Drei Jahre in Folge war Max Verstappen bei seinem Heimrennen in Zandvoort in einer eigenen Liga unterwegs. Am Trainingsfreitag zeigte sich jedoch das Bild der letzten Monate der Formel-1-Saison 2024: Der Heimsieg wird für den Weltmeister und Red Bull alles andere als ein Spaziergang.

Verstappen widerspricht Marko: Sind einfach zu langsam!

"Es ist eng und relativ knapp", fasste Dr. Helmut Marko die Lage nach dem zweiten Training zusammen. Die ersten fünf waren durch weniger als drei Zehntel getrennt. Allerdings war Markos Schützling Verstappen auch der letzte dieser Spitzengruppe, hinter den beiden Mercedes und McLaren. Dennoch war der Grazer optimistisch: "Im Qualifying schauen wir gut aus. Wir sind nicht volle Leistung gefahren."

Diese Meinung teilte der Niederländer selbst aber nicht wirklich. "Wir waren zu langsam auf eine Runde und im Longrun. Wir haben etwas Arbeit vor uns", konstatierte Verstappen. Noch beunruhigender war allerdings die Ratlosigkeit: "Im Moment habe ich keine Antwort darauf, wie wir uns verbessern können. Wir werden es uns ansehen, aber wir sind einfach etwas zu langsam." Dass er in Zandvoort wieder an alte Glanzzeiten anknüpfen würde, hatte der Titelverteidiger ohnehin nicht erwartet: "Es ist da, wo wir auch schon in den letzten Rennen standen. Es ist also keine Überraschung."

Reifenverschleiß und Balance des RB20 machen Probleme

Wo Red Bull vor allem zurückhängt, verriet Marko, sah aber auch einen Ausweg: "Reifenverschleiß. Aber ich glaube, wenn du hier erst einmal vorne bist, dann kann es dir egal sein, ob du da ein paar Zehntel verlierst." Der enge Dünenkurs ist eine Strecke, auf der das Überholen trotz Steilkurve und DRS nicht einfach ist. Die Pole-Position wir eine Schlüsselrolle einnehmen, zumal auch strategisch die Optionen begrenzt sind. "Es könnte sogar ein Einstopp sein", prognostiziert Marko trotz des Nachteils beim Verschleiß.

Das Kern-Problem des RB20 bleibt die Balance: "Zu einer neutralen oder vorhersagbaren Balance haben wir noch nicht zurückgefunden. Das würde den Fahrern natürlich sehr helfen." Der Wagen tendiert zum Untersteuern. Außerdem gelten Randsteine seit jeher als Problem, und diese müssen vor allem in Sektor zwei attackiert werden. Helfen könnte aber das Wetter. Bei Regen ist Marko zuversichtlich: "Ich glaube schon, dass wir dann absolut Chancen auf Pole-Position haben." Verstappens Fähigkeiten im Nassen sind wohlbekannt, außerdem sind die Kerbs dann ohnehin Tabu und ein Vorteil der Konkurrenz fällt weg.

Lando Norris droht Verstappen-Party zu crashen

Apropos Konkurrenz. Marko macht einen klaren Hauptgegner aus: "Ich denke Lando Norris." Was Longruns und Reifenverschleiß angeht muss der 81-Jährige zugeben: "Er ist besser." Das andere Team an der Spitze hat der Österreicher jedoch nicht so sehr auf dem Zettel. Mercedes scheint dieselben Probleme wie Red Bull zu haben: "Die haben vom Verschleiß her deutlich mehr Schwierigkeiten als die McLarens gehabt." McLaren brachte zum Rennen auch ein größeres Update. Mehr dazu hier:

Sergio Perez stimmt Verstappen zu: Red Bull hat Arbeit vor sich

Einen erneut schwierigen Tag erlebte Sergio Perez. Der Mexikaner konnte nicht mit Schwung aus der Sommerpause kommen, vielmehr ging es genauso weiter wie zuvor. Platz 12 und mehr als eine halbe Sekunde Rückstand auf Teamkollege Verstappen waren wieder einmal zu viel. "Es ist noch nicht ganz da, wo er sein sollte. Aber man sieht wieder: Wenn man keine freie Runde hat, wird es ganz schwer", nahm Marko seine Nummer Zwei auch etwas in Schutz.

Red Bull-Fahrer Sergio Perez
Sergio Perez lag im Training wieder einmal zurück, Foto: LAT Images

"Es sieht ein wenig besser aus, als es auf der Tabelle aussieht. Ich machte einen Fehler in Kurve 12. Da bin ich weit gegangen und habe ein paar Zehntel verloren", gab Perez selbst einen weiteren Grund an, warum er wieder einmal zurückhing. Schönreden wollte er die Lage aber auch nicht. Vielmehr zog auch 'Checo' ein ähnliches Fazit wie Teamkollege Verstappen: "Insgesamt haben wir Arbeit vor uns, besonders in der Longrun-Pace. Wir müssen versuchen die Jungs vor uns zu erreichen."