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Formel 1

Formel-1-Chaos erklärt: So lief der Verstappen-Deal mit der FIA

FIA-Rennleiter Michael Masi wurde für die Verhandlung mit Red Bull über den Verstappen-Platztausch heftig kritisiert. Das Regelbuch sagt: Zu unrecht.
von Christian Menath

Motorsport-Magazin.com - Der Saudi-Arabien-GP war kein normales Rennen. Es war ein Massaker zwischen Max Verstappen und Lewis Hamilton, zwischen Mercedes und Red Bull - auf allen Ebenen. Eine Szene abseits der Strecke sorgte für besonders viele Diskussionen: Die Verhandlungen zwischen FIA-Rennleiter Michael Masi und Red Bull während der zweiten Rennunterbrechung.

Beim ersten Restart hatte Verstappen Platz eins gegen Hamilton mehr als grenzwertig in Kurve eins verteidigt. "Als ich das sah, habe ich den Stewards sofort vorgeschlagen, dass ich Red Bull die Möglichkeit geben werde, die Position zurückzugeben", erinnert sich Formel-1-Rennleiter Masi.

Doch soweit kam es zunächst nicht, denn die Unfälle von Sergio Perez, George Russell und Nikita Mazepin zogen die nächste Rennunterbrechung nach sich. In dieser Rennunterbrechung bot Masi Red Bulls Sportdirektor Jonathan Wheatley an, die Startaufstellung beim Restart zu Ungunsten von Verstappen zu verändern.

Masi erklärt: So kam es zur Rückversetzung Verstappens

Das Angebot und die anschließende Diskussion zwischen Red Bull und dem Rennleiter sorgte für viele Fragezeichen bei den Zuschauern. Dabei ging tatsächlich alles mit rechten Dingen zu: Der Rennleiter darf keine Strafen aussprechen, das ist Sache der Stewards.

Der Rennleiter kann lediglich um einen Platztausch bitten, wenn er der Meinung ist, dass eine Position unfair gewonnen wurde. Wenn der beschuldigte Fahrer dem Wunsch des Rennleiters dann nicht nachkommt, übergibt er es an die Stewards. Die wiederum befassen sich dann mit dem Zwischenfall und verhängen gegebenenfalls Sanktionen. "Deshalb würde ich es nicht einen Deal nennen", so Masi.

Aus diesem Grund gab es von Masi keine Strafversetzung für Verstappen, weil er diese Befugnis überhaupt nicht hat. Red Bull musste zustimmen. Kurios wurde die Szene nur, weil seit dieser Saison der Funkverkehr zwischen FIA und Teams erstmals öffentlich ist und weil die Diskussion durch die Rote Flagge ausführlicher als normal war.

Auch der Platztausch vor dem Restart war ein Novum in der Formel 1, war aber im Interesse des Sports. Sonst wäre Verstappen von Pole gestartet, hätte dann aber nach dem Start die Position zurückgeben müssen - oder eben eine Strafe kassiert. So war es für alle Beteiligten gut, die richtige Reihenfolge vor dem Start (wieder)herzustellen.

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Horner kritisiert FIA: Whiting fehlt dem Sport!

Verwunderung und Verwirrung gab es auch über die Tatsache, dass Esteban Ocon von Pole startete. Bei einem Restart nach Rot ist die Sache anders gelagert als bei einem Abbruch durch Rot. Während bei einem Abbruch die Reihenfolge der vorletzten Runde entscheidend für das Rennergebnis ist, muss die Rennleitung bei einem Restart die Reihenfolge zum letzten nachvollziehbaren Zeitpunkt nehmen. Und da lag in Saudi Arabien Verstappen vor Ocon und Hamilton.

Obwohl Red Bull das Angebot der Rennleitung annahm, gab es nach dem Rennen Kritik. Teamchef Christian Horner sprach von einem Basar und griff Michael Masi indirekt auch persönlich an: "Es tut mir leid das zu sagen, aber ich hatte das Gefühl, dass Charlie Whiting dem Sport heute gefehlt hat." Masi ist der Nachfolger des 2019 verstorbenen Formel-1-Rennleiters Whiting.


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