In der Formel 1 dreht sich im Moment alles um einen Namen. Nein, nicht um Weltmeister Max Verstappen, der wohl in sehr naher Zukunft zum ersten Mal Vater werden wird, auch nicht um Lando Norris, den vor dieser F1-Saison viele als Topfavorit auf dem Zettel hatten. Stattdessen stiehlt Oscar Piastri mit drei Siegen aus den letzten vier Rennen allen die Show und stellt vor allem seinen McLaren-Teamkollegen in den Schatten.

Entgleiten Norris derzeit seine WM-Chancen? Der Brite will davon gar nichts wissen. Stattdessen war er vor dem GP-Wochenende in Miami damit beschäftigt, den Umschwung im F1-Titelkampf zu relativieren. "Ich glaube nicht viel an dieses Zeug mit Momentum", stellte er in der Pressekonferenz unmissverständlich klar, nur um dann doch zuzugeben, dass es derzeit längerfristige Baustellen gibt, die ihm zu schaffen machen.

Lando Norris beschwichtigt: Gibt keinen Grund zur Sorge

Der Brite kämpft vor allem im Qualifying damit, am äußersten Limit die Kontrolle über seinen Wagen zu behalten. In Q3 streute er in den vergangenen Monaten regelmäßig Fehler ein, nicht zuletzt seinen Unfall in Jeddah. Das alles werde kein anhaltender Trend, ist Norris überzeugt: "Ich habe natürlich ein paar Fehler gemacht und ich bin nicht auf dem Level, auf dem ich sein sollte. Aber ich glaube, dass ich schon bald auf diesem Niveau sein kann. Es gibt also keinen Grund zur Sorge."

Das klang vor wenigen Wochen noch deutlich dramatischer. In Bahrain beklagte Norris, dass er seinen McLaren am Limit nicht richtig spüren könne und sich sein Bolide "verglichen mit dem Vorjahr völlig anders" anfühle. In Miami ruderte er von diesen alarmierenden Analysen etwas zurück. Es seien "nur Kleinigkeiten", die ihm nicht das Gefühl vermitteln, welches er benötige.

Fehlt Lando Norris die Killermentalität? Danner: Crash-Gefahr! (34:36 Min.)

Norris: Will nicht meine Zeit mit Piastri verschwenden

"Es geht nicht darum, dass das Auto plötzlich unmöglich zu fahren wäre. Es geht nur um das Qualifying, wenn es um Hundertstel und Tausendstel geht. Darüber beschwere ich mich und über nichts weiter", bekräftigte er. Es scheint im Moment offenkundig zu sein, dass es Oscar Piastri leichter fällt, dieses Limit im MCL39 auszuloten. Also doch ein gewisser Trend.

"Vielleicht kann er sich natürlicher daran anpassen", gestand Norris. Er will sich aber nicht zu sehr auf den eigenen Teamkollegen konzentrieren und sich bei ihm Lösungen abpausen. "Es ist klar, dass wir einige Veränderungen vorgenommen haben, die Oscar etwas besser liegen und bei denen er einen besseren Job erledigt hat, sich anzupassen. Wenn dem so ist, dann liegt es nicht an mir, das herauszufinden oder damit meine Zeit zu verschwenden."

Teamchef Andrea Stella hatte in Jeddah versprochen, dass man Hand am Auto anlegen würde, um es auch für Norris am Limit einfacher fahrbar zu machen. Wann diese Upgrades kommen sollen, weiß Norris nicht. Aber laut ihm habe es ohnehin keinen Sinn, auf technische Anpassungen zu warten.

"Es gibt Dinge, an denen ich unabhängig davon arbeite. Das bietet hoffentlich eine bessere Lösung als darauf zu warten bis neue Teile kommen", sagte Norris in Miami. Einen besseren Ort, um wieder auf die Siegerstraße zurückzukehren als die Metropole in Florida gäbe es für ihn wohl kaum. Im Vorjahr feierte Norris auf dem Kurs rund um das Football-Stadion den ersten Sieg seiner Formel-1-Karriere - Erinnerungen, die etwas Auftrieb verleihen könnten.