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Formel 1

Formel 1: Mercedes-Lenkung legal, Red-Bull-Protest gescheitert

Red Bulls Protest gegen das DAS-System von Mercedes wurde von den FIA-Stewards gleich doppelt abgeschmettert. Auch Parc-ferme wohl kein Problem.
von Christian Menath

Motorsport-Magazin.com - Am Freitag des Österreich GP legte Red Bull nach dem 2. Freien Training offiziell Protest gegen Mercedes' DAS-System ein. Um 19:10 Uhr Ortszeit mussten die Beteiligten zur Anhörung erscheinen, um 00:31 Uhr entschieden die Stewards: Das Mercedes-System ist legal, Red Bulls Protest wurde in allen Belangen abgeschmettert.

Damit fand der seit Monaten schwelende Konflikt zum verspäteten Auftakt der Formel-1-Saison 2020 ihren vorläufigen Höhepunkt. Seit Mercedes bei den Wintertestfahrten in Barcelona das 'Dual Axis Steering' genannte System zum ersten Mal einsetzte, zweifelt die Konkurrenz die Legalität der zweidimensionalen Lenkung an.

Zwar betonten die Mercedes-Ingenieure von Anfang an, sich vor der Entwicklung des Systems bei der FIA über die Legalität informiert zu haben, doch die Konkurrenz - allen voran Red Bull - interpretierten die Mercedes-Technik auf andere Weise.

Red Bull: Adrian Newey kämpft gegen Mercedes

So zweifelt Red Bull die Legalität von DAS gleich aufgrund zweier Artikel des Technischen Reglements an: Einerseits soll die Erfindung im Widerspruch zu Artikel 3.8 stehen, der bewegliche aerodynamische Elemente verbietet, andererseits würde DAS gegen Artikel 10.2.3 verstoßen, der besagt, dass keine Aufhängungskomponenten verstellt werden dürfen, während sich das Auto bewegt.

In einer detaillierten Anhörung, die teilweise über Videokonferenz stattfinden musste, wurde sogar Red Bulls Designpapst Adrian Newey höchstpersönlich vorstellig. Gemeinsam mit Teammanager Jonathan Wheatley und Ingenieurs-Kollege Paul Monaghan versuchte er, den Standpunkt der Bullen klarzumachen.

Formel 1 erklärt: So funktioniert das DAS-System von Mercedes: (22:58 Min.)

Auf Mercedes-Seite verteidigten sich Technik-Chef James Allison mit Ingenieurs-Verstärkung von John Owen und Andrew Shovlin sowie Teammanager Ron Meadows. Als Technik-Experte der FIA wurde Nikolas Tombazis von den Stewards gehört.

Für die Entscheidung der Stewards waren letztendlich zwei Faktoren maßgeblich. Als aerodynamisches Hilfsmittel wurde DAS nicht eingestuft, obwohl die Stellung der vorderen Reifen einen aerodynamischen Einfluss hat, weil die Lenkung als Ausnahme gilt. "Sonst wären alle Autos illegal", schreiben die Stewards unter ihrem Vorsitzenden Gerd Ennser.

Mercedes' DAS-System: Lenkung oder Aufhängung?

Ennser stellt mit seinen Kollegen aber auch klar: Würde DAS nicht in diese Ausnahme fallen, wäre es illegal. Damit hängt der eine Punkt der Anklage mit dem anderen zusammen. Denn letztendlich geht es um die Frage, ob das Dual Axis Steering System zur Lenkung oder zur Aufhängung gezählt wird.

Am Ende legten die Stewards in mehreren Punkten dar, wieso DAS ein Teil der Lenkung ist und begründeten ebenfalls ausführlich, weshalb es nicht zur Aufhängung zählt. Das war der Knackpunkt gegen den Red-Bull-Protest.

Einem möglichen Anschluss-Protest nahmen die Stewards ebenfalls schon den Wind aus den Segeln. Denn abgesehen von den beiden genannten Artikeln des Technischen Reglements, könnte DAS auch gegen die Parc-ferme-Regeln des Sportlichen Reglements verstoßen. Allerdings sieht das Entscheider-Quartett die Lenkung als klare Ausnahme zu den Parc-ferme-Regeln, die eigentlich keine Setup-Änderungen erlauben.


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