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Formel 1

Giovinazzi erlebt Formel-E-Schock: Kein Abtrieb, kein Sound

Alfa-Romeo-Fahrer Antonio Giovinazzi fuhr in den Tagen vor dem Formel-1-GP in Saudi Arabien seine ersten Testkilometer in der Formel E. Seine Erfahrungen.
von Florian Niedermair

Motorsport-Magazin.com - In Saudi-Arabien und Abu Dhabi absolviert Antonio Giovinazzi seine letzten beiden Formel-1-Rennen für Alfa Romeo. Anschließend steht ihm das Abenteuer Formel E bevor. Am Dienstag und Mittwoch nahm der Italiener bereits als Vorbereitung an den Testfahrten zur neuen FE-Saison in Valencia teil.

Der Wechsel von Giovinazzi in die Formel E wurde am 16. November bekanntgegeben. Nur wenige Stunden vorher wurde publik, dass er sein F1-Cockpit bei Alfa zum Ende der Saison räumen muss, um Platz für den Chinesen Guanyu Zhou zu schaffen.

Wechsel nach fünf Jahren Formel 1

Nach fünf Jahren in der Formel 1 (drei als Stammfahrer, zwei als Ersatz-und-Freitagspilot) musste sich Giovinazzi erst langsam an die für ihn neue Rennkategorie herantasten. "Ich hatte erwartet, dass sich das Auto sehr anders anfühlen wird, als mein Formel-1-Wagen und so ist es auch gekommen", bestätigte er.

Die ersten Runden im von Spark entwickelten Gen2-Einheitschassis fühlten sich auch dementsprechend ungewöhnlich an. "Ich habe mich am ersten Tag noch etwas verloren gefühlt." Mehrere Aspekte erwiesen sich als besonders gewöhnungsbedürftig für den 57-fachen GP-Teilnehmer. "Es war alles ein bisschen anders: Das Bremsmanagement, es gibt kaum Downforce und keinen Sound", zählte Giovinazzi auf.

Giovinazzi: Noch nie gespürt

Ein vollkommen neues Gefühl für ihn. "Ich habe noch nie etwas ähnliches zuvor in meiner Karriere gespürt. Weder in der Formel 3, noch in der Formel Abarth, der Formel 2 im GT-Sport oder in der LMP2-Kategorie.

Erst am zweiten Testtag entwickelte er langsam ein Gefühl für den Boliden: "Es fühlte sich viel besser an und ich hatte etwas mehr Spaß", freute er sich. Insgesamt spulte Giovinazzi an beiden Tagen 147 Runden ab. Den letzten Testtag am Donnerstag verpasste er allerdings, da er für die F1-Pressekonferenz wieder vor dem GP-Wochenende in Jeddah wieder in Saudi Arabien anwesend sein musste.

Gedämpfte Erwartungen

Für den Beginn der FE-Saison fehlen ihm damit wichtige Testkilometer, die er bis zum Saisonstart nicht aufholen wird. "Es wird natürlich schwer werden, weil ich direkt ins erste Rennen muss und es bis dahin keine weiteren Testtage gibt", argumentierte der 27-Jährige. Auch aus anderen Gründen wird Giovinazzi mit gedämpften Erwartungen in die Serie wechseln. Sein FE-Rennstall Dragon/Penske belegte in den letzten vier Jahren in der Team-Meisterschaft den vorletzten Platz. Den letzten Rennsieg erlangte Dragon 2016.

Giovinazzi zweifelt nicht, dass er nach seinem Formel-1-Abschied auch das Abenteuer Formel E meistern kann. Denn in der Vergangenheit war er in zahlreichen verschiedenen Klassen unterwegs. Abgesehen vom Formelsport ging Giovinazzi 2018 in der GTE-Klasse in Le Mans an den Start und absolvierte sowohl LMP2-Rennen in Europa und Asien. 2015 sprang er als Ersatzmann für den gesperrten Timo Scheider sogar beim DTM-Wochenende am Moscow Raceway ein.

Auch was die Fahrweise auf der Strecke angeht, muss sich Giovinazzi umstellen. Denn im Gegensatz zur Königsklasse spielt in der Elektro-Serie die Aerodynamik eine untergeordnete Rolle und die Boliden sind äußerst stabil gebaut. "Man kann auch mehr Kontakt mit den anderen Autos fahren", stellte Giovinazzi fest.

Kein absolutes Neuland sind allerdings die Fahrer. Giovinazzi trifft in der Elektro-Serie auf viele alte Bekannte. "Ich kenne viele Fahrer von früher aus anderen Kategorien und bin gegen manche bereits bei Kartrennen angetreten", stellte der GP2-Vizemeister von 2016 fest.


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