Nach einem verrückten Rennen wie dem letzten in Ungarn fragen sich viele Formel-1-Fans, wie die Teams ihre Strategien vorbereiten und im Rennen umsetzen. Im Mittelpunkt stehen dabei nicht nur die Fahrer in den Cockpits, sondern auch die Schar an schlauen Köpfen in den Strategie-Abteilungen der Formel-1-Teams - sowohl an der Rennstrecke als auch in den Fabriken.

"Hannah war heute wahnsinnig ruhig. Ja, sie ist sehr gut", lobte Ungarn-Sieger Max Verstappen seine Rennstrategin Hannah Schmitz nach seinem 8. Saisonsieg in Budapest. Er weiß ganz genau, dass das eine der wichtigsten Eigenschaften ist, die es in diesem Job braucht. Wie Schmitz diese Ruhe während durchaus chaotischen und nervenaufreibenden Grand Prix aufrechterhält? "Ich meditiere tatsächlich recht häufig, was mir wirklich dabei hilft, ruhig zu bleiben“, verrät die Co-Chefstrategin von Red Bull, die sich diesen Posten mit Will Courtenay teilt. "Vor dem Rennen mache ich etwa gerne Achtsamkeitsübungen."

Hannah Schmitz behält stets die Nerven, Foto: Red Bull Content Pool
Hannah Schmitz behält stets die Nerven, Foto: Red Bull Content Pool

Die Strategin hat aber auch noch einen anderen Trick parat, wenn es an der Rennstrecke mal wieder drunter und drüber geht. Sie setzt sich ganz einfach aufrecht hin, dreht die Handflächen nach unten und legt beide Hände auf den Tisch. "Das hilft mir dabei, klare Anweisungen zu geben. Manchmal mache ich das auch Mitten im Rennen, um mich neu zu ordnen und zurück aufs Wesentliche zu besinnen", erklärt sie.

Red Bulls Operation Room in Milton Keynes

Die Zeiten, in denen ein Superhirn allein am Kommandostand die Strippen zieht und die Rennstrategien im Alleingang bestimmt, sind in der Formel 1 schon lange vorbei. Während Schmitz und Courtnay abwechselnd an der Rennstrecke die Strategie-Zügel in der Hand halten, werden sie von einer ganzen Strategie-Gruppe im Werk in Milton Keynes unterstützt.

"Jeder dort hat eine exakt definierte Rolle", erklärt Schmitz im Podcast ihres Teams. "Im Operation Room ist jeweils eine Person für einen Piloten abgestellt. So wissen wir alles über die einzelnen Fahrer - jederzeit. Außerdem haben wir auch Studenten angestellt, die allen Funksprüchen der Teams lauschen. Und natürlich jemanden, der all das koordiniert. Das Videomaterial wird ebenso ausgewertet. Und alle relevanten Informationen, die so gewonnen werden konnten, werden dann an den Kommandostand an der jeweiligen Rennstrecke weitergeleitet."

In der Red-Bull-Fabrik in Milton Keynes verbirgt sich auch der streng geheime 'Operation Room' des Teams, Foto: Red Bull Content Pool
In der Red-Bull-Fabrik in Milton Keynes verbirgt sich auch der streng geheime 'Operation Room' des Teams, Foto: Red Bull Content Pool

Die Idee hinter dieser Aufteilung ist, dass die Teammitglieder vor Ort so die Möglichkeit haben, sich ausschließlich auf das große Ganze zu konzentrieren. Also auf die konkreten Entscheidungen, die den Unterschied zwischen Triumph und Niederlage ausmachen. "Da geschehen natürlich eine Menge Dinge. Und an diese müssen wir uns als Team entsprechend anpassen und stets wissen, was genau zu tun ist. [...] Da wir alle Zahlen vorliegen haben und diese auch innerhalb von Sekunden an die Strecke weiterleiten können, ist es, als ob wir im selben Raum wären. Da gibt es keinerlei Verzögerung. Es ist wirklich eine unfassbarere Anlage, die den Kommandostand wahnsinnig gut unterstützt. Ich denke nicht, dass wir den Job noch ohne sie bewerkstelligen könnten."

Doch die Arbeit der Strategen beginnt auch schon, bevor das Team an die Veranstaltungsorte reist. "Was Simulationen angeht, führen wir buchstäblich Milliarden durch. Schon bevor wir an der Rennstrecke ankommen, müssen wir verschiedenste Szenarien durchspielen. Und über die Zeit werden die Modelle dann immer weiter verfeinert und kommen dem, was tatsächlich im Rennen passiert, immer näher. Und natürlich führen wir auch während dem Rennen noch Simulationen durch."

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Red-Bull-Strategie: keine "One-Man-Show"

Obwohl Schmitz und Courtenay die Chefstrategen im Team sind, bedeutet das keineswegs, dass andere dabei nicht auch ein Wörtchen mitzureden haben. So finden am Morgen eines Renntages eine Reihe von Meetings statt, die jedoch eher als angeregte Diskussionen konzipiert sind. Dabei sprechen sie mit den Fahrern, den Ingenieuren, Adrian Newey und sogar Christian Horner selbst über die bestmögliche Strategie.

Dabei sind die Fahrer Max Verstappen und Sergio Perez ebenfalls äußerst interessiert daran, die Strategien und Pläne richtig zu verstehen. "Sie sind wirklich engagiert“, bestätigt Schmitz. „Aber andererseits habe ich auch noch nie mit einem Fahrer gearbeitet, der kein Interesse an diesen Dingen gezeigt hat. Denn am Ende des Tages kann die Strategie natürlich sehr großen Einfluss auf den Ausgang ihres Rennens haben."