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Formel 1

Formel 1 2020 im Protest-Wahn: Seidl will bessere FIA-Kontrolle

Proteste und gemutmaßte Regelbrüche gibt es 2020 in der Formel 1 zuhauf. McLaren-Teamchef Andreas Seidl will für Zukunft bessere Überwachung durch FIA.
von Markus Steinrisser

Motorsport-Magazin.com - 2020 dominieren in der Formel 1 mutmaßliche Regelbrüche und Proteste die Schlagzeilen wie schon lange nicht mehr. Ob Ferraris Motorentrick, Racing Points Mercedes-Kopie oder Mercedes' Dual-Axis-Steering-System - die Regelhüter der FIA, ihre Technik-Abteilung und die Renn-Stewards haben alle Hände voll zu tun.

Alles eine Konsequenz des komplexen F1-Reglements, das an manchen Stellen auch immer Grauzonen beinhaltet. McLaren-Teamchef Andreas Seidl würde daher gerne strengere Überwachung durch die FIA unterstützen, um den Sport fairer zu machen.

Seidl: Komplexe Formel 1 braucht gute Kontrolle

"Am Ende ist das nicht gut für den Sport", ist sich Seidl über die sich teils wochenlang hinziehenden Proteste im Klaren. Deren Sinn sieht er aber sehr wohl. Nicht zuletzt, weil McLaren zumindest am Racing-Point-Protest zwar nicht beteiligt ist, aber großes Interesse am Ausgang hat - sie wünschen sich eine F1, in der jeder das Auto selbst designt und baut. "Es ist auch wichtig, Klarheit bei den Regeln zu haben und damit sicherzustellen, dass sich alle an die gleichen Regeln halten", stellt er daher klar.

Seidl hätte an dieser Stelle lieber mehr Kontrolle, um das zu erreichen: "Es gibt glaube ich keinen Zweifel, dass die FIA hier gute Arbeit leistet, aber wir müssen auch akzeptieren, dass [die Formel 1] sehr komplex ist."

Bessere FIA-Überwachung, Whistleblower, Team-Stewards

Seidl nimmt für die Zukunft die Formel-1-Teams hier genauso in die Pflicht, denn natürlich ist dort niemand erpicht darauf, sich von FIA-Leuten durchgehend über die Schulter schauen zu lassen. Mit neuen Regeln wie den Entwicklungs-Beschränkungen für 2021, der Kosten-Obergrenze, oder auch dem ausgebauten Kundenteile-System ab 2022 wird es jedoch bald deutlich mehr Bereiche geben, in denen gute Überwachung essentiell sein wird.

"Es ist wichtig, dass wir, die Teams, der FIA maximale Unterstützung zukommen lassen, um herauszufinden, wie wir die Überwachung verbessern können, weil an der ganzen Negativität, den Protesten und so weiter haben wir alle kein Interesse", meint Seidl. "Von unserem Standpunkt unterstützen wir Initiativen wie das Whistleblowing-Konzept der FIA vollauf, über das in meinen Augen mehr gesprochen werden sollte, weil es ein wichtiges Element ist, dass wir uns alle an die gleichen Regeln halten."

Die seit Jahresbeginn existierende Whistleblower-Hotline, die "FIA Ethics and Compliance Hotline", ist hier der erste Schritt. Über die Online-Plattform können Beweise für verschiedene Verstöße gegen die Ethik-Prinzipien der Behörde, gegen Wettbewerbsmanipulation oder Doping eingereicht werden, auch anonym.

Seidl unterstützt permanente Stewards für jedes F1-Team

"Wir ermutigen die FIA, da noch mehr zu tun", sagt Seidl. "Wir unterstützen auch die Idee, permanente Stewards für jede Teambasis abzustellen." Diese unabhängigen FIA-Stewards wären dann in das Team eingebettet und hätten einen viel direkteren Einblick in die Arbeit des Teams - und das Team wiederum könnte unter dessen Augen Regelverstöße viel schwerer anzetteln.

"Diese Kooperationen zwischen den Teams machen es nur noch komplexer", meint Seidl. "Es ist schon komplex genug, jedes Team einzeln zu überwachen, und wenn du diesen Kooperationen die Tür öffnest, wird es noch komplexer."

"Es ist wichtig, dass alle wissen: Es gibt ein hohes Risiko, und du wirst bestraft, wenn du den Regeln nicht folgst", sagt Seidl. "Diese Drohung ist wichtig, damit sich alle an die Regeln halten."


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