Lewis Hamilton macht unter dem Druck der Mercedes-Krise zum Start von 2022 einen zunehmend frustrierten Eindruck. Nachdem er in Imola weder im Qualifying, noch im Sprint, noch im Rennen überhaupt je den Punkten nahe kam, erklärte er gar wiederholt seine Chancen auf die Formel-1-WM in dieser Saison für gescheitert.

Hamiltons Frust hat inzwischen schon zwei ehemalige Weltmeister, Mika Häkkinen und Jacques Villeneuve, dazu verleitet, über die Zukunft des siebenfachen Weltmeisters bei Mercedes zu theorisieren. Spekulationen bemüht sich Hamilton am Rande des Imola-Wochenendes gleich mit Kritik in Richtung der Urheber nachhaltig zu ersticken.

"Ich habe ein paar Kommentare gesehen von bestimmten Individuen, bei denen ich mich erinnere, dass ich sie respektiert habe, als ich aufgewachsen bin", stichelt Hamilton. Wohl in Richtung von Häkkinen, der nach Australien in seiner Video-Kolumne für den Wettanbieter Unibet laut über Hamiltons Zukunft im Angesicht des Mercedes-Formtiefs nachgedacht hatte.

Weltmeister stellen Hamiltons Mercedes-Zukunft infrage

So ein Tief starte einen natürlichen Nachdenk-Prozess, so Häkkinen, der 1998 und 1999 für McLaren Weltmeister wurde, und 2001 nach einer Kombination von Technik-Pech und Formtief sich ein Jahr F1-Auszeit nahm, aus dem er nie wieder zurückkam. "Jetzt, wo die Dinge nicht mehr laufen, wird er anfangen nachzudenken, ob er Teams wechseln soll", lautete Häkkinens Urteil über Hamilton.

Jacques Villeneuve, Weltmeister von 1997, äußerte sich am Montag nach Imola in seiner Kolumne für das niederländische Medium 'Formule 1' ähnlich. Villeneuve ortete bei Mercedes mit dem nebenher stark fahrenden George Russell ein weiteres Problem für Hamilton, und hinterfragt, ob man nicht die Entwicklung auf Russell statt Hamilton ausrichten soll: "Ein großer Star ist toll, wenn du gewinnst - der bringt dir viel Aufmerksamkeit. Aber wenn er nicht gewinnt, ist der Ärger so viel größer. Ein Weltmeister hat nicht das Recht, nicht wettbewerbsfähig zu sein."

Der Statistik-Vergleich zwischen Hamilton und Russell nach Imola -
Der Statistik-Vergleich zwischen Hamilton und Russell nach Imola -Foto: LAT Images/Motorsport-Magazin.com

Villeneuve stellt abschließend die Frage: "Und wird Hamilton in zwei, drei Jahren noch hier sein? Wird er es überhaupt ans Ende der Saison schaffen? Du kannst nicht in den Kopf von jemand anderem schauen. Du kannst deprimiert sein, oder aber du kannst nicht mehr in der Lage sein, damit umzugehen, dass du nicht mehr gewinnst."

Hamilton stichelt: Die wollen nur relevant bleiben

Hamilton gibt auf solche Gedanken überhaupt nichts: "Letztendlich sind diese Kommentare albern und ein Haufen Nonsens. Alles mit dem Ziel, Überschriften zu generieren, um sich relevant zu halten." Sein Vertrag mit Mercedes läuft noch bis zum Ende von 2023, und er hat alle Absicht, ihn zu erfüllen: "Wir sind zusammen durch Höhen und Tiefen und ich stehe zu 100 Prozent hinter diesem Team, und möchte nirgendwo anders sein."

"Nur weil wir in einer schwierigen Phase sind - es liegt nicht in meiner DNA, zurückzustecken", stellt Hamilton klar. "Wir sind noch immer die Weltmeister, und wir können das lösen. Es wird nur etwas länger dauern und es wird ein schmerzhaftes Jahr werden, dass wir gemeinsam durchstehen müssen."

Hamilton bereit, bis 2023 zu warten

Als "Worst-Case-Szenario" benennt Hamilton erst einmal nun, dass es bis 2023 dauert, bis das Team wieder konkurrenzfähig ist. Dass Mercedes die Probleme in den Griff bekommt, daran zweifelt er nicht, und erinnert sich zurück an das Jahr 2009 bei McLaren, wo er nach seinem ersten WM-Titel ein ähnliches Tief nach einem Reglementswechsel durchlebt hatte: "Wir haben es letztendlich gelöst und uns wieder ins Spiel gebracht, und ich habe vollstes Vertrauen, dass mein Team das auch dieses Jahr schafft."

Nur die WM, die dürfte gelaufen sein: "Ich war noch nie so weit weg, und ich weiß, wie diese Meisterschaft läuft. Mit diesen beiden Teams da vorne, Ferrari und Red Bull, die liefern eine ordentliche Leistung. Wir müssen möglichst bald eineinhalb Sekunden finden, um vor ihnen zu sein, und praktisch jedes Rennen vor ihnen ins Ziel kommen. Das wird nicht einfach."

Momentan liegt Mercedes mit 77 Punkten nur 47 hinter Ferrari. Hamilton fehlen in der Fahrerwertung aber schon 58 Punkte auf Charles Leclerc, und die Fortschritte bei Mercedes ziehen sich weiter hin.