Es schien wie eine Nichtigkeit, als am Ende des zweiten Qualifying-Segments von Bahrain die Meldung einer Ermittlung gegen Mercedes aufpoppte. Doch ein Verfahrensfehler des Teams kommt George Russell und Kimi Antonelli teuer zu stehen: Beide müssen in der Startaufstellung für das Rennen um je einen Platz zurück, weil das Team den Zeitnahme-Monitor falsch gelesen hat.

In den das Sportliche Reglement der Formel 1 ergänzenden Event-Notizen des FIA-Rennleiters steht grundsätzlich geschrieben, dass Autos nach einer roten Flagge nur dann aus der Garage herausfahren dürfen, wenn die Rennleitung bereits eine offizielle Uhrzeit für den Neustart einer Session angesetzt hat.

Doch nach einer roten Flagge für einen heftigen Unfall von Esteban Ocon in Q2 tauchten die Mercedes von Russell und Antonelli plötzlich vor allen anderen Fahrern, und vor allem vor dieser offiziellen und auf dem Zeitnahme-Monitor angezeigten Meldung vorne an der Boxenampel auf. Dafür wurden Fahrer und Teamvertreter sofort nach dem Qualifying vor die FIA-Stewards zitiert.

Mercedes-Teammanager fehlt in Bahrain - Chefingenieur verliest sich

Das Problem ist schlicht: Mercedes hatte sich auf dem Monitor der Zeitnahme verlesen. Hierbei wichtig anzumerken ist, dass der sonst für die operativen Abläufe an der Strecke zuständige Teammanager Ron Meadows in Bahrain nicht vor Ort ist. Meadows ist ein Veteran und macht den Job seit Jahren. So aber gingen Aufgaben auf Chefingenieur Andrew Shovlin über - der zwar auch ein erfahrener Mann ist, aber nicht in diesem spezifischen Job.

Shovlin war in Bahrain nun also der Mann, der beiden Fahrern das Losfahr-Signal übermittelte. Dabei beging er, wie er vor den Stewards gestand, einen Fehler. Er hatte die Nachricht von der "geschätzten Neustart-Zeit" bereits für die offizielle Neustart-Zeit gehalten. Seine Meinung, dass bei noch 11 verbleibenden Minuten in Q2 dadurch kein sportlicher Vorteil entstanden sei, teilten ebenfalls einbestellte Sachverständige aus der FIA-Sportabteilung jedoch nicht.

FIA-Stewards urteilten: Mercedes-Fehler kann Vorteil sein

Besonders für die Top-Teams weit hinten in der Boxengasse wird es bei 11 Minuten und mit noch 12 anderen Autos in Q2 nämlich tatsächlich schon eng, rauszufahren, eine schnelle Runde zu markieren, reinzufahren, nachzutanken, Reifen zu wechseln und wieder rauszufahren. Der Prozess kann tatsächlich bis zu fünf Minuten dauern, wenn man wie Mercedes vom Ende der Boxengasse anfangen muss und vor einem die Mittelfeld-Teams bereits Aufstellung nehmen.

McLaren etwa verzichtete aus diesem Grund in Q2 nach der roten Flagge auf das erste Outing und fuhr nur einen Versuch. So folgerten die FIA-Sachverständigen, dass in diesem Szenario für Mercedes eine sportliche Strafe durchaus angebracht sei und eine Geldstrafe nicht reiche. Dem schlossen sich die Stewards an.

Shovlin hatte immerhin Erfolg mit seinem Plädieren auf Strafmilderung, und verwies darauf, dass es ein ehrlicher Fehler gewesen sei, für den er sich auch entschuldigte. So wurden beide Fahrer um einen Platz zurückgereiht: George Russell auf den dritten, Kimi Antonelli auf den fünften Rang. Charles Leclerc rückt auf den zweiten, Pierre Gasly auf den vierten Startplatz auf.