Formel 1

Formel 1 - Vettel warnt: Ferrari trotz Upgrade hinter Mercedes

Ferrari ist seit der Sommerpause in der Formel 1 wieder siegfähig. Oder doch nicht? Top im Qualifying, fehlt ihnen im Rennen trotzdem das letzte Etwas.
von Markus Steinrisser

Motorsport-Magazin.com - Seit dem Ende der Sommerpause feiert die Formel 1 Ferraris Rückkehr zur Top-Form. Vor allem dank umfangreicher Upgrades sind Sebastian Vettel und Charles Leclerc endlich in der Lage, mit Mercedes mitzuhalten. Oder sind sie ihnen gar überlegen? Das versichert jedenfalls Mercedes.

Ferrari spielt sich lieber selbst wieder etwas herunter. Vettel und Leclerc haben zwar seit der Sommerpause im Qualifying fünf Poles in Folge und damit eine weiße Weste vorzuweisen, aber über die Renn-Performance ihres Autos machen sich die Fahrer trotz dreier Siege noch immer Sorgen.

Die Punktestände sehen bei Ferrari besser aus als zu Saisonbeginn. In den fünf Rennen nach der Sommerpause hat Ferrari annähernd so viele Punkte eingefahren wie Mercedes. Zugleich zeigt das aber: Mercedes fährt in Summe weiter vorne weg, trotz wieder erstarkter Scuderia.

Ferrari schafft nach Sommerpause die Upgrade-Wende

Ferraris Ratespiel der ersten Saisonhälfte scheint seit einem Upgrade in Singapur Geschichte zu sein. Ferrari hatte für 2019 ein aero-effizientes Auto mit wenig Abtrieb gebaut, um von ihrem Motor, dem stärksten im Feld, maximale Vorteile zu ziehen. Doch vom ersten Rennen weg war klar, dass der Grip für langsame Kurven-Sequenzen nicht reichte. Das Auto litt zuerst unter zu viel Untersteuern, die ersten Reparatur-Versuche machten nur das Heck nervöser. Fragen wurden laut, ob man sich gar beim Grundkonzept verschätzt hatte.

Doch Ferrari lernte aus den Fehlschlägen. Probleme im Windkanal scheinen durch die Analyse der Upgrade-Fehlschläge der ersten Saisonhälfte identifiziert. Die zweite Saisonälfte begann mit Poles, Siegen, und endlich mit einem erfolgreichen Upgrade.

Renn-Ergebnisse: Bester Mercedes vs. bester Ferrari

Rennen Bester Mercedes Bester Ferrari
Frankreich Sieger + 0:18.985
Großbritannien Sieger + 0:30.117
Ungarn Sieger + 1:01.433
Belgien + 0:00.981 Sieger
Italien + 0:00.835 Sieger
Singapur + 0:04.608 Sieger
Russland Sieger + 0:05.212
Japan Sieger + 0:13.343

"Es ist nicht nur Aero", erklärt Teamchef Mattia Binotto. "Mit der Aero haben wir uns auf jeden Fall einer der Schwachstellen angenommen. Aber auch ein gutes Verstehen des Autos, das Finden richtiger Setup-Kompromisse - in Summe ist es glaube ich wirklich das Verstehen des Autos, des Setups und der Aero, das uns vorwärtsgebracht hat."

Ferrari-Comeback 2019 vor allem im Qualifying

Am Deutlichsten ist die Ferrari-Wende im Qualifying zu sehen. Hier war Ferrari trotz Motoren-Vorteil gegenüber Mercedes zu Saisonbeginn nicht in der Lage, regelmäßig um die Pole zu fahren. Zu groß war die in den Kurven durch fehlenden Grip verlorene Zeit.

Ein Vergleich der schnellsten Sektor-Zeiten gibt näheren Aufschluss. An Tiefpunkten - Spanien, oder Frankreich - half aller Topspeed nicht. Wie die Tabelle unten zeigt, war Mercedes in fast jedem Sektor schneller. Außer .

Vorsprung/Rückstand auf Mercedes - Beste Quali-Sektoren vor Sommerpause

Strecke S1 S2 S3
Ungarn - 0,161 + 0,122 + 0,307
Großbritannien - 0,083 + 0,079 + 0,214
Frankreich + 0,233 + 0,088 + 0,210
Spanien - 0,204 + 0,317 + 0,635

Erst nach der Sommerpause, in Spa, ging das Ferrari-Konzept erstmals auf. Die in den leistungsfordernden Sektoren eins und drei geholte Zeit reichte, um den im kurvigen Mittelsektor schnelleren Mercedes abzuwehren. Wirklich wichtig wurde das Singapur-Upgrade: Damit schaffte es Ferrari endlich, etwas mehr Abtrieb und Grip auf das Auto zu bringen, ohne den Topspeed-Vorteil dafür zu opfern.

Vorsprung/Rückstand auf Mercedes - Beste Quali-Sektoren nach Sommerpause

Strecke S1 S2 S3
Japan - 0,206 - 0,156 + 0,023
Russland - 0,416 - 0,199 + 0,234
Singapur - 0,231 - 0,043 + 0,045
Belgien - 0,601 + 0,349 - 0,377

Selbst auf der für die Hinterreifen anspruchsvollen Strecke in Russland holte Ferrari Pole. Auf der langen Geraden nahmen sie Mercedes genügend Zeit ab, bevor im letzten Sektor die Reifen aufgaben. Ein guter Kompromiss scheint gefunden: Ferrari hat das Gesamtpaket kurvenfreundlicher gemacht, ohne das auf Topspeed und aerodynamische Effizienz ausgelegte Grundkonzept zu verwässern.

Vettel warnt: Ferrari im Renn-Trimm noch hinter Mercedes

In Suzuka bewies Ferrari jedoch, dass im Rennen noch der letzte Schritt fehlt. Eine rote Reihe eins löste sich nach schlechten Starts von Vettel und Leclerc auf, und Vettel konnte im weiteren Rennverlauf dem führenden Mercedes von Valtteri Bottas nichts entgegensetzen. "Heute haben wir die Reifen schneller aufgebraucht als sie", sagte Vettel nach dem Rennen. "Besonders am Ende des Stints sind wir stärker abgefallen, während sie durchgehend das Tempo halten konnten. Das war schwierig."

Konzeptbedingt fehlt auch nach den Upgrades weiterhin Grip, und nach wie vor rutscht das Auto zu viel und nimmt die Reifen zu hart ran. Nach Suzuka verblieb Vettel mit einem deutlichen Fazit: "Wie man heute sieht, sind wir noch ein bisschen weg. Die letzten Rennen waren besser für uns, aber man muss auch realistisch genug sein und sagen: Da fehlt uns noch eine ganze Stange, im Renn-Trimm vor allem, um dann wirklich dagegen zu halten."

Ferrari nutzt letzte Rennen für 2020-Testlauf

Aber das Comeback seit der Sommerpause ist für Ferrari endgültig Bestätigung, dass das Autokonzept passt. Kritik wie die am Frontflügel-Konzept, die es während der Saison einmal gab, sieht er nicht: "Momentan werden eher wir kopiert, als dass wir andere kopieren."

Unter dem Strich fährt man damit im Augenblick im Qualifying klar besser als Mercedes mit ihrem High-Downforce-Konzept. Finden sie für 2020 auch noch eine Lösung für die Renn-Pace? Denn im nächsten Jahr bleibt das Reglement gleich. Daher hatte Ferrari schon vor der Sommerpause klargestellt, dass man das 2019er-Auto weiterentwickeln würde. Um zu verstehen, warum es zu Saisonstart nicht klappte. "Insgesamt ist es ein positiver Trend für uns", freut sich auch Sebastian Vettel nach Japan. "So müssen wir weitermachen. So viel wie möglich für nächstes Jahr lernen."


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