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Formel 1

Formel 1, Williams pokert zu hoch: Russell entgleitet P10

Nur ganz kurz waren George Russell und Williams in Barcelona auf Kurs zu den ersten gemeinsamen Formel-1-Punkten. Risiko-Strategie geht nicht auf.
von Markus Steinrisser

Motorsport-Magazin.com - 15 Runden vor dem Ende des Formel-1-Rennens in Barcelona ließ George Russell kurz einmal aufhorchen. Plötzlich tauchte der Williams-Pilot auf dem zehnten Rang auf, kämpfte tatsächlich so kurz vor dem Ende um seine ersten Punkte mit dem Traditions-Rennstall.

Die Hoffnung währte nur kurz, zwei Runden später verlor Russell den Platz, und wurde bis auf den 14. Rang durchgereicht. Aber fast hätte es gereicht - dank einer Hochrisiko-Strategie, die Russell und Williams überhaupt erst in Position brachte. Auch wenn sie nicht aufging, Russell kann sich danach nicht darüber ärgern.

Russell & Williams riskieren Stopp unter Safety Car

Williams, wo man sich nach einem mäßigen Freitag und Samstag nicht mehr mit reellen Punktechancen rechnete, holte nämlich sowohl Russell als auch Nicholas Latifi nach neun Runden schon zum Wechsel von Soft- auf Medium-Reifen, um eine frühe Safety-Car-Phase auszunutzen.

Der Vorteil: Mit den frischen Mediums arbeiteten sich Russell und Latifi schnell an den langsameren Haas vorbei, konnten dann bis zu ihrem nächsten Boxenstopp länger warten. "George, das vordere Auto, konnte wegfahren und viele blaue Flaggen vermeiden, sowie die Autos, die dann hinter uns stoppten", so Chefingenieur Dave Robson. Russell wurden dann nach vorne gespült, als der Großteil des Mittelfeldes spät im Rennen zum zweiten Mal stoppte, und fand sich bald nahe der Punkte wieder.

Der Nachteil: Für Russell wurde der Schluss-Stint mit 37 Runden eine Mammut-Aufgabe. Effektiv ein Einstopp-Rennen. "Fernando vor mir war auch auf einer Einstopp, und ich hatte schnellere Autos hinter mir mit zwei Stopps, und dann musste ich alles versuchen, um das Auto vor mir zu überholen, aber nicht von hinten geschnappt zu werden", erklärt Russell.

Russell scheitert an Alonso, wird durchgereicht

Russell und Alonso duellierten auf ihren zunehmend leidenden Medium-Reifen, aber der Williams-Pilot fand keinen Weg vorbei: "Die Reifen waren am Limit, ich war am Limit, alles war am Limit."

Schließlich musste Williams zugeben: Es war eine unmögliche Aufgabe. In Runde 56 ging Lando Norris auf neuen Soft-Reifen vorbei, und kurz darauf öffneten sich die Schleusen: Pierre Gasly, Lance Stroll, Kimi Räikkönen, Sebastian Vettel. "Kaum ging einer vorbei, kamen sie alle." Dann endlich die Zielflagge, Russell wurde auf P14 abgewunken.

Russell & Williams bereuen nichts, sehen in Barcelona Fortschritte

"Es hat nicht sollen sein", meint Russell, aber er und Williams bereuen nichts. "Es war das Maximum. Mit der Strategie bin ich zufrieden, das gab uns zumindest eine halbe Chance." Wäre man der Masse zu einer konventionellen Zweistopp-Strategie gefolgt, dann wäre man wohl am gleichen Platz angekommen.

So fühlt Russell weiter Aufschwung bei Williams. "Es ist wie Tag und Nacht", meint er zur Auto-Balance, die an einem windigen Renn-Sonntag in Portugal zuletzt noch miserabel war. "Heute war es ruhig, und im Rennen fühlte es sich richtig gut an, ich hatte Vertrauen."

"Sicher, ich war hinter Fernando, aber ich habe aufgeholt, konnte versuchen zu überholen", freut sich Russell. "Es war ein guter Tag. Das Resultat reflektiert das nicht ganz, aber wir sind von 15 losgefahren und auf 14 angekommen, und waren so knapp an einem besseren Ergebnis dran. Hoffentlich kommen mehr von diesen Wochenenden."


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