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Formel 1 Sotschi, Hamilton ärgert Pole: Schlechteste Reifen

Lewis Hamilton startet beim Formel-1-Rennen in Russland von Pole. Doch der Mercedes-Pilot ist aus zwei Gründen unglücklich. Siegchancen sogar dahin?
von Christian Menath

Motorsport-Magazin.com - Lewis Hamilton nahm die Pole Position beim Russland GP 2020 mit einem lachenden und einem weinenden Auge auf. "Es hätte viel schlimmer kommen können, ich hätte auch außerhalb der Top-10 starten können", atmete der Brite nach seiner 96. Karriere-Pole durch.

"Es war eine der härtesten Qualifying-Sessions, die ich je hatte", rekapitulierte Hamilton. "Alles war so gehetzt, so panisch. Es war alles dabei." Schon im Q1 musste er erstmals zittern. Die erste Rundenzeit wurde aberkannt, weil er in Kurve zwei zu weit nach draußen kam.

Hamilton drohte deshalb sogar noch Ärger, weil er seinen Silberpfeil anschließend nicht durch die Styropor-Pfeile navigierte, sondern auf der Ideallinie blieb. In den Notizen des Renndirektors heißt es, wer die Strecke in Kurve zwei verlässt, muss die Ausweichroute nehmen. Allerdings hat Hamilton die Strecke nicht klar verlassen, wollte definitiv nicht abkürzen und hat sich mit seinem Fehler schon gar keinen Vorteil verschafft. Die Stewards sahen es schließlich ähnlich.

Formel 1, Russland GP: Wie entging Hamilton einer Strafe?: (10:34 Min.)

Im zweiten Anlauf fuhr Hamilton dann locker ins Q2. Doch dort das nächste Drama. Wie auch Teamkollege Valtteri Bottas und Red-Bull-Pilot Max Verstappen wollte sich der Brite auf den Medium-Reifen für Q3 qualifizieren. Doch wieder wurde Hamilton der erste Versuch aberkannt.

Q2: Glück im Unglück für Hamilton

Diesmal hatte er die Strecke in der Zielkurve verlassen. Der sechsfache Formel-1-Weltmeister nimmt die Schuld auf sich: "Das war meine Schuld, das ist mir zum ersten Mal am gesamten Wochenende passiert."

Dann begannen die Diskussionen am Funk: Während Hamilton eine Sicherheitsrunde auf dem gleichen Reifensatz hinlegen wollte, entschied das Team anders. Mercedes hatte noch einen zweiten Satz frischer Medium-Reifen aufgehoben. Für den Rennstart sollte Hamilton mit möglichst neuen Pneus losfahren.

Also kam Hamilton zum Reifenwechsel und versuchte sein Glück auf den frischen Mediums erneut. "Ich weiß nicht, ob es die richtige Entscheidung war", zweifelt der WM-Leader. Denn dann wurde die Session wegen des Unfalls von Sebastian Vettel mit Rot unterbrochen.

Hamilton musste auch seinen zweiten Versuch auf Medium abbrechen. Statt einer Sicherheitsrunde stand knapp zwei Minuten vor dem Ende von Q2 noch immer keine Rundenzeit. Beim Restart ging Mercedes dann kein Risiko mehr ein und setzte Hamilton auf Soft.

Doch auch darauf war es schließlich eine Zitterpartie. "Wir sind so lange am Boxenausgang gestanden, um auf den Restart der Session zu warten, dass die Reifentemperatur dahin war. Ich habe mich in der erste Kurve fast gedreht", so Hamilton.

Damit noch nicht genug des Dramas. Der Mercedes-Pilot kam nur einen Wimpernschlag vor Ablauf der Uhr über die Linie. "Ich habe in der vorletzten Kurve noch zwei Autos überholt und wurde dann von einem Renault geblockt", schildert Hamilton. "Dadurch war ich in der Mitte der letzten Kurve so langsam, dass ich dachte, ich muss abbrechen. Bono [Hamiltons Renningenieur] hat dann gesagt Go! Go! Go!"

Hamilton in Sorge: Reifen-Probleme im Rennen?

"Q2 war schrecklich", fasst Hamilton zusammen. Am Ende stand zwar der Einzug ins Q3, allerdings auf der falschen Reifenmischung. "Ich starte auf dem schlimmsten Reifen", ärgert sich der Brite. "Am Start selbst ist er gut, aber er baut am stärksten ab - zehn Mal mehr als die anderen Reifen. Das wird ein Problem."

"Ich weiß nicht, ob ich dadurch zwei Stopps machen muss - hoffentlich nicht, denn die Boxengasse ist hier sehr langsam", fürchtet Hamilton. Das Tempolimit liegt in Russland bei 60 statt 80 Stundenkilometern. Aufgegeben hat Hamilton aber noch nicht: "Ich werde heute Abend überlegen, ob ich ein anderes Rennen fahren kann, um meine Position zu behalten."

Startplatz 1 ein Nachteil?

Neben den Soft-Reifen hat Hamilton noch ein weiteres Problem: Die Pole Position an sich, die er im Q3 in eindrucksvoller Manier und mehr als einer halben Sekunde Vorsprung holte. Der Sprint zu Kurve zwei - dem ersten Bremspunkt - ist in Russland besonders lang. "Die Autos haben in diesem Jahr besonders viel Luftwiderstand und der Windschatten ist stärker als in den letzten Jahren", erklärt Hamilton. "Ich erwarte, dass einer der beiden an einem Punkt vorbeikommt." Mit einem der beiden meint er Max Verstappen und Valtteri Bottas, die auf den Positionen zwei und drei starten.


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