Nach einem durchwachsenen Saisonstart für Sebastian Vettel und Aston Martin hinterfragt der viermalige Weltmeister seine Zukunft in der Formel 1. Für Teamchef Mike Krack ist klar: Vettel muss bleiben. In Imola konnte Vettel erstmals punkten. Reichen magere vier Zähler, um Vettel langfristig bei Laune zu halten? Vettel selbst strahlte nach dem Rennen wie lange nicht mehr.

Vor dem Rennen in Imola sah das noch anders aus. "Es wird für uns alle der Tag kommen, an dem diese Reise zu Ende geht und eine neue Reise beginnt, was auch immer das dann sein mag", sagte Vettel.

Aufgrund der schlechten Performance des Aston-Martin-Boliden in Bahrain und Saudi-Arabien spekulierten Fans und Experten über ein frühzeitiges Formel-1-Aus des Heppenheimers. Teamchef Krack zeigte Verständnis für die Gerüchte: "Die Kommentare über Sebastian sind fair. Ich glaube, ein Fahrer wie er sollte nicht um P10 oder P16 fahren."

Ein hartes Eingeständnis des Aston-Martin-Teamchefs. Krack ist klar, um das Vettel-Grinsen auch langfristig zu erhalten, muss das Team noch nachlegen: "Nach diesem Wochenende wird er vielleicht wieder ein bisschen mehr Passion und Spaß haben, dennoch ist es unsere Aufgabe, ihm ein anständiges Auto zu geben, das seinem Niveau entspricht. Wir werden hart daran arbeiten, ihn zu überzeugen."

Wie stark/schwach ist Stroll wirklich - Sieg im Teamduell Pflicht?

Die vielen Kommentare über den viermaligen Weltmeister Vettel lassen die Leistungen seines Teamkollegen Stroll völlig außer Acht. Doch ist der Deutsche dem Kanadier wirklich so überlegen und ist die oft harte Kritik an Stroll gerechtfertigt? Wer die Ergebnisse der letzten Saison genau betrachtet, merkt, groß war der Abstand nicht. Nur neun Punkte trennten Vettel auf Platz 12 und Stroll auf Rang 13.

Im direkten Vergleich mit Ex-Teamkollege Sergio Perez bröckelt die Fassade des dominanten Vettel weiter. 2020 schaffte es Perez auf Platz vier der Fahrerwertung, während Stroll mit großem Abstand den elften Rang belegte. Vettel, 2020 noch bei Ferrari, beendete die Saison nur auf Platz 13. Von einem viermaligen Weltmeister erwarteten die Beobachter, dass er das Teamduell gegen Stroll deutlicher gestalten würde.

Vettel bestreitet: Keine Gespräche mit Horner. -
Vettel bestreitet: Keine Gespräche mit Horner. -Foto: LAT Images

Sebastian Vettel: Gespräche zu Red-Bull-Comeback "nicht wahr"

Trotzdem gibt Aston Martin Teamchef Krack, was Vettels Stellenwert im Team angeht, deutliche Worte von sich. Das Team braucht Vettel: "Einerseits bringt er uns Kontinuität, welche immer wichtig ist. Außerdem sind seine Arbeitsmoral, seine Geschwindigkeit und seine Erfahrung von großem Wert. Er sieht die Performance, die wir haben, realistisch und er versucht sein Bestes. Es gibt andere Fahrer, die ebenfalls auf einem hohen Niveau gefahren sind, aber mit der Zeit sehr ungeduldig werden, was sehr schwer zu handhaben ist. Neben der Schnelligkeit sind das die Gründe, weshalb wir ihn bei uns behalten wollen."

Ob Vettel bleibt, ist jedoch unklar. Der Vertag des dreifachen Vaters läuft Ende 2022 aus. In der Formel-1-Welt kursierten seit längerem Gerüchte über eine mögliche Vettel-Rückkehr zu Red Bull. Der Deutsche solle sich im Gespräch mit Red-Bull-Teamchef Christian Horner befinden. Vettel verneint: "Ich habe lang nicht mit ihm gesprochen. Also nein, die Geschichte ist nicht wahr."

Formel 1, Vettel: Aston oder Abschied?

"Ich kann auf erstaunliche 15 Jahre oder so zurückblicken. Ich war dazu in der Lage, Weltmeisterschaften zu gewinnen, stand oft auf dem Podium. Das war toll", erinnerte sich Vettel in Imola. Doch Podien oder gar Siege sind bei Aston Martin noch Zukunftsmusik. Obwohl Vettel den 'Geschmack' des Sieges vermisse, liege der Fokus wo anders.

"Das Team wächst. Es gibt viele Dinge, die vielversprechend aussehen", so der Deutsche. Gemeint ist unter anderem der Bau eines neuen Fabrikgebäudes für Aston Martin. Teambesitzer Lawrence Stroll möchte aus dem einst so kleinen Mittelfeldteam ein groß aufgestelltes Top-Team machen. Ob Vettel ein Teil dieser Zukunft bei Aston Martin sein wird, bleibt weiterhin offen.