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Formel 1, Trainings-Analyse Bahrain: Red Bull wirklich Favorit?

Max Verstappen fuhr in den Trainings zum Bahrain GP Bestzeit. Ist Red Bull 2021 wirklich besser als Mercedes? Was sagen die Longruns? Und wo steht Vettel?
von Christian Menath

Motorsport-Magazin.com - Die Formel-1-Saison 2021 ist gerade einmal 120 Minuten alt, aber sie macht Spaß. Beide Trainings des Bahrain GPs waren äußerst knapp - nicht nur im Mittelfeld. Mittelfeld und Top-Teams schienen zusammengewachsen zu sein. Im 2. Freien Training lagen nur gut neun Zehntelsekunden zwischen dem Tagesschnellsten Max Verstappen und Fernando Alonso auf Rang 15.

Verstappen fuhr in beiden Sessions Bestzeit. Wobei die Bestzeit im 1. Training wertlos ist. 35 Grad Luft- und 45 Grad Asphalt-Temperatur haben nichts mit den Bedingungen zu tun, die im Qualifying und Rennen herrschen werden. Startplätze und Punkte werden erst nach Sonnenuntergang vergeben.

Trotzdem: Verstappen und Red Bull wurden ihrer Favoritenrolle auf den ersten Blick gerecht, erst recht mit einer Bestzeit im 2. Training. Aber hält diese Performance auch dem zweiten Blick stand?

Red Bull bleibt nach den Bahrain-Trainings unsicher

Auf eine Runde lag das Feld zu eng zusammen, um großartig Schlüsse daraus ziehen zu können. 0,095 Sekunden lag Verstappen vor Lando Norris auf Rang zwei. Lewis Hamilton im Mercedes fehlten etwas mehr als zwei Zehntel. Bei Red Bull traut man deshalb dem Braten noch nicht so recht. "Wir können schon noch etwas aufdrehen, aber die Frage ist, wie viel Mercedes noch kann", sagte Dr. Helmut Marko nach dem Training.

Bei den Topspeeds hielten sich beide zurück. Verstappen war an der Messstelle sogar am langsamsten. Am Honda-Antrieb lag es nicht, beide AlphaTauri führten die Liste an. Die Werks-Mercedes befinden sich ebenfalls weit hinten. Der Unterschied zu den McLaren ist aber nicht ganz so groß wie der zwischen Red Bull und AlphaTauri.

Bahrain GP 2021: Topspeeds im 2. Training

Fahrer Team Motor km/h
Gasly AlphaTauri Honda 326,0
Tsunoda AlphaTauri Honda 324,6
Latifi Williams Mercedes 320,3
Russell Williams Mercedes 319,9
Leclerc Ferrari Ferrari 317,9
Giovinazzi Alfa Romeo Ferrari 317,7
Stroll Aston Martin Mercedes 315,9
Perez Red Bull Honda 315,8
Sainz Ferrari Ferrari 315,7
Norris McLaren Mercedes 315,4
Ricciardo McLaren Mercedes 315,0
Raikkonen Alfa Romeo Ferrari 314,8
Bottas Mercedes Mercedes 314,8
Vettel Aston Martin Mercedes 314,5
Ocon Alpine Alpine 314,5
Schumacher Haas Ferrari 313,6
Hamilton Mercedes Mercedes 313,4
Mazepin Haas Ferrari 313,4
Alonso Alpine Alpine 313,3
Verstappen Red Bull Honda 311,5

Red Bulls Balance-Vorteil hält in Bahrain an

Auch gut für Red Bull: Das Feedback von Max Verstappen. Der Dauer-Dritte der Vorsaison hatte nach dem Training nichts zu beklagen. Das sah bei Mercedes anders aus. "Das Auto war noch nicht da, wo wir es an diesem Wochenende haben wollen. Es sieht besser aus, aber es ist noch immer nicht perfekt", so Hamilton.

Teamkollege Valtteri Bottas bestätigt den Eindruck: "Das Auto fühlte sich besser als bei den Testfahrten an. Aber ich hatte das Gefühl, dass die Fahrzeugbalance noch immer nicht ganz stimmt." Dabei wirkte der schwarze Silberpfeil schon deutlich stabiler als beim Test.

Statt Übersteuern sah man sogar teilweise Untersteuern. Hat Mercedes die Probleme überkompensiert? Für die Longruns würde das durchaus Sinn machen. In Bahrain dreht sich alles darum, die Hinterreifen zu schonen. Trotzdem scheinen die Ingenieure dem F1 W12 die Unsitte noch nicht ganz abgewöhnt zu haben.

Mercedes fürchtet vor allem den aufkommenden Wind. Am Sonntag wird sogar ein Sandsturm erwartet. "Das ist nicht besonders gut für uns! Das Heck ist jetzt schon nicht stabil", klagt Hamilton.

Mercedes im Dauerlauf-Training an Red Bull dran

Auf eine Runde ist es eng, mit Vorteil Red Bull - und immer mit dem Unsicherheitsfaktor Motormodus. Wie sieht es nun im Dauerlauf aus? Mercedes-Ingenieur Andrew Shovlin sieht schon schwarz: "Es liegt noch einiges an Arbeit vor uns, besonders auf den Long Runs, auf denen wir nicht stark ausgesehen haben. Um konkurrenzfähig zu sein, müssen wir noch mehr Pace und einen besseren Reifenabbau finden."

Bei Hamilton lief es in den Bahrain-Trainings besser - Foto: LAT Images

In der Zeitenliste ist das aber nicht ersichtlich. Zwar hat Verstappen auch in dieser Wertung die Nase vorne, aber nur äußerst knapp. Allerdings fuhr der Niederländer auch vier Runden mehr auf seinem Run als Hamilton. Durch das kürzere Training begnügten sich alle mit lediglich einem Longrun, der Fokus lag auf den Medium-Reifen.

Bahrain GP 2021: Longruns im 2. Training auf Medium

Fahrer Reifen-Alter Stint-Länge Zeit
Verstappen 20 11 1:37,508
Hamilton 16 7 1:37,549
Perez 20 11 1:37,922
Tsunoda 18 8 1:38,268
Bottas 18 9 1:38,555
Sainz 17 9 1:38,558
Ricciardo 18 9 1:38,629
Norris 20 10 1:38,721
Stroll 19 12 1:39,037
Alonso 21 13 1:39,121
Vettel 18 10 1:39,268
Latifi 21 14 1:39,744

Bahrain GP 2021: Longruns im 2. Training auf Soft

Fahrer Reifen-Alter Stint-Länge Zeit
Gasly 16 8 1:38,322
Leclerc 17 8 1:39,056
Russell 19 17 1:39,221
Ocon 20 12 1:39,360
Mazepin 15 7 1:41,458

Bahrain GP 2021: Longruns im 2. Training auf Hard

Fahrer Reifen-Alter Stint-Länge Zeit
Giovinazzi 22 12 1:39,262
Schumacher 18 9 1:40,541

Während Bottas beim Longrun komplett abgehängt wurde - der Finne beschrieb das Auto phasenweise als unfahrbar - kam Red Bulls Neuzugang Sergio Perez hier näher. Trotzdem fehlen ihm noch vier Zehntelsekunden auf Verstappen.

Formel-1-Mittelfeld bleibt in Bahrain auf Abstand

Bei den Longruns zeigt sich aber, dass die Formel 1 wohl eine Zweiklassengesellschaft bleibt. Mercedes und Red Bull fahren in einer eigenen Liga. Yuki Tsunoda im AlphaTauri beeindruckte zwar, fuhr aber schon sieben Zehntel langsamer als Verstappen. Und das wohl mit aggressiveren Einstellungen.

McLaren, auf eine Trainingsrunde überraschend stark, ist ebenfalls nur noch Mittelfeld und auf einem Level mit Carlos Sainz im Ferrari. Der Spanier zeigte einen starken Auftakt mit der Scuderia. Enttäuschend hingegen verlief das Aston-Martin-Debüt von Sebastian Vettel.

Im Klassement des 2. Freien Trainings reichte es nur zu Platz 14. Es war die erste Qualifying-Simulation für den Heppenheimer mit seinem neuen Rennstall. Auf seinen Teamkollegen Lance Stroll fehlten fast vier Zehntelsekunden.

Im Dauerlauf sah es noch ein wenig schwächer aus. "Die Konstanz ist noch ein Problem", gestand Vettel. Auch Strolls Longrun war nicht gerade furchteinflößend. Beide landeten am Ende des Mittelfeldes. Nur Williams, Haas und Alpine waren langsamer.

Von Haas gab es allerdings kein Vergleichsdaten auf Medium. Die US-Amerikaner konzentrieren sich auf die harten Reifen. Nikita Mazepin musste seinen Run aber auf Soft absolvieren, nachdem er die Hard-Reifen bei einem Dreher platt gebremst hatte.

Während sich der Russe über das Fahrverhalten seines Boliden beschwerte, war Mick Schumacher rundum zufrieden. Der Youngster blieb bei seinem Formel-1-Debüt bislang fehlerfrei und war immer schneller als der Teamkollege.

Wunder darf man aber nicht erwarten: Sogar Williams scheint in diesem Jahr schneller. Gegen George Russell ist man in Bahrain chancenlos, Nicholas Latifi konnte Schumacher immerhin im 2. Training hinter sich lassen. Der Kanadier hatte aber gravierende Probleme.

Fazit: Auch nach dem ersten Trainingstag ist Red Bull noch Favorit beim Bahrain GP 2021 - besser gesagt Max Verstappen, denn vor allem auf eine Runde hat Sergio Perez noch Probleme. Die große Frage lautet nur, wie viel Reserven Mercedes und Red Bull noch im Qualifying haben. Die Vorzeichen auf einen echten Kampf stehen aber gut. Im Mittelfeld sind Prognosen dagegen unmöglich. Aston Martin und Sebastian Vettel machen trotzdem einen schwächeren Eindruck. Nur hinten scheint alles klar. Williams ist schneller als Haas. Für Mick Schumacher geht es darum, die Rote Laterne zu vermeiden.


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