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Formel 1

Kimi Räikkönen steckt in Qualifying-Misere: Rätsel um Ausweg

Kimi Räikkönen kommt in der Formel-1-Saison 2021 im Qualifying auf keinen grünen Zweig. Antonio Giovinazzi besser, Lösungsansätze verpuffen. Was ist los?
von Jonas Fehling

Motorsport-Magazin.com - Formel-1-Rekordstarter Kimi Räikkönen (338 Grand-Prix-Starts) will es auch auf seine alten Tage noch wissen. Von einem Karriereende spricht der inzwischen 41-jährige Finne nicht einmal im Ansatz. Allerdings gibt sich Räikkönen generell wenig auskunftsfreudig, geht es um seine Zukunft. Seine Leistungen auf der Strecke jedenfalls können sich noch immer sehen lassen, geht nach Alfa Romeos Teamchef Frederic Vasseur. Wochenende für Wochenende lobt der Franzose die Rennpace seines Routiniers - selbst nach dem jüngsten Österreich-GP und dem Crash mit Sebastian Vettel.

Immerhin hatte Räikkönen sich bis zur Kollision in der letzten Rennrunde einmal mehr durch das Feld gearbeitet, diesmal von P16 bis auf P12. Doch genau diese Aufholjagd indiziert, woran sich Räikkönen 2021 bislang fast konsequent die Zähne ausbeißt und wofür auch Vasseur keine lobenden Worte finden kann: Die Qualifying-Pace des Finnen hält längst nicht mit der Sonntagsform Schritt.

Formel 1: Räikkönen im Qualifying-Duell klar hinten

Dreieinhalb Zehntel fehlen Räikkönen im Durchschnitt auf seinen Teamkollegen Antonio Giovinazzi. Nur viermal erreichte der Finne das Q2, Giovinazzi siebenmal, einmal ging es gleich weiter bis in Q3. Den vorläufigen Tiefpunkt erreichte Räikkönen zuletzt beim Tripleheader in Frankreich und Österreich. Dreimal in Folge war bereits in Q1 Feierabend, Giovinazzi stand immer in Q2.

Das Alfa-Duell Räikkönen vs. Giovinazzi in Zahlen - Foto: LAT Images/Motorsport-Magazin.com

Bereits 2020 hatte sich bei Alfa Romeo ein gewisser Zeitenwechsel angedeutet. In seinem zweiten Jahr zurück in der Formel 1 rang Giovinazzi seinen Teamkollegen im Qualifikationsduell mit 9:8 knapp nieder, aktuell steht es nach neun Wochenenden 7:2. Teamintern stört sich Räikkönen kaum daran, dass der Lehrling den Meister allmählich überflügelt. "Ach, ist okay", sagte der Finne nach drei Niederlagen in Serie gegen Giovinazzi vor dem Aserbaidschan-GP im Exklusiv-Interview mit Motorsport-Magazin.com.

Räikkönen: Einfach keine optimalen Runden

In Baku fiel die Analyse simpel aus. "Er ist immer schnell gewesen. Wir sind recht eng zusammen, dann kommt es im Qualifying einfach darauf an, ob du eine gute Runde zusammenbekommst oder nicht", sagte Räikkönen. Selbstkritisch fügte der Finne an: "Und ich habe dieses Jahr nicht so viele guten Runden hingelegt." Das müsse er verbessern.

Viel davon zu sehen war seitdem allerdings nicht. Gleich nach unserem Interview am Donnerstag In Baku bezwang Räikkönen Giovinazzi zwar im Qualifying und ließ prompt seine ersten Punkte des Jahres folgen. Allerdings crashte Giovinazzi in Baku auch gleich im Q1 ohne Zeit aus der Session. Die ersten Zähler waren dem Finnen in Imola - nach seinem bislang einzigen anderen Sieg über Giovinazzi im Qualifying - durch eine viel diskutierte Strafe geraubt worden.

Alfa Romeo sucht Lösung: Setup, Reifen ...?

Was für Räikkönen folgte, waren die genannten drei teaminternen Schlappen des vergangenen Tripleheaders - und damit auch wieder keinerlei Punkte. Unverändert geblieben ist allerdings die Fehleranalyse. "Ich muss schneller sein. Ich habe keine sehr guten Runden zusammenzukommen. So einfach ist es", erklärte Räikkönen noch am Donnerstag vor dem zweiten Qualifying in Spielberg. Mehr Details ließ sich der Finne nicht entlocken. "Ich habe Kurven nicht erwischt", analysierte der Finne erneut knapp und hörbar wenig begeistert von dem unangenehmen Thema.

Alfa Romeo selbst sah zumindest Lösungsansätze. Massive Unterschiede habe es zwischen den beiden Fahrern ohnehin nicht gegeben, so Xevi Pujolar nach dem ersten Österreich-GP. "Wir müssen einfach schauen, wie wir ihm irgendwie helfen können. Wir haben auch ein paar Ideen, wir versuchen es sowohl über das Setup als auch über die Reifen", berichtete Alfa Romeos leitender Ingenieur an der Strecke. Teamchef Frederic Vasseur ergänzte in seiner gewohnt flapsigen Art: "Er wird immer noch besser! Wir werden ihm auch helfen, die kleinen Details zu korrigieren, um im Qualifying so bald wie möglich auf Antonios Level zu sein."

Alfa-Teamchef: Räikkönens Qualifying-Form schwer zu begreifen

Zumindest marginal aufwärts ging es beim zweiten Qualifying in Spielberg. P16 statt P18 für Räikkönen war allerdings noch immer eine Enttäuschung, kein Durchbruch. "Es ist schwer zu begreifen", grübelte Teamchef Vasseur noch am Freitag zuvor auf Nachfragen zur verlorenen Quali-Form des Finnen. "Heute hat er gezeigt, dass die Pace da ist, auch wenn die Zeit [im Training] gestrichen wurde. Es war aber wieder eine sehr starke Runde heute Nachmittag und auch heute Morgen war er da." Warum Räikkönen das im Qualifying nicht bestätigen könne, sei die große Frage. Vasseur: "Ich hoffe, dass er bald wieder da ist."

Eins steht für Alfa Romeo nämlich ganz klar fest. Der Schlüssel zu mehr als den aktuellen zwei WM-Punkten des Teams sind bessere Qualifyings, vor allem für Räikkönen, aber auch für Giovinazzi. Das referiert Ingenieur Pujolar nun bereits seit mehreren Wochenenden. "Wir müssen unseren Samstag verbessern", sagte der Alfa-Mann beim Steiermark-GP. "Beide Autos im Q2 würden helfen. Dann können wir nach vorne kommen."

Alfa: Brauchen Räikkönen-Rennpace von weiter vorne

Genauso sieht es Vasseur. Auf die Rennpace und auch die starken Starts Räikkönens sei nämlich Verlass. Mit insgesamt 23 gewonnen Plätzen - im Schnitt 2,56 je Rennen - ist Räikkönen aktuell tatsächlich sogar der klar erfolgreichste Fahrer der ersten Rennrunde. Doch aus den Niederungen der Startaufstellung reiche das eben nicht, um zu punkten. Drei undankbare elfte Plätze sprechen da fast für sich. "Damit Kimi Punkte holen kann, brauchen wir ihn am Start ein paar Reihen weiter vorne. Denn wenn du von P18 startest, wird es immer sehr schwierig sein. Auch wenn du einen guten Job machst und deine Pace stark und konstant ist", sagt der Franzose.

Die Zeit für eine Lösung drängt zunehmend. Zuletzt kam Williams, in der WM nur zwei Zähler hinter Alfa Romeo, immer besser in Fahrt. George Russell ist längst Stammgast im Q2, zuletzt flog der Brite sogar erstmals ins Q3. "Ich denke, dass wir das bessere Rennauto haben", analysiert Pujolar. "Aber ich muss schon sagen, dass Russell im Qualifying doch einen ziemlich besonderen Job macht. Wir müssen einfach härter arbeiten, um da mitzuhalten oder es noch besser zu machen."

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