Motorsport-Magzain.com Plus
Tipp
Formel 1

Formel 1 Spa, Favoriten-Check: Alle gegen Lewis Hamilton

Lewis Hamilton im Fadenkreuz. Der Weltmeister ist in Spa-Francorchamps der Gejagte. Jeder Gegner verfolgt seinen eigenen Masterplan. Der Favoriten-Check.
von Florian Becker

Motorsport-Magazin.com - Lewis Hamiltons Pole Position für das Formel-1-Rennen in Spa-Francorchamps war ein Machtwort. Weder Mercedes-Teamkollege Valtteri Bottas noch Dauer-Herausforderer Max Verstappen konnten dem Weltmeister das Wasser reichen. Am Sonntag hoffen die Verfolger dennoch auf den großen Coup. Für die Jagd nach Hamilton verfolgt jeder seinen eigenen Masterplan. Selbst Renault will ein Wörtchen um den Sieg mitreden. Setup und Wetter als entscheidende Faktoren im Favoriten-Check zum Belgien GP.

Den ersten Zug beim Highspeed-Schach auf dem Circuit de Spa-Francorchamps hat Bottas gleich zum Rennstart um 15:10 Uhr. Die Niederlage im Qualifying verkraftete der Finne gut, denn Platz zwei in der Startaufstellung macht ihm Hoffnung auf einen schnellen ersten Erfolg gegen Hamilton. "Es stört mich nicht. Ich weiß, dass Platz zwei hier eine ziemlich gute Startposition ist. Der Run zu Kurve fünf wird interessant", sagt er.

Seine Hoffnung ruht auf dem Run von La Source hoch zu Les Combes. Nach Kurve eins werden die nächsten 25 Sekunden bei Vollgas zurückgelegt. Es wäre nicht das erste Mal, dass der Pole-Sitter der Meute in seinem Windschatten zum Opfer fällt. 2018 wurde Hamilton von Sebastian Vettel aufgeschnupft. Der Ferrari-Pilot gewann das Rennen nach diesem erfolgreichen Manöver souverän.

Zwei Jahre später geht von den Roten keine Gefahr aus. Vettel und Teamkollege Charles Leclerc, der 2019 in Spa-Francorchamps seinen ersten Sieg in der F1 eroberte, gehen von den Positionen 13 und 14 ins Rennen. Dafür gibt es andere Konkurrenten, die mit dem Dampfhammer zu Werke gehen.

Mercedes fürchtet Setup-Nachteil im Rennen

"Das Qualifying hat gezeigt, dass wir das schnellste Auto haben. Aber wir sind ziemlich verwundbar, weil wir so viel Abtrieb fahren", erklärt Mercedes-Teamchef Toto Wolff, der am Start diesmal jemanden noch mehr als den Drittplatzierten Max Verstappen fürchtet. "Die richtige Gefahr am Start wird Ricciardo sein. Der Renault ist auf wenig Downforce abgestimmt. Das könnte wie vor ein paar Jahren werden, als die Force Indias in Kurve fünf gegen uns gekämpft haben."

Die Angst vor den Gelben ist durchaus berechtigt. Im Qualifying war Ricciardo in den Vollgas-Sektoren eins und drei jeweils schneller die Pole-Zeit von Hamilton. Ocon war im ersten Sektor sogar noch schneller und legte in der Geschwindigkeitsmessung am Ende der Kemmel-Geraden mit 334,1 km/h den drittbesten Wert hin.

"Es würde ein bisschen ein Extra brauchen, um mit ihnen mitzuhalten. Aber wir haben einen starken ersten und dritten Sektor. Wenn wir vorbeikommen, dann ist das vielleicht eine Strecke, auf der wir uns verteidigen können", hofft der Honey Badger, das Low-Downforce-Setup seines R.S.20 ausspielen zu können.

Hamilton holte die Pole Position mit einem exorbitant schnellen Mittelsektor, der dem Setup seines Mercedes F1 W11 geschuldet war. Der Preis für hohen Abtrieb ist im Zeittraining dank des permanent freigegebenen DRS nicht sonderlich hoch. "Im Rennen ist es eine andere Sache, wenn du kein DRS hast und es Leute gibt, die auf der Geraden schneller sind", mahnt Hamilton. "Hoffentlich steht uns das morgen nicht im Weg."

Formel 1, Podium im Visier: Muss Mercedes Ricciardo fürchten?: (09:48 Min.)

Red Bull baut auf Rennsetup

Während Renault auf Topspeed baut, hat Red Bull einmal mehr den Fokus auf das Rennsetup in all seinen Facetten gelegt. "Wir haben unser Auto ganz klar aufs Rennen abgestimmt. Wir wollen nicht nur Dritter werden. Die Tendenz ist aber schon einmal sehr positiv hier", so Dr. Helmut Marko.

In den Longruns am Freitag war Verstappen auf dem Medium-Reifen hauchdünn schneller als Bottas. In Silverstone brachte eine alternative Strategie den entscheidenden Vorteil gegenüber Mercedes. In den Ardennen hat Red Bull kein solches Ass im Ärmel, denn Hamilton und Bottas starten wie Verstappen auf der mittleren Reifenmischung.

"Bei der Rundenzeitdifferenz zu Lewis glaube ich nicht, dass wir im Rennen plötzlich mit ihm kämpfen können", glaubt Verstappen nicht daran, Mercedes herausfordern zu können. Besonders viele Möglichkeiten zur Variation bei der Taktik bleiben in Spa nicht. Pirelli schlägt fast ausschließlich Einstopp-Strategien vor.

Regen als Chance auf Überraschungen

Beim Start auf Soft wird ein erster Stint über 18 Runden angeraten. Für die restlichen 26 Runden wird dann der Medium empfohlen. Diese Strategie ist laut Berechnungen des Reifenherstellers eine der zwei schnellsten Option. In den Top-10 starten bis auf die Top-3 alle Piloten auf dem Soft-Compound.

Für Hamilton, Bottas und Verstappen schlägt Pirelli das genaue Gegenteil vor. Auf 26 Runden Medium folgen 18 Runden Soft. Geht es nach Red Bull, kann man auf diese Strategiespiele auch gleich ganz verzichten - der Wetterprognose sei Dank.

Die Meteorologen sagen für den Sonntag Regenschauer voraus. Nach einem trockenen Morgen sollen zur Mittagszeit dicke Regenwolken über die Strecke ziehen. Pünktlich zum Start des Formel-1-Rennens beträgt die Regenwahrscheinlichkeit 50 Prozent. "Das kann der Hamilton zwar auch, aber der Max kann sich da sehr schnell anpassen", glaubt Marko fest an die Regenqualitäten Verstappens.

Im Nassen könnten die unterschiedlichen Setupansätze der Teams das Zünglein an der Waage sein. "Normalerweise hoffe ich immer auf Regen. Das ist unsere Chance, dass es noch etwas weiter nach vorne geht. Aber das hier wäre für uns wirklich die schlechteste Rennstrecke für Regen, weil wir so wenig Flügel fahren", sagt McLaren-Pilot Carlos Sainz.

Eine kalte Dusche könnte auch Renault auf dem falschen Fuß erwischen. Mercedes hingegen wäre bei diesen Bedingungen mit hoher Wahrscheinlichkeit der Gewinner, denn Downforce ist im Regen in jedem Fall King, wie Nico Hülkenberg zu sagen pflegte.

Formel 1, Spa-Training: Longruns auf Soft-Reifen

Fahrer Reifen-Alter Stint-Länge Zeit Stint
Bottas 11 4 1:48,854 2
Hamilton 8 2 1:49,114 1
Verstappen 10 5 1:49,346 1
Perez 8 2 1:49,390 1
Norris 7 2 1:49,505 1
Ocon 8 2 1:49,765 1
Sainz 7 2 1:50,322 1
Stroll 10 6 1:50,348 1
Albon 9 4 1:50,371 1
Kvyat 12 4 1:50,843 1
Gasly 13 4 1:51,037 1
Magnussen 12 4 1:51,492 1+2
Vettel 16 6 1:51,512 1+2
Giovinazzi 11 5 1:51,549 1
Russell 10 3 1:51,631 1

Formel 1, Spa-Training: Longruns auf Medium-Reifen

Fahrer Reifen-Alter Stint-Länge Zeit Stint
Stroll 12 4 1:48,950 2
Verstappen 10 4 1:49,052 2
Bottas 15 6 1:49,109 1
Perez 15 6 1:49,290 2
Albon 12 4 1:49,332 2
Ocon 15 8 1:49,820 2
Sainz 16 7 1:49,895 2
Russell 15 5 1:50,640 2
Giovinazzi 17 4 1:50,739 2
Leclerc 10 2 1:50,849 1+2

Formel 1, Spa-Training: Longruns auf Hard-Reifen

Fahrer Reifen-Alter Stint-Länge Zeit Stint
Hamilton 15 6 1:48,846 2
Norris 15 6 1:49,867 2
Gasly 13 4 1:49,995 2
Kvyat 14 4 1:50,100 2
Latifi 14 5 1:50,849 2
Räikkönen 18 5 1:51,243 1+2

Weitere Inhalte:
Motorsport-Magzain.com Plus