Die Formel 1 ist zurück aus der Sommerpause und Mercedes macht da weiter, wo es aufgehört hat. Im aussagekräftigeren 2. Freien Training brannte George Russell die absolute Bestzeit in die Dünen der Nordseeküste, Lewis Hamilton brachte es mit einem guten Zehntel Rückstand immerhin auf den dritten Platz. WM-Leader Max Verstappen fehlten beinahe drei Zehntel auf die Spitze. Die Silberpfeile bestätigten damit zunächst ihre zuletzt bestechende Form aus den vergangenen vier Rennen, von den sie vier gewinnen konnten.

Mercedes-Sorgen erloschen: Neuer Unterboden funktioniert doch

Dennoch lauerte im Vorfeld des Niederlande GP eine kleine Unruhewolke über der Mercedes-Garage. Der einstige Dauerweltmeister hatte beim letzten Rennen in Spa einen neuen Unterboden sowie Diffusor im Gepäck, musste nach auftretendem Bouncing allerdings wieder auf eine ältere Spezifikation zurückbauen. Ähnlich ging es in dieser Saison Ferrari, die dadurch mehrere Monate an Updatearbeit verloren und auf den vierten Platz abrutschten.

In Zandvoort war der neue Unterboden wieder am W15 angebracht. Im 1. Freien Training nur bei George Russell zum Sammeln von Vergleichsdaten, im FP2 bekam schließlich auch Hamilton die neuen Teile. Das gute Ergebnis vom Trainingsauftakt in Zandvoort lässt die Mercedes-Garage aufatmen.

"Die Bedingungen im FP1 waren besonders knifflig. Sehr starker Wind und heftiger Regen machten es schwierig, den überarbeiteten Unterboden, den wir nach Spa mitgebracht haben, richtig zu beurteilen. Nichtsdestotrotz entspricht das, was wir gesehen haben, den Erwartungen. Deshalb werden wir das Wochenende mit diesem Unterboden an beiden Autos fortsetzen", erklärte Mercedes' Engineering Director Andrew Shovlin.

"Das waren vielleicht die windigsten Bedingungen, an die ich mich erinnern kann. Nichtsdestotrotz lief das Auto wirklich gut, und der überarbeitete Unterboden, den wir nach Spa mitgebracht hatten, scheint effektiv zu funktionieren", ergänzte ein sichtbar zufriedener George Russell.

Mercedes-Fahrer Lewis Hamilton
Auch Hamilton in Zandvoort hochzufrieden, Foto: LAT Images

Lewis Hamilton angriffslustig: Sind ganz vorne mit dabei

Auch Lewis Hamilton, der zwei der letzten drei Rennen gewann, blickt nach dem ersten Trainingstag positiv auf das weitere Zandvoort-Wochenende. "Das war kein schlechter Start in das Wochenende. Ein sehr, sehr großer Unterschied zu dem Gefühl vom letzten Jahr. Das Auto fühlt sich lebendig an und wir sind ganz vorne mit dabei", so der siebenfache Weltmeister.

Mercedes scheint nach dem vor Wochen bereits diagnostizierten Durchbruch den W15 endlich zu verstehen. Das wirkt sich positiv auf das restliche Wochenende aus, welches mit prognostizierten wechselnden Wetterbedingungen durchaus kompliziert werden könnte. "Wir verstehen das Auto einfach so viel besser mittlerweile. Mit einer guten Basis zu starten und dann nur kleine Veränderungen vornehmen zu müssen, ist auf jeden Fall sehr hilfreich. Dann macht unsere Arbeit auch mehr Spaß", erklärte Hamilton, der wohl noch etwas mehr zeigen kann. "Ich habe noch nicht das Maximum herausgeholt, ich glaube, es steckt noch etwas Performance drin. Aber ich muss einfach noch ein bisschen am Setup arbeiten, sonst ist es gut. "

Mercedes-Wiederauferstehung hat Substanz: Folgt der nächste Sieg?

Der Trainingsfreitag in Zandvoort bestätigt den Eindruck, den die Formel 1 in Spa hinterlassen hat. An der Spitze scheint es wieder enorm eng zuzugehen. Nuancen könnten mal wieder über Sieg oder Niederlage entscheiden. Max Verstappen, der seit dem Comeback der Strecke jedes Rennen gewinnen konnte, ist stand jetzt nicht der klare Favorit auf den Sieg. Die Mercedes- und McLaren-Topform vor der Sommerpause hält auch in Zandvoort an.

Dennoch will man beim einstigen Dauerweltmeister auf die Bremse drücken. "Unsere Long Runs waren nicht ganz so stark. Mit einem besseren Reifenmanagement und einer verbesserten Balance können wir sicherlich noch etwas mehr Tempo finden, aber Norris sah heute Nachmittag sehr gut aus, und wir müssen einen Schritt machen, um seine Pace zu erreichen", ordnete Shovlin ein.

Die Wahl des richtigen Setups wird an diesem Wochenende entscheidender sein, als sie ohnehin bereits ist. Für das Qualifying am Samstag wird Regen vorhergesagt, das Rennen am Sonntag soll hingegen bei trockenen Bedingungen stattfinden. Das Qualifying ist auf der überholfeindlichen Strecke deutlich wichtiger als auf anderen. Zu viel Abtrieb könnte allerdings im Rennen schaden und das Auto zu einer 'Sitting Duck' auf der langen Start-Ziel-Geraden machen. Ein schwieriger Balanceakt.

"Es ist schwierig zu sagen, ich weiß nicht, ob wir besonders schnell waren", schätzte Hamilton die Rennpace ein. "Aber ich denke, das Setup, das ich für eine Runde hatte, hat den Longrun beeinträchtigt. Ich weiß nicht, ob wir im Kampf um den Sieg eine Rolle spielen können, aber wir sind auf jeden Fall mindestens in der Top-5."

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