Das Formel-1-Qualifying in Zandvoort war eine klare Angelegenheit. Allerdings nicht für Lokalmatador Max Verstappen, sondern für Lando Norris. Der McLaren-Pilot bewies im Qualifying vor dem Niederlande-GP eindrucksvoll, dass sein Team den Bullen inzwischen schon den Rang abgelaufen hat.

Für Verstappen ging es deshalb für den Großteil des Qualifyings nur um Schadensbegrenzung. Diese gelang mit Platz 2 mustergültig. So stand bei Verstappen nach dem Samstag Erleichterung auf der Agenda, trotz des horrenden Rückstands von 0,356 Sekunden. "Ich bin glücklich, in der ersten Reihe zu stehen. Denn in Q1 und Q2 befand ich mich nie wirklich im Bereich der Top-5", atmete der Weltmeister auf.

Platz 2 für Max Verstappen ein Erfolg: Richtige Richtung nach Trainings-Pleite

Red Bull hatte nach dem Freitag nur fünf Sätze der weichen Reifen für ihn auf die hohe Kante gelegt, während alle anderen noch mehr gespart hatten. Entsprechend musste der WM-Leader diesen Satz in Q1 und Q2 auch irgendwo einsparen. Das war eine Ursache dafür, dass er in den Ergebnislisten der ersten beiden Abschnitte weiter hinten anzutreffen war - in Q2 wurde es dadurch sogar etwas knapp mit dem Aufstieg ins entscheidende Qualifying-Segment.

Red-Bull-Motorsportberater Dr. Helmut Marko teilte die Erleichterung seines Starpiloten und freute sich über den positiven Trend nach dem Trainings-Sessions. Im aussagekräftigen FP2 war Verstappen nicht nur hinter Norris gelandet, sondern auch hinter dessen Teamkollegen Oscar Piastri und den beiden Mercedes-Piloten. "Nach den etwas holprigen Trainingssessions sind wir in die richtige Richtung gegangen", schlussfolgerte Marko im Interview bei ServusTV.

Verstappen klagt nach Qualifying: Habe mich nie wohl gefühlt

Die drei Zehntel Rückstand sind wohl auch deshalb verschmerzbar, da sie auch einen Fehler von Verstappen beinhalten. In Kurve 11 (dem ersten Knick der Schikane nach der zweiten DRS-Gerade) verzeichnete er einen Rutscher und verlor dadurch etwa zwei Zehntel. Ein Fehler, der für sich alleine gesehen auf die Kappe des dreifachen Zandvoort-Siegers geht, im Kontext des gesamten Wochenendes aber allgemein auf ein derzeitiges Problem des RB20 aufmerksam macht. Der Red Bull ist im Moment sehr schwierig zu fahren. Bei wechselhaften Bedingungen wie im Zandvoort-Qualifying wird das augenscheinlich.

Verstappen stellte fest: "Ich habe mich im Qualifying nie wirklich wohl gefühlt. In jedem Run gab es ein oder zwei Kurven, in denen ich viel Zeit mit einer Windböe verloren habe. Unser Auto scheint sehr sensibel darauf zu reagieren." Das windreiche Zandvoort ist also Gift für das Fahrgefühl des RB20. "In jedem Run war es anders und ich hatte jedes Mal eine andere Balance", klagte er.

Schon im Training machte sich dieses Problem mehrfach bemerkbar, dort wurde Verstappen auch noch von Untersteuern gebremst. Für Marko ist das Glas halbvoll: "Das Auto war insgesamt ruhiger [als im Training] und damit ist der Reifenverschleiß hoffentlich auch im Rennen besser."

Der Österreicher will die Chance auf einen Sieg gegen Norris noch nicht abschreiben - zumindest falls der Start klappt: "Wenn Norris nicht die Führung hat, dann wird es für ihn schwieriger. Wir sind in Reichweite." Der Start ist ein gutes Stichwort, denn dort herrscht bei Norris 2024 noch Aufholbedarf: Noch nie setzte er in der Formel 1 eine Pole Position auch erfolgreich in eine Führung nach Kurve 1 um - genausowenig wie in einen Sieg.

Verstappen ist trotzdem pessimistisch: "Wenn man sich den Abstand anschaut, dann wird es sehr schwierig. Außerdem sieht Lando allgemein viel glücklicher mit der Fahrbalance aus." Das Ziel im Formel-1-Rennen in Zandvoort könnte also wieder Schadensbegrenzung lauten - wenn auch Schadensbegrenzung auf einem hohen Niveau.