Mit diesem Ergebnis im zweiten Training der Formel 1 in Miami hatte so eigentlich niemand gerechnet. George Russell, Mercedes, erster Platz, vor der bisherigen Messlatte Ferrari. Eine knappe Zehntel Vorsprung hatte Russell auf Charles Leclerc, aber Bestzeit ist Bestzeit, und sie war auch nicht durch Zufall entstanden, sondern völlig legitim. Teamkollege Lewis Hamilton reihte sich mit Platz vier und 0,241 Sekunden Rückstand ebenfalls in der Spitzengruppe ein.

Nachdem Mercedes in Miami mit Aero-Upgrades angerückt war, vor allem mit einem aggressiv gestalteten neuem Frontflügel, scheint so ein Ergebnis auf den ersten Blick vielversprechend. Nur will nach zwei Freitags-Trainings niemand im gebeutelten Mercedes-Lager den Fortschritt überbewerten, aus guten Gründen.

Mercedes: Starke Trainings dank Upgrades oder Miami-Wetter?

"Wir verstehen es ehrlich gesagt nicht ganz, warum wir mehr oder weniger sofort schnell waren", meint Russell nach dem Training, und will die neuen Teile nicht gleich als große Heilsbringer ausmachen. Denn was beide Fahrer berichten, ist ein nach wie vor vorhandenes Hüpfen des Autos auf der Geraden bei Topspeed. Nicht so extrem wie in Imola, aber das Rennen dort könnte auch ein negativer Ausreißer gewesen zu sein.

"Auf jeden Fall habe ich es mit viel Benzin im Auto gespürt, da schien es nicht viel besser", meint Russell. Hamilton stimmt zu: "Wir haben uns definitiv auf irgendeine Art verbessert. Ich weiß nicht recht wo, aber wir haben noch immer das Bouncing, das haben wir nicht gelöst."

Der neue Mercedes-Frontflügel mit auffälligem Einschnitt in der Endplatte -
Der neue Mercedes-Frontflügel mit auffälligem Einschnitt in der Endplatte -Foto: Motorsport-Magazin.com

Vonseiten Mercedes vermutet man eher, dass die höheren Temperaturen hier in Miami dem Auto entgegenkommen. Streckentemperaturen jenseits der 40 Grad Celsius lassen die teils gravierenden Probleme, die das Auto beim Anwärmen der Reifen zuletzt an den Tag legte, verpuffen. "Das ist das erste richtig heiße Rennen des Jahres, das spielt sicher eine große Rolle", glaubt Russell."

Mercedes zweifelt an wahrer Miami-Form

Deshalb ist das Fazit beider Fahrer verhalten. "Es ist nur Training, jeder macht was anderes", bremst Hamilton. "Ich glaube nicht, dass jeder die wahre Pace gezeigt hat." Charles Leclerc im Ferrari hatte nur eine Zehntel Rückstand, während Max Verstappen im Red Bull nach technischen Problemen im zweiten Training überhaupt keine Runde fahren konnte.

Für Hamilton kommt hinzu, dass er auf eine Runde mehr als zwei Zehntel auf Russell verlor - allerdings fuhren die beiden mit unterschiedlichen Setups. Schließlich versucht Mercedes möglichst umfangreiche Daten zu den neuen Teilen zu sammeln. "Wir versuchen, unterschiedliche Dinge zu lernen", so Hamilton. "Morgen nähern wir uns dann an und verbessern uns hoffentlich."

Wo nun also die wahre Pace des Mercedes in Miami liegt, bleibt schwer einzuschätzen. "Training bedeutet nichts", stellt Russell klar. "Das Auto funktioniert gut, aber es ist erst Freitag, da lassen wir uns nicht hinreißen."