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Formel 1

Alpine punktet glücklich: Fernando Alonso '300 Prozent besser'

Alpine macht beim Formel-1-Rennen in Imola den bitteren Saisonstart wett. Fernando Alonso und Esteban Ocon landen allerdings nur glücklich in den Punkten.
von Jonas Fehling

Motorsport-Magazin.com - Der erste Punkt ist eingefahren: Fernando Alonso erzielte am vergangenen Wochenende beim Großen Preis der Emilia Romagna 2021 in seinem zweiten Rennen nach der Formel-1-Rückkehr in diesem Jahr sein erstes Ergebnis in den Top-10. Davon wusste der Spanier allerdings noch nichts, als er sich nach den 63 Rennrunden von Imola der Presse stellte. Den zehnten Platz erbete Alonso erste Stunden nach der Zielflagge durch eine Zeitstrafe gegen seinen alten WM-Rivalen von 2005 und 2007, Kimi Räikkönen.

Diese Strafe half auch dem zweiten Alpine-Piloten. Esteban Ocon rutschte auf P10 auf P9, nach der Nullnummer in Bahrain hatte das Team plötzlich gleich beide Autos in den Punkterängen platziert. Ob die Kenntnis davon die Laune des Spaniers oder des Franzosen in ihrer Medienrunde groß gebessert hätte? Fraglich. Immerhin haderten beide mit liegengelassenen Gelegenheiten.

Ocon: Erst falsche Reifen, dann falsches Timing

Ocon traf es direkt am Start. Alpine steckte ihm Regenreifen. Wie bei Pierre Gasly und den Haas-Rookies entpuppte sich das als falsche Wahl. Alle Starter auf Regenreifen wurden durchgereicht. „Im Rückblick würden wir natürlich Intermediates nehmen, die hatten mehr Grip. Wir hatten aber die Info, dass noch mehr Regen kommen würde, deshalb die Regenreifen. Der kam aber nicht“, klagte Ocon. „Das war keine gute Entscheidung, so haben wir am Start viel Zeit verloren.“

Das war nicht der erste taktische Fehler der Franzosen - wobei der zweite auch Pech beinhaltete. Ocon: „Wir sind dann an die Box und haben die Mischreifen aufgesteckt, aber da waren wir schon weit hinten. Vor der roten Flagge hatten wir dann auch schon gestoppt und so nochmal ein paar Plätze verloren. Deshalb war es kein sauberes Rennen.“

Alpine zu langsam auf den Geraden

Alonso erwischte unterdessen auch mit dem Intermediate nicht die beste Startphase – und hatte in der Folge mit vor allem zwei Problemen zu kämpfen. Das erste: Auf der Geraden war der Alpine zu langsam und ein leichtes Opfer für die Konkurrenz. „Ich war generell langsam auf den Geraden. Das haben wir im Rennen bemerkt und analysieren es jetzt“, sagte Alonso. Im Winter hatte das Team entschieden, die Motorentwicklung eher auf Zuverlässigkeit auszulegen und sich generell schon da mehr auf 2022 zu konzentrieren.

F1-Wahnsinn in Imola: Crash-Chaos und bizarre Strafen erklärt: (19:44 Min.)

Ocon bestätigte diesen Nachteil. „Die Stabilität des Autos ist gut. Das ist nicht der Bereich, in dem wir verlieren. Wir sind auf der Geraden nicht die schnellsten. Daran müssen wir also noch arbeiten“, sagte der Franzose. „Aber auch in den mittelschnellen Kurven fehlt uns etwas. Das Auto fährt sich aber gut und aussortiert an. Vertrauen habe ich, deshalb war ich auch im Q3. Es fühlt sich klasse an, so können wir weiter machen.“

Alonso findet 300 Prozent mehr Vertrauen

Für Neuzugang Alonso galt das nur mit Abstrichen, auch noch im Rennen, aber vor allem im Qualifying. „Das Gefühl war von Runde 1 bis 63 300 Prozent besser, was mein Vertrauen ins Auto anging“, sagte Alonso am Sonntag zwar. Genug war das allerdings noch immer nicht. „Das kann keine Entschuldigung dafür sein, dass wir - oder ich - nicht gut performt haben. Wir - oder ich - müssen nächstes Mal besser vorbereitet sein. Es spielt keine Rolle, ob du wenig Zeit im Auto hattest.“

Alonso weiter: „Jeder von uns hat da seine Geschichte oder Schwierigkeit. Ich habe in meiner Karriere oft die Teams gewechselt - oder sogar die Kategorie im Motorsport. Es gibt immer diese Phase, in der du dich anpassen muss. Aber das kann keine Entschuldigung sein, auch jetzt nicht. Ich sollte besser sein. Ich war dieses Wochenende nicht auf dem richtigen Level, aber in Portimao werde ich es sein.“

Alonso noch immer nicht auf der Höhe

Sorgen macht sich der zweimalige Weltmeister deshalb nicht. „Das ist keine Überraschung. Es ist genau so gekommen, wie ich erwartet habe“, sagte Alonso. „Ich war heute direkt hinter Esteban. In Bahrain war ich vor ihm, als ich abstellen musste. Er performt sehr gut, ist schon zwei Jahre in diesem Team und stand letztes Jahr in Bahrain auf dem Podium. Hier bin ich erst mein zweites Qualifying mit dem Team gefahren und mein erstes Rennen. In Bahrain waren es ja nur 30 Runden. Es ist also mehr oder weniger so, wie ich es erwartet haben.“

Über Nacht komme man eben nicht auf 100 Prozent. „Über Nacht kommst du nicht auf 100 Prozent. Das braucht Zeit. Ich bin hier, um daran zu arbeiten, um besser zu werden. Rennen wir heute helfen da massiv. Du kannst das Auto unter verschiedenen Bedingungen spüren und viel mehr lernen als in normalen Rennen“, sagte Alonso. „Das war die dreifache Erfahrung! Normalerweise passiert in vier oder fünf Rennen, was heute in eines gepresst wurde.“

Alonso & Ocon einig: Alpine-Upgrade hat gezündet

Einzig die verpassten Gelegenheiten in all der Action monierte auch Alonso. wir haben es heute versäumt, diese Gelegenheiten zu ergreifen. „Wir sind von P9 und P15 losgefahren und auf P10 und P11 ins Ziel gekommen. Selbst aus all der Action konnten wir kein Kapital schlagen. Wir müssen uns noch immer verbessern“, forderte der Spanier. Ocon stimmte zu: „Wir brauchen nur noch mehr Schritte wie an diesem Wochenende, um mit den Jungs vor uns zu kämpfen.“

Grundlegend zeigte sich das Team allerdings mit den umfangreichen Neuerungen in Imola, allen voran an Frontflügelendplatte und -Winglets sowie neue Mini-Leitbleche am Unterboden, zufrieden. „Die haben das Auto verbessert. Aber alle bringen neue Teile. Wenn du dich um zwei Zehntel verbesserst und alle anderen auch eineinhalb gewinnen, dann machst du nur eine halbe gut. Wenn du dich um zwei verbesserst und ein anderer um drei, verlierst du sogar eine! Du kannst nur an deiner eigenen Performance arbeiten, aber mit dem Fortschritt bei uns bin ich zufrieden“, sagte Alonso. „So können wir weitermachen“, ergänzte Ocon.

Aus eigener Kraft Top-10-fähig könne Alpine 2021 durchaus sein. „Das Rennen lief heute wie gesagt nicht ganz glatt, wie schon das ganze Wochenende. Wir hatten das Potential für P7 bis P8. Die Pace war ordentlich. Wir sind noch nicht ganz da, wo wir sein wollen, haben aber einen Schritt mit unseren Upgrades gemacht. Ich habe mich im Auto wohlgefühlt. Jetzt wollen wir in den nächsten Rennen mehr Punkte holen!“


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