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Formel 1, Verstappen-Drama im Saudi-Qualifying: Das sagt Marko

Red Bull musste am Samstag beim Formel-1-Qualifying in Saudi Arabien eine bittere Niederlage hinnehmen. Dr. Helmut Marko steht im Interview Rede & Antwort.
von Christian Menath

Motorsport-Magazin.com - Das Formel-1-Qualifying in Saudi Arabien endete hochdramatisch. Max Verstappen verunfallte auf dem Kurs zu Pole ausgangs der letzten Kurve und bangt um das Getriebe. Gleichzeitig gibt es bei Red Bull noch Ärger aufgrund einer Stewards-Entscheidung im dritten Training. Lewis Hamilton kam nach zwei Untersuchungen nur mit einer Verwarnung davon. Red-Bull-Motorsportchef Dr. Helmut Marko kündigte unmittelbar nach dem Qualifying im Interview gegenüber Motorsport-Magazin.com an, dass die Bullen Protest einlegen wollen.

Marko: Hoffen, dass Getriebe okay ist

Herr Dr. Marko, wie bitter war der Fehler am Ende von Max Verstappen?
Dr. Helmut Marko: Er war vier Zehntel vorne, dann ist das linke Vorderrad beim Anbremsen stehen geblieben und es ging sich nicht mehr aus. Jetzt können wir nur hoffen, dass das Getriebe in Ordnung ist.

Vom Einschlag her sieht es wahrscheinlich danach aus...
Dr. Helmut Marko: Ja, es war ein kräftiger Einschlag. Ich habe es zuerst nicht so gesehen, aber in der Wiederholung sah es so aus.

Das sind wir von Max Verstappen so nicht gewohnt.
Dr. Helmut Marko: Das sind wir nicht gewohnt, aber wenn man so eine Runde hinlegt, dann kann das passieren. Er wäre eine halbe Sekunde vorne gewesen und das auf so einer Strecke. Unglaublich! Aber das zeigt, dass wir richtig gearbeitet haben und unsere Probleme in den Griff bekommen haben. Aber wir haben Berufung gegen die Steward-Entscheidung eingelegt, denn das ist alles nicht mehr nachvollziehbar.

Sind froh, dass wir Verstappen haben

Das wäre später meine Frage gewesen. Aber bleiben wir mal ganz kurz bei Max: Muss er vielleicht da ein bisschen mehr den Kopf einschalten, da er ja auf dem Dashboard sieht, dass er vorne ist. Muss man da dann das Risiko in der letzten kurven nicht unbedingt eingehen?
Dr. Helmut Marko: Es ist Verstappen. Wir sind froh, dass wir jemanden wie Verstappen haben. In der Phase hätte vielleicht der Ingenieur auch sagen können, dass er es ruhig angehen soll. Aber das ist weder Verstappen noch ist es Red Bull.

Ist das ein bisschen der Druck im WM-Kampf?
Dr. Helmut Marko: Nein, er war einfach so mit Adrenalin vollgepumpt, weil er in Sektor 1 und Sektor 2 solche Zeiten gefahren ist und auch im dritten Sektor war er wieder vorne. Er hat in jedem Sektor Zeit gutgemacht und es war eine Nuance. Das Vorderrad ist stehengeblieben und dadurch konnte er nicht einlenken.

Red Bull baut auf Long-Run-Pace

Bleiben wir noch ganz kurz beim sportlichen. Haben Sie bei der Long Run Pace von gestern herausgefunden, wo der Fehler war? Lag es am Benzin?
Dr. Helmut Marko: Nein, das war was anderes.

Also Sie sind aber rein performancetechnisch guter Dinge für morgen?
Dr. Helmut Marko: Ja, und auch reifentechnisch haben wir keine Probleme.

Wenn man mal davon ausgeht, dass es vielleicht nach hinten geht, was ist da aus eigener Kraft noch drinnen?
Ich glaube, dass es hier die eine oder andere Safety-Car-Phase geben wird. Denn man hat gesehen, dass die Bergung von Fahrzeugen hier fünf bis acht Minuten braucht. Es gibt keine Kräne. Was heute passiert ist, ist zwar schade, aber da ist noch nichts verloren.

Dann haben wir am Funk mal gehört, dass Verstappen einen Windschatten wollte?
Dr. Helmut Marko: Ja, er war darauf aus. Aber er wie man gesehen hat, hat er ihn nicht gebraucht.

Aber gab es solche Überlegungen im Vorfeld?
Dr. Helmut Marko: Naja, wenn Perez etwa keine Chance mehr gehabt hätte... Aber er war zu weit weg.

Marko fordert Hamilton-Strafe: Da war gelb

Kommen wir zu Hamilton. Sie sagten vorhin, dass Sie Protest einlegen. Gegen welche Entscheidung legen Sie Protest ein? Denn es gab ja zwei...
Dr. Helmut Marko: Ich weiß nur von der ersten, dass er da freigesprochen wurde.

Also es gab ja einmal die gelben Flaggen: Da hat sich rausgestellt, dass es ein Fehler im System war. Denn es gab ja überhaupt keine gelben Flaggen...
Dr. Helmut Marko: Was geht uns das an? Es war gelb am Display. In Katar war offenbar eine halbe Sekunde Gelb und plötzlich fängt da einer an mit der gelben Flagge zu wackeln. Diese unterschiedlichen Auslegungen akzeptieren wir nicht mehr.

Es gab dann auch noch die Geschichte mit Mazepin, nämlich das Blockieren. Respektive gegen Gasly gab es eigentlich auch eine ähnliche Situation in FP3.
Dr. Helmut Marko: Ja, und was ist da gekommen?

Bei der Aktion gegen Gasly gab es gar keine Untersuchung und gegen Mazepin gab es eine Strafe von 25.000 Euro für Mercedes sowie eine Verwarnung für Hamilton. Die Begründung war, das Team hätte ihn nicht richtig auf die Situation aufmerksam gemacht und es ist eine Besonderheit der Strecke, dass man hier auf das Team angewiesen ist.
Dr. Helmut Marko: Man konstruiert Sachen...

Welches Vergehen war für Sie das schlimmere? Bei den gelben Flaggen muss man tatsächlich sagen, dass es weder geschwenkt noch am Display war, sondern nur bei der Rennleitung.
Dr. Helmut Marko: Nein, auf dem Display hatten wir auch gelbe Flaggen.

Beim Display war es bei Ihnen auch zu sehen?
Dr. Helmut Marko: Ja, also Mercedes hatte die gelben Flaggen. Also wo ist plötzlich das Team? Man ist ja in diesem Fall auf das Team angewiesen. Bei uns wurde in dem Sektor ganz klar gelb angezeigt.

Red Bull verzichtet auf Protest

Entgegen der Aussage von Helmut Marko direkt nach dem Qualifying teilte Red Bull am Samstagabend mit, dass man nicht plane einen Protest gegen die Entscheidungen der Stewards einzulegen.


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