Motorsport-Magazin.com Plus
Formel 1

Formel 1 Türkei: So erklärt Pole-Held Lance Stroll den Absturz

Lance Strolls kontrollierte von Pole weg den Start des Türkei-GPs der Formel 1. Dann sackte er ab. Podium vergeigt? So erklärt es der Racing-Point-Pilot.
von Markus Steinrisser

Motorsport-Magazin.com - In der 18. Runde des Türkei-GPs der Formel 1 schien ein Wunder für Lance Stroll tatsächlich greifbar zu sein. Der Racing-Point-Pilot hatte das Rennen unter Kontrolle, hatte eine Lücke von 10,425 Sekunden auf seinen Teamkollegen Sergio Perez aufgefahren und sogar einen ganzen Boxenstopp Vorsprung auf den Mercedes von Lewis Hamilton.

Doch Runde 18 sollte Strolls Höhepunkt bleiben. Auf die erste Pole und auf einen perfekten ersten Stint folgte ein Absturz sondergleichen. Stroll wurde von Perez eingeholt, musste noch einmal zum Stopp, und wurde trotz neuer Reifen weiter durchgereicht, bis auf den achten Platz. Eine schwere Enttäuschung für den Kanadier.

Stroll ruiniert Intermediate-Reifen

"Es ist wirklich schwer zu verstehen, was heute passiert ist", sagt ein niedergeschlagener Stroll nach dem Rennen. In Runde 18 dachte er, er habe mit der Zehn-Sekunden-Lücke "eine echte Plattform für den zweiten Stint, um ein großartiges Ergebnis einzufahren."

Aber er hatte die Rechnung ohne die Reifen gemacht. "Das ganze Rennen über hatte ich mit Graining auf dem Intermediate-Reifen zu kämpfen." In Runde 18 war die Balance auf dem ersten Intermediate-Satz beim Teufel, und innerhalb der nächsten 15 Runden fuhr Strolls Teamkollege Perez die Zehn-Sekunden-Lücke wieder zu. In Runde 36 gab das Team auf und beorderte Stroll zum Stopp.

Diese Entscheidung verteidigt Stroll rückblickend: "Sie waren in so schlechtem Zustand, dass ich dachte, dass wir es an dem Punkt machen müssten. Vielleicht hätte das Graining sich auflösen können, und vielleicht wären wir bis zum Schluss gekommen, aber im letzten Teil war ich einfach so langsam, und die Reifen waren so schlimm, dass es irgendwie die richtige Entscheidung war."

Stroll in der Graining-Falle: Grauenhafter Tag

Perez hielt seine Reifen deutlich besser am Leben, blieb draußen, übernahm die Führung und trug seine Intermediates mit einem 48-Runden-Stint ins Ziel. Das brachte ihm den zweiten Platz ein, nur den Mercedes von Lewis Hamilton musste er ziehen lassen. Stroll währenddessen musste erkennen, dass die Reifenprobleme auf dem zweiten Intermediate-Satz bei weitem nicht gelöst waren.

"Dann hatten wir signifikantes Graining auf dem zweiten Satz, und ich konnte nicht pushen, um Plätze gutzumachen", ärgert er sich. "Schwer verständlich, was da passiert ist." Beide McLaren und beide Red Bull zogen an ihm vorbei. Stroll schleppte sich auf einem neunten Platz ins Ziel.

Stroll hatte zu Rennende keine Gegenwehr mehr übrig - Foto: LAT Images

"Einfach ein grauenhafter Tag", bilanziert Stroll. Sein Teamchef Otmar Szafnauer nimmt ihn in Schutz: "Er hat den Druck der Pole sehr gut weggesteckt, blieb fehlerlos und hat eine Führung von zehn Sekunden aufgefahren, als seine Reifen wie erwartet funktioniert haben."

Wie Stroll fordert auch Szafnauer eine Untersuchung: "Wir müssen uns anschauen, warum Lance auf den Intermediates so große Probleme mit Graining hatte. Das hat ihn ultimativ davon abgehalten, neben Sergio auf dem Podium zu stehen." Stattdessen hat Stroll in den letzten sechs Rennen zwei Punkte geholt. Sergio Perez hat 66.


Weitere Inhalte:
Motorsport-Magazin.com Plus