Beim ersten Formel-1-Test des Jahres, dem offiziellen Shakedown in Barcelona, präsentiert sich McLaren in guter Form. Im Gegensatz zu weiten Teilen der Konkurrenz haben die Briten kaum mit technischen Problemen am MCL36 zu kämpfen, Runde um Runde spulten die Fahrer während der drei Testtage ab.

Lando Norris gelang am Mittwoch zudem die Tagesbestzeit und auch Teamkollege Daniel Ricciardo führte das Klassement am Donnerstag lange Zeit an. Die Konkurrenz ist gewarnt: "Einige Teams sehen sehr schnell aus. Vor allem ein rotes und ein oranges Team sehen sehr konkurrenzfähig aus", sagt etwa Neu-Mercedes-Pilot George Russell. Gemeint sind damit natürlich Ferrari und eben McLaren.

Seidl: Unmöglich zu sagen, wo wir aktuell stehen

Doch zählt McLaren beim Saisonauftakt in Bahrain wirklich zu den großen Favoriten? Teamchef Andreas Seidl versucht die Erwartungen gering zu halten: "Es ist toll zu sehen, dass unser Auto vom Start weg gut funktioniert. Aber was das für Rangfolge bedeutet? Das ist einfach unmöglich vorherzusagen", erklärt er. Auch die beiden McLaren-Piloten versuchen, den aufkommenden Hype zu bremsen: "Natürlich ist es schön, am oberen Ende zu stehen und nicht am unteren", freut sich Ricciardo, "Aber die Mercedes und die Red Bulls - Sie haben bis jetzt noch nichts gezeigt. Wir werden sehen was dann passiert, wenn jeder etwas mehr offenbart."

Auch Teamkollege Norris, am Mittwoch noch mit Tagesbestzeit, stimmt zu: "Um ehrlich zu sein, nervt es mich, Erster zu sein. Jetzt glauben die Leute, dass wir schnell sind. Aber das sind wir nicht", meint der Brite. Die Favoritenrolle sieht er bei anderen Teams, gleiches gilt für Seidl: "Wir sehen aktuell doch schon, dass sich die üblichen Verdächtigen wieder nach vorne arbeiten. Und meiner Meinung nach hat auch Ferrari einen sehr starken Eindruck gemacht", findet der Deutsche.

Lando Norris sorgte am Mittwoch für die erste Tagesbestzeit des Jahres -
Lando Norris sorgte am Mittwoch für die erste Tagesbestzeit des Jahres -Foto: LAT Images

Nach reibungslosem Testauftakt: Stimmungshoch bei McLaren

Dennoch, die Stimmung bei McLaren ist gut, dass kann auch der Teamchef nicht verheimlichen: "Ich bin glücklich damit, wie diese ersten Tage gelaufen sind", berichtet er. "Ein großes Kompliment an das ganze Team, zuhause in der Fabrik und hier an der Strecke, dafür, dass sie uns hierhin gebracht haben, wo wir jetzt stehen. Das war eine riesige Herausforderung, das Auto über den Winter zusammenzubauen und alles zum Laufen zu bringen", so Seidl weiter.

Der 46-jähriger Passauer ist sich sicher: "Wir haben eine solide Plattform, mit der wir in den nächsten Test und das erste Rennen gehen können." Natürlich erwarte er in den nächsten Wochen und Monaten noch viele Weiterentwicklungen - bei allen Teams - aber er sei sehr zufrieden damit, wo sein Team aktuell stehe.

Wo das nun genau ist - ob an der Spitze des Feldes oder doch weiter hinten - das wird sich wohl erst Mitte März zeigen. Dann startet die Formel 1 auf dem Bahrain International Circuit in ihr erstes Rennwochenende 2022. Zuvor stehen vom 10. bis 12. März allerdings noch die zweiten Testfahrten des Jahres an. Auch wenn die Rundenzeiten aktuell noch nicht sonderlich aussagekräftig sind - Seidl und Co. dürften den positiven Trend der ersten Testtage in Bahrain sicherlich gerne bestätigen wollen.