Formel 1

Wolff: Kein Grund, warum Hamilton Schumi-Rekord nicht schafft

Formel-1-Weltmeister zum Sechsten. Lewis Hamilton fehlt noch ein WM-Titel, um Michael Schumacher einzuholen. Toto Wolff sieht keinen Grund für ein Scheitern
von Jonas Fehling

Motorsport-Magazin.com - Lewis Hamilton hat es geschafft. Mit einem zweiten Platz beim USA GP in Austin krönte sich der Mercedes-Superstar zum sechsten Mal in seiner Karriere zum Formel-1-Weltmeister. Damit hat der Brite die ewige Legende Juan Manuel Fangio hinter sich gelassen. Jetzt ist Hamilton nur noch einen WM-Titel von Rekordweltmeister Michael Schumacher entfernt.

Nicht nur dieser einst unerreichbar scheinende Rekord, auch weitere Schumi-Bestmarken wackeln nun bedenklich. Nach Pole Positionen hat Hamilton Schumacher sogar längst überholt (87:68), Siege fehlen noch acht (83:91), Podien sogar nur noch fünf (150:155) - [ein ausführlicher Statistik-Vergleich der Dominanzen ist in Kürze auf Motorsport-Magazin.com zu lesen.] Vor allem interessiert jedoch der WM-Rekord.

Wolff: Schumacher-Rekorde stehen aus gutem Grund noch

Kann Hamilton das schaffen? Ja, sagt Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff. "Es gibt einen guten Grund, warum diese Schumacher-Rekorde stehen, denn es ist einfach sehr schwierig", schickt der Österreicher voraus.

Aber: "Wenn wir in der Lage sind, den Fahrern nächstes Jahr ein gutes Auto zur Verfügung zu stellen, das konkurrenzfähig ist, wir weiter an den Rückstanden, die wir haben, arbeiten, die Fehler minimieren und er eine gute Saison hat, dann gibt es keinen Grund, warum er keinen siebten Titel schaffen könnte."

Mercedes 2019 nur am Saisonstart dominant

Rückstände? Ja. Überlegen eingefahren worden sei die WM 2019 immerhin nicht, meint Wolff - genau wie Hamilton. Klar, der Saisonstart war mit fünf Mercedes-Doppelsiegen in Serie historisch überlegen. Doch dann leistete erst Red Bull vor, dann Ferrari nach der Sommerpause erbittert Widerstand.

Austin war die erste Mercedes-Pole seit dem Deutschland GP. Im Qualifying hatten die Silberpfeile ihren Nimbus verloren. Was Mercedes rettete, waren besseres Reifenmanagement, damit bessere Rennpace und weniger strategische Fehler. "Das war vielleicht der Schlüssel für unseren WM-Sieg", analysiert Wolff. 2020 könne das genauso sein. Immerhin gehe es mit jetzt drei Teams dann im letzten Jahr des aktuellen Reglements unfassbar eng zu.

Wolff: Hamiltons größte Stärke ist eine Kombination

Neben der operativen Stärke Mercedes' sieht Wolff jedoch noch einen anderen entscheidenden Faktor. Lewis Hamilton selbst. "Er fährt Autos einfach verdammt schnell. Dort trifft Talent ein großes Streben nach permanenter, eigener Verbesserung. Diese Kombination lässt ihn aus seiner Generation herausragen", schwärmt Wolff von seinem Top-Piloten.

Lewis Hamilton will noch mehr - Foto: LAT Images

Wolff weiter: "Er wird immer sagen, dass es noch Raum für Verbesserung gibt. Und diese Mentalität musst du haben. Für mich ist er auf einem extrem hohen Level, aber du willst dir oder jemandem nie 10 von 10 geben, den es könnte nur eine 9 sein und du willst ja noch Spielraum haben, dass es in Zukunft eine 10 wird."

Lewis Hamilton: Mein Meisterstück ist noch nicht fertig

Ein Ansatz, der tatsächlich voll das Naturell Hamiltons spiegelt. So fühlt sich der alte und neue Champion selbst mit sechs WM-Titeln noch unvollendet. "Ich arbeite an meinem Meisterstück, und habe es noch nicht ganz fertig. Es dauert glaube ich sehr lange, bis man etwas gemeistert hat - es gibt immer mehr zu lernen", sagt Hamilton in seiner eigenen WM-Pressekonferenz.

Das deutet stark daraufhin, dass Hamilton die Egalisierung - oder gar das Übertrumpfen - der größten Schumacher-Rekorde als dieses Meisterstück sieht. Doch der Brite wehrt ab. "Ich will nicht diese Idee aufbauen, Michael mit sieben einzuholen. Ich will einmal das Hier und Jetzt genießen", sagt Hamilton und erinnert: "Ich habe immer gesagt, dass es nie ein Ziel war, Michael einzuholen. Ich bin keiner, der immer an Rekorde und so Dinge denkt. Michael einzuholen fühlte sich immer so weit weg an."

Hamilton winkt ab: Schumacher-Rekorde nicht das Ziel

Weit ist der Weg nun jedoch nicht mehr. Im besten Fall aus Sicht Hamiltons nur noch ein Jahr lang. Doch 2020 werde sicherlich nur noch schwerer, glaubt der Mercedes-Pilot. "Es wird erneut unglaublich viel Arbeit von mir und dem Team abverlangen. Schaut euch nur die anderen Teams und ihre beeindruckenden Performances in der zweiten Saisonhälfte an. Darüber will ich gerade wirklich nicht nachdenken", sagt Hamilton.

Noch weniger denkt Hamilton jedoch an ein Karriereende. Das hatte er bereits am Donnerstag in Austin alles andere als ausgeschlossen, zeigte sich vielmehr angestachelt von den neuen Regeln für 2021. Auch diese Ära will Hamilton noch (mit) prägen. "Zurücktreten? Was? Nope", sagt er nun in einem Mercedes-Video nach seinem WM-Triumph. "Ich sehe mich jetzt nicht zurücktreten."

Karriereende? Lewis Hamilton hat noch viel vor

Warum? Weil Hamilton nicht einmal sicher ist, überhaupt schon seinen Zenit erreicht zu haben. "Ich weiß nicht, ob ich schon auf meinem Peak bin, aber ich bin auf jeden Fall gleich in der Nähe. Ich bin voller Energie, als könnte ich einen Marathon laufen", sagt er in einem ganz ruhigen Moment.

"Ich bin wie ein Künstler, der ein Meisterwerk erschafft. Das habe ich im Kopf. Aber es ist noch nicht ganz vollendet. Es wird noch viel harte Arbeit erfordern, Fokus, Engagement und Hilfe von den vielen klasse Leuten um mich herum. Wir haben es jetzt sechs Mal geschafft. Und ich weiß, dass wir noch mehr können!"


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