Motorsport-Magazin.com Plus
Formel 1

Daniel Ricciardo im Formtief: McLaren-Fahrstil unnatürlich

Die neue Partnerschaft Daniel Ricciardo und McLaren kommt auch in Monaco nicht vom Fleck. Im Gegenteil. Fahrstil passt nicht, McLaren will rekalibrieren.
von Markus Steinrisser

Motorsport-Magazin.com - Daniel Ricciardo liebt wohl kaum eine Formel-1-Strecke mehr als den Circuit de Monaco. Hier stand er schon auf Pole, hier feierte er 2018 seinen denkwürdigsten (und bisweilen letzten) Sieg. Hier war er seit jeher immer einer der schnellsten Piloten im Feld.

Nicht so 2021. In seiner ersten Saison bei McLaren bekam Ricciardo von Lando Norris das volle Paket. Im Qualifying auf eine halbe Sekunde an Norris heranzukommen war für Ricciardo schon beinahe unmöglich. Im Rennen holte Norris das zweite Podium, Ricciardo keine Punkte. Die Partnerschaft mit McLaren, die in Barcelona endlich Fahrt aufzunehmen schien, stotterte in Monaco plötzlich wieder, und mehr denn je.

"Sicher ist die Strecke anders, du brauchst Vertrauen und all das", meint Ricciardo danach. "Aber ich fühlte mich nicht so, als ob ich zu wenig Vertrauen hätte. Ich war aufgeregt, hierher zu kommen. Barcelona war ein guter Schritt nach vorne." Das ganze Wochenende beklagte er sich: Das Auto fühlte sich normal an, aber er war zwischen einer halben und einer ganzen Sekunde langsamer als Norris.

Ricciardo beklagt unnatürlichen McLaren: Zwei Schritte hinten

"Ich war immer zwei Schritte hinten, nicht nur einen, und es gab keine einzige Kurve, in der ich schneller war", so ein resignierter Ricciardo nach dem Qualifying. "Normalerweise findest du, selbst wenn du langsam bist, eine gute Kurve."

Teamchef Andreas Seidl geht weiter ins Detail: "Diese Strecke verstärkt die Probleme, die er mit unserem Auto hat. Wenn wir uns die Daten anschauen, haben wir eine klare Idee, was diese Probleme sind - unser Auto muss auf eine bestimmte Art gefahren werden, um bestimmte Leistung rauszuholen. Lando kann das, er ist daran gewöhnt, aber es passt nicht zu dem, was Daniel kennt." Immerhin fährt Norris seit 2019 für das Team. Ricciardo verbrachte zwei Jahre bei Renault, mit einem ganz anderen Auto und auch einer anderen Power Unit.

Am Kurveneingang hat Ricciardo die größten Probleme, dort beschrieb er das Auto schon öfters als am Limit. Bei höherem Tempo tendiert der McLaren zu einem instabileren Heck. Bei niedrigem Tempo scheinen für Ricciardo noch Probleme auf der Bremse hinzuzukommen. Die Umstellung auf der Bremse bereitete ihm einst schon beim Wechsel zu Renault Sorgen. Bei McLaren scheint Ricciardo zu tief in die Kurve hineinbremsen zu wollen.

"Das Auto ist schwierig umzusetzen - du musst sehr präzise sein, und ich fahre es noch immer nicht so, wie es gefahren werden muss", erklärt Ricciardo. "Manches ist sichtbar in den Daten, und ich kann sagen, dass bestimmte Dinge helfen würden. Das Problem ist, das umzusetzen und zu perfektionieren. Daran muss ich weiterhin arbeiten. Auf dieser Strecke tritt stärker in den Vordergrund, dass es nicht natürlich für mich ist. Ich muss mein Gehirn dafür rekalibrieren, meinen Fahrstil."

McLaren vertraut weiter auf Ricciardo: Arbeiten an Rekalibrierung

Seidl unterstreicht das: "Das ist ein Problem, und es braucht Zeit, um sich zu rekalibrieren, um es natürlich zu machen. Zugleich müssen wir als Team auch herausfinden, ob wir was mit dem Auto machen können - ob Änderungen es für ihn natürlicher machen können, damit er die Performance liefern kann, die wir von ihm kennen. Natürlich mit dem klaren Ziel, in Summe keine Performance vom Auto einzubüßen."

Das Teamduell Ricciardo vs. Norris nach dem Monaco GP - Foto: LAT Images/Motorsport-Magazin.com

"Wir wissen alle, dass er es kann, und er hat viel Vertrauen ins Team - wir schaffen das schon", nimmt Seidl seinen Fahrer in Schutz. "Ich bin beeindruckt, wie sowohl Daniel als auch das Team mit dieser herausfordernden Situation umgehen. Es braucht nur Zeit. In ein paar Rennen werden wir über diese Probleme nicht mehr reden."

Schwaches Monaco-Wochenende nagt an Ricciardo

Seidl hebt wiederholt hervor, dass Monaco wohl ein Ausreißer nach unten war, wo die Probleme durch die einzigartige Natur der Strecke größer erschienen, als sie auf herkömmlichen Rundkursen wie Barcelona sind. Die ersten McLaren-Upgrades schienen Ricciardo auch bereits mit dem Vertrauen ins Auto geholfen zu haben. In Barcelona war er sichtlich glücklicher mit dem Auto.

Ricciardo haderte in Monaco nach dem Q1-Aus - Foto: LAT Images

Trotzdem, für Ricciardo war die Schlappe in Monaco, einer seiner Lieblingsstrecken, schwer zu verdauen. "Im ersten Renault-Jahr habe ich sichtlich ein paar Rennen gebraucht, und dann hatte ich in Monaco ein brauchbares Qualifying", erinnert er sich zurück an 2019, als er den siebten Platz im Qualifying erreichte.

"Ich werde natürlich weiter dran arbeiten, aber dieses Wochenende war ich so weit weg und so lange hintendran, dass ein Teil von mir einfach für ein paar Tage abschalten will", meint Ricciardo. "Sonst ist es Paralyse statt Analyse. Da war ich schon einmal, und dahin will ich nicht zurück."


Weitere Inhalte: