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Formel 1

Formel 1, Norris platzt der Kragen: Das ist einfach scheiße!

Lando Norris feuerte nach dem Rennen in Saudi-Arabien aus allen Rohren. Rote Flagge ruiniert ganze Arbeit. Regeln dumm. Brite fordert Pflichtboxenstopp.
von Florian Becker

Motorsport-Magazin.com - Das Formel-1-Rennen in Saudi-Arabien wurde durch mehrere rote Flaggen gehörig über den Haufen geworfen. Die Unterbrechungen sorgten einmal mehr für große Gewinner und ebenso große Verlierer. Lando Norris zählte zum wiederholten Male zu den Leidtragenden des Regelwerks, das im Falle einer Pause einen Reifenwechsel erlaubt. Der McLaren-Rookie erneuerte seine Kritik am Ablauf und fand dabei deutliche Worte.

"Das ist einfach so unfair. Sie sollten alle noch einen Boxenstopp zu absolvieren haben, sie sollten eher Pech als Glück haben", sagt Norris mit Blick auf die Konkurrenz, die von der Unterbrechung profitierte. Er selbst lag zum Zeitpunkt der Neutralisierung in Runde zehn auf der sechsten Position. Seine Strategen nutzten die zunächst ausgerufenen Safety-Car-Phase, um ihn an die Box zu holen.

Der Reifenwechsel warf ihn auf Platz 14 zurück. Kurz darauf entschied die Rennleitung auf rote Flagge. Gemäß Reglement darf in diesem Szenario im Rahmen der Parc-Ferme-Bestimmungen an den Autos gearbeitet werden, was auch den Reifenwechsel mit einschließt. "Das ist wahrscheinlich die schlechteste Regel, die sich jemals ein Mensch ausgedacht hat", schimpft Norris am Mikrofon von Sky Sports F1.

Teamkollege Daniel Ricciardo war einer der großen Profiteure des Szenarios und wurde am Ende Fünfter. Norris erholte sich von seiner strategischen Niete nicht und wurde nur Zehnter. "Es hat einfach unser Rennen ruiniert. Du hast das Gefühl, so viel zu investieren und dann wird es dir einfach weggenommen. Es ist scheiße, weil das Team einen guten Job gemacht hat. Das Auto war echt gut. Das ist einfach scheiße, diese Regel ruiniert alles", lässt der 22-Jährige seinem Ärger freien Lauf.

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Norris wiederholt Opfer der roten Flagge

Bereits im Vorjahr wurde er durch solche Situationen zurückgeworfen. In Monza lag er bis zum Abbruch durch Charles Leclercs Unfall kurz vor Rennhalbzeit auf Platz drei. Wie in Saudi-Arabien nutzte sein Team eine Neutralisierung für den Boxenstopp, unmittelbar bevor es zur roten Flagge kam. Er war dadurch auf Platz neun zurückgefallen und die Konkurrenz vor ihm wechselte in der Pause dank des Reglements ohne Positionsverlust die Reifen.

Nach dem Vorfall beim Italien GP 2020 hatte er sich gegenüber den Medien lautstark über die Missstände beschwert und seine Kritik auch gegenüber den Offiziellen vorgebracht, jedoch ohne Erfolg: "Ich habe das schon beim ersten Mal angesprochen, und danach auch noch einmal. Ich kann sagen was oder denken was ich will. Natürlich macht es das aus Sicht des Fernsehens spannender, und das ist worauf sie sich konzentrieren."

Formel 1 stellt Show über Sport

In Jeddah hatte der Reifenwechsel unter Rot einen entscheidenden Einfluss auf den WM-Kampf zwischen Max Verstappen und Lewis Hamilton. Der Niederländer hatte zuvor noch nicht gestoppt und durfte aufgrund der Umstände seine Führung vor den Rivalen behalten. "Sie wollen, dass die Zuschauer dran bleiben, also behalten sie das bei. Aber meiner Ansicht nach ruiniert es den Motorsport und all die Anstrengungen die du reinsteckst", so Norris.

Er wünscht sich, dass im Sinne des Sports in Zukunft eine andere Lösung gefunden wird. "Ich finde, dass jeder einen Pflichtboxenstopp absolvieren sollte und zwei unterschiedliche Reifensätze gefahren werden müssen. Dann ist es akzeptabel", sagt er. "Aber so macht es alles nur kaputt. Du gibst so viel und dann wird es dir wegen so einer dummen Regel genommen."

Durch den Glücksgriff von Red Bull kam es im weiteren Rennverlauf zum umstrittenen Duell zwischen Verstappen und Hamilton, das der Weltmeister am Ende für sich entschied. Norris hätte sich einen anderen Ausgang gewünscht, der seiner Kritik mehr Gehör verschafft hätte. "Wenn Max gewonnen hätte, weil er einen kostenlosen Boxenstopp machen durfte, hätte Mercedes sich bestimmt beschwert", sagt er.

Gleichzeitig ist ihm bewusst, dass er durch seine Erfahrungen sensibler auf das Thema reagiert als die Konkurrenz: "Für sie ist es ein super Tag. Aber ich habe einfach das Gefühl, dass das unfair ist. Natürlich bin ich immer derjenige, der das schlechte Ende für sich hat. Deshalb ist es für mich wahrscheinlich noch schlimmer als für die anderen."


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