Lewis Hamilton und Mercedes waren nach dem fünften Rennwochenende der Formel 1 in Monaco bedient. Ein siebter Platz im Qualifying, und ein siebter Platz im Rennen, ganz ohne technische Probleme oder Wetterchaos - so kennt man die Serien-Weltmeister nicht.

"Es gibt viel mitzunehmen von diesem Wochenende, und wir haben noch nicht alle Antworten, aber es wird uns zwingen, sie zu suchen", kündigte Hamilton nach dem Desaster an, nachdem er schon seit Samstag Kritik am Team geübt hatte. Fahrerisch gesehen könnte man Monaco wohl sein schlechtestes Qualifying seit Brasilien 2017 nennen, da war er verunfallt. Inzwischen hat Mercedes eine gute Vorstellung, woran die Probleme lagen. Jetzt gilt es, sie zu beheben.

Mercedes-Schwäche wird Hamilton in Monaco zum Verhängnis

Das ursprüngliche Problem geht jedenfalls auf den Mercedes F1 W12 des Jahres 2021 zurück. Wie schon öfters von Fahrern und Team hervorgehoben ist er ein Auto, das die Reifen sehr, sehr sanft anfasst. Schon auf anderen Strecken wurde das zum Problem. Etwa, wenn Mercedes die Reifen im Qualifying nicht schnell auf Temperatur bekam. Oder in einer kritischen Outlap nach einem Boxenstopp.

Monaco multipliziert diese Probleme. Die Strecke ist sehr langsam, greift die Reifen nicht an, und es gibt keine belastenden Kurvenpassagen. Selbst mit Pirellis weichsten Reifenmischungen müssen viele Teams im Qualifying zwei Aufwärmrunden fahren, um ins perfekte Temperaturfenster zu kommen.

Was Mercedes das Leben noch schlimmer machte: Ein Temperatursturz von den Trainings am Donnerstag zum Qualifying am Samstag, von fast 50 auf 30 Grad Streckentemperatur. Am Donnerstag war die Performance da, die Fahrer waren zufrieden. "Dann ging es in den Samstag, und die Situation drehte sich", so Strategie-Chef James Vowles im Race-Debrief-Video des Teams.

Bottas kommt mit neuem Setup zurecht - Hamilton nicht

"Das passiert auf vielen Strecken, aber hier schienen wir einfach nicht in der Lage, uns ins richtige Arbeitsfenster der Reifen zu bringen", erklärt Vowles. "Ein Fahrer war etwas glücklicher als der andere, aber keiner so, wie er sein sollte." Mercedes hatte zwar für Samstag Setup-Änderungen vorbereitet, aber die stellten sich im 3. Training als unbrauchbar heraus. In einer hektischen Mittagspause wurde an beiden Autos noch einmal das Fahrwerk umgebaut, mit dem Ziel, die Reifen aggressiver anzuheizen.

Während Bottas damit zufrieden war, waren sich Hamilton und seine Ingenieure über die genaue Richtung uneins. Bottas kam von Q1 bis Q3 ganz im Sinne der üblichen Qualifying-Progression in einen Rhythmus, und fand, nachdem er mehrere probiert hatte, eine Anwärm-Strategie, die ihn glücklich machte.

Valtteri Bottas entschied in Monaco das Teamduell bei Mercedes für sich -
Valtteri Bottas entschied in Monaco das Teamduell bei Mercedes für sich -Foto: LAT Images/Motorsport-Magazin.com

Hamilton fasste nie Vertrauen ins Auto. Auf jeder seiner schnellen Runde baute er Fehler ein. Die Vorderachse hatte beim Einlenken nie den Grip, den er brauchte. In Q1 fuhr er auf dem ersten Reifensatz 14 Runden, um sich einzuschießen, ohne Erfolg. In Q3 versuchte er eine andere Strategie als Bottas, touchierte aber bergab vor Portier sogar die Wand, brach die letzte Runde ab, und ärgerte sich dann bei den Interviews: "Das Auto war schlimmer denn je. Wir sind seit Donnerstag vom Weg abgekommen."

"Um Vertrauen geht es in Monaco", erklärt Vowles und verweist auf Reifentemperaturen auf Messers Schneide. "Schon ein km/h mehr in den ersten Kurven erzeugt ein, zwei Grad für die nächsten. Und wenn du das nicht hinbekommst, geht es in die andere Richtung. Das Setup der beiden Autos war nicht so unterschiedlich im Qualifying. Was sich geändert hat, war, dass wir nicht alles aus dem Reifen holen konnten."

Mercedes-Setup wird im Rennen zum Nachteil

Und im Bestreben, die Reifen mehr aufzuheizen und den Schaden im Qualifying zu minimieren, hatte sich Mercedes nun auch für das Rennen in eine ungünstige Ausgansposition manövriert. "Das Heizen hat einfach dazu geführt, dass wir als Allererste mit dem Reifenabbau begonnen haben", erklärte Toto Wolff.

Besonders Bottas, bei dem es im Qualifying noch lief, hatte damit Probleme. Die Konkurrenz - Max Verstappen, Carlos Sainz, und auch Hamiltons direkte Gegner Pierre Gasly vor ihm und Sebastian Vettel und Sergio Perez hinter ihm - wurde immer gefährlicher, je länger der erste Stint des Rennens dauerte.

Das zwang den Mercedes-Strategen eine Entscheidung auf. Die Hinterreifen waren an der Grenze, erklärt Vowles: "Ein paar Runden gingen noch, aber sicher keine zehn. Irgendwo dazwischen. Wie schnell wir hätten sein können, ist schwer zu sagen. Die Pace von Red Bull am Stintende, besonders von Perez, war herausragend."

Also sollte Hamilton stoppen und mit Hard-Reifen einen Undercut gegen Gasly fahren. Laut eigenen Berechnungen knapp möglich: "Wir hatten Angst, dass, wenn wir mit Lewis noch zwei Runden warten würden, die Lücke zu Gasly schlimmer werden würde. Einem Auto hinterherzufahren ist immer schwer. Daher haben wir uns basierend auf alldem entschieden zu stoppen. Das war rückblickend falsch."

Hamilton kam an Pierre Gasly nicht vorbei -
Hamilton kam an Pierre Gasly nicht vorbei -Foto: LAT Images

Die Hard-Reifen hatte man nur bei ganz anderen Bedingungen am Donnerstag im ersten Training getestet, die Hochrechnung für das Rennen stimmte nicht. "Es war unglaublich knapp", rechtfertigt Vowles. "Aber wir lagen falsch, der Undercut ging nicht. Die harten Reifen waren auf der Outlap so schwierig, dass wir es nicht geschafft haben." Danach hätte Hamilton schneller gekonnt, steckte aber wieder hinter Gasly fest. So konnte er sich nicht wehren, als Vettel und Perez per Overcut vorbeigingen.

Mercedes und Hamilton nach Monaco mit Nachhol-Bedarf?

Was muss Mercedes aus diesem Rennen nun lernen? Bei den TV-Interviews direkt danach war der Frust-Level bei Hamilton hoch, als er die Frage nach Lehren aus Monaco zu beantworten hatte: "Für mich persönlich? Nein. Das Team? Absolut." Bei der Reifenfrage war er unglücklich - er hätte die Reifen hinter Gasly doch gespart, hätte länger fahren können.

In seiner Medienrunde später war der Ton gemäßigter: "Wir hatten einige gute Gespräche über das Wochenende hinweg, aber wir alle waren nicht gut genug. Wir gewinnen und verlieren als ein Team, und von uns allen war das keine gute Arbeit." Der Stress-Level war gesenkt: "Wir haben immer wieder gezeigt, dass wir über diese Wochenenden hinwegkommen. Daher bin ich nicht so sehr gestresst."

Tatsächlich sollten die Reifen-Probleme in Monaco überdurchschnittlich schwer gewesen sein, aufgrund der Charakteristik der Strecke, die schlicht und einfach nicht zum Auto passte. Auf konventionellen Strecken vermochte das Team sie auszubalancieren, und zugleich daraus einen Vorteil über die Renndistanz herauszuziehen.

Auch das Team muss sich aber zusammensetzen: Setup-technisch ist man irgendwo falsch abgebogen, hat man so ein schlimmes Wochenende noch schlimmer gemacht? Und wurden die internen Meinungsverschiedenheiten richtig gehandhabt? In einem engen WM-Kampf entscheidende Fragen.