meint nur mehr Erfahrung zu brauchen. "In Sachen Gefühl passt es schon. Mit mehr Erfahrung werde ich mich komfortabler fühlen." Teamkollege Pierre Gasly unterstrich mit Q3 und Startplatz 10, dass der Alpine an sich hier schnell ist.

"Nach Q3 bin ich nicht ganz happy", ärgert sich Gasly seinerseits über eine verpasste Chance. Als er am Ende für den letzten Versuch aus der Garage kam, bogen fast gleichzeitig mehrere andere Autos vor ihm ebenfalls in die Boxengasse ein. "Das hat mich aufgehalten, dann waren wir am Ende der Schlange und hatten keine Zeit mehr für die normalen Reifen-Prozeduren."

Anstatt seine Soft-Reifen sachte vorzubereiten musste Gasly pushen, um noch vor Ablauf der Zeit eine Runde beginnen zu können: "Dann waren die Reifen einfach zu heiß. Ein Sektor war schnell, dann war der Grip überall und nirgends." So blieb er auf P10 hängen.