Bereits 2021 hatte der damalige Formel-1-Rookie Yuki Tsunoda einen grandiosen Saisonstart mit Alpha Tauri in Bahrain. Der Neueinsteiger fuhr bei seinem ersten Formel-1-Grand-Prix direkt in die Punkte. Was folgte, war ein regelrechter Hype um den jungen Japaner, danach kam allerdings nicht mehr sehr viel. Motorsport-Magazin.com sieht genauer hin, was damals schiefgelaufen ist und was er in dieser Saison besser macht.

Tsunoda: "Ich war ein fauler Sack."

Anfang des Jahres räumte der Alpha-Tauri-Pilot in einem Interview mit Sky ein, dass die Probleme der vergangenen Saison vor allem bei ihm lagen: "Nach dem Training war ich sofort zurück in meine Wohnung gegangen, hatte die Playstation angeworfen und den Rest des Tages gezockt. Dann, in der Rennwoche, begann die Hektik. Ich fing dann erst mit meinen Vorbereitungen an, und ich glaube, dann war es zu spät."

In weiterer Folge musste der Rookie auf Anweisung von ganz oben nach Italien umziehen, wo Franz Tost ein besseres Auge auf ihn werfen konnte. Künftig stand also ein hartes Training und eine professionelle Vorbereitung im Fokus des Japaners, ausgedehnte Ausflüge in digitale Welten wurden schnell wesentlich seltener.

Dann hat es 'klick' gemacht

Nach seinem fulminanten Saisonstart in Bahrain lief die weitere Saison bekanntlich eher suboptimal für den Alpha-Tauri-Mann. Warum das so war, verriet er ebenfalls im Interview Anfang des Jahres. Nach einigen unfreiwilligen Ausflügen von der Strecke war er nämlich durchaus verunsichert: "Ich habe einfach nur versucht, keinen großen Fehler zu machen und das Auto auf der Strecke zu halten. Deshalb war ich auch ziemlich langsam, weil ich mich darauf konzentrierte, keinen Unfall zu bauen."

Gegen Ende der Saison hat es beim Japaner aber 'klick' gemacht und er konnte wieder an Speed zulegen: "In der Formel 1 kommt es vor allem auf Ergebnisse und Pace an. Also habe ich mir eine andere Einstellung verpasst." Dieser Entwicklungsprozess mündete dann auch in einem sensationellen Saison-Finish in Abu Dhabi, wo Tsunoda seinen Boliden souverän auf P4 ins Ziel fahren konnte.

Yuki Tsunoda 2022 mit besserem Gesamtpaket

Nach dem Grand Prix in Imola, in dem Tsunoda einen starken siebten Platz einfahren konnte, stand der Japaner erneut Rede und Antwort vor den TV-Kameras und erklärte, inwiefern er sich im vergangenen Jahr weiterentwickeln konnte: "Ich denke, ich habe wesentlich mehr Kontrolle als letztes Jahr. Letztes Jahr um diese Zeit wusste ich im Grunde nicht, was ich tat. Ich habe jede Runde bis ans Limit gepusht, was am Ende dazu führte, das diese Dinge passierten. […] Im Vergleich zum letzten Jahr habe ich einen großen Schritt vorwärts gemacht, vor allem mit Blick auf die Rennpace."

Aber nicht nur sein Fahrstil hat sich verbessert, der Japaner ist auch insgesamt etwas ruhiger geworden - zumindest in der Öffentlichkeit. 2021 fiel er nämlich auch immer wieder mit Funksprüchen auf, in denen er seinem Frust freien Lauf ließ. "Ich würde sagen, dass ich am Funk ruhiger geworden bin. Ich schreie zwar noch, aber ich drücke den Knopf einfach nicht mehr - ein großer Fortschritt [lacht]. […] Nein, ich habe einfach realisiert, dass es keinen Sinn macht, am Funk zu schreien. Es ist viel besser, die Limitierungen des Wagens mit ruhiger Stimme zu kommunizieren, um den nächsten Schritt machen zu können."

Tsunoda 2022 auf Augenhöhe mit Pierre Gasly?

Nachdem Tsunoda 2021 hauptsächlich im Schatten seines Teamkollegen verbracht hat, scheint er in dieser Saison durchaus mit diesem auf Augenhöhe zu sein. Mehr noch: Nach dem 7 Platz beim Grand Prix in Imola führt der Japaner das Teamduell aktuell sogar an. Aber was sagt Tsunoda selbst dazu? "Keine Ahnung. Es ist noch viel zu früh, um das sagen zu können, aber im Vergleich zu ihm ist diese Woche für mich wirklich gut gelaufen. Die Zukunft wird es zeigen", gibt sich Yuki Tsunoda bescheiden.

Nach dem Hype um ihn zu Beginn der letzten Saison, will er die Erwartungen aber generell nicht zu hochschrauben: "Ich will mich nicht zu früh freuen. Ich habe immer noch eine Menge zu lernen und zu verbessern. Vielleicht ist das jetzt Stufe zwei, alles Weitere gilt es abzuwarten." Daran, dass Yuki Tsuonda in seinem zweiten Jahr in der Königsklasse bereits einen wesentlich reiferen Piloten verkörpert als noch 2021, lässt sich angesichts solcher Statements kaum noch zweifeln. Es bleibt für alle Fans des Japaners also nur noch zu hoffen, dass er dieses Mindset auch für die Zukunft konservieren kann.