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Formel 1

Formel 1 Japan Trainingsanalyse: Qualifying und Rennen in einem

Die Trainings zum Japan GP standen im Zeichen des neuen Zeitplans. Wer hatte die Nase bei Qualifying- und Rennsimulation vorne: Mercedes, Ferrari oder RB?
von Christian Menath

Schon früh am Freitag hatten sich die Organisatoren des Japan GP dazu entschieden, den Samstag komplett ausfallen zu lassen und das Qualifying am Sonntag auszutragen. Die frühe Entscheidung hatte zur Folge, dass die Trainings anders verliefen als sonst.

Weil das 3. Freie Training komplett ins Wasser fällt, hatten die Teams zwei Reifensätze mehr als üblich zur Verfügung. Außerdem kam unmittelbar vor dem 2. Training die Meldung, dass - sollte das Qualifying auch am Sonntagmorgen nicht stattfinden können - das FP2-Ergebnis für die Startaufstellung herangezogen wird.

"Heute hat jeder die Hosen runtergelassen", glaubt Sebastian Vettel. Mercedes Ingenieur Andrew Shovlin stimmt zu: "Wir wollten deshalb ordentliche Zeiten erzielen und drehten die Leistung der Power Units ein bisschen nach oben und sind mit etwas weniger Benzin als sonst gefahren"

Das sind keine besonders guten Nachrichten für Ferrari. Denn die Bestzeit ging in beiden Sessions an Valtteri Bottas im Mercedes. Immerhin fiel der Rückstand im vorgezogenen Abschlusstraining nicht ganz so gewaltig aus wie am Vormittag. Charles Leclerc fehlten dreieinhalb Zehntelsekunden, Vettel sechs Zehntel.

Ferrari fährt anders Programm als Mercedes und Red Bull

Möglicherweise schmeichelt der Rückstand sogar noch. Denn Ferrari fuhr eine etwas andere Strategie. Vettel und Leclerc fuhren jeweils nur einen Longrun am Ende der Session, um noch eine Qualifying-Simulation abzuspulen. Mercedes und Red Bull fuhren wie gewohnt die schnelle Runde vor den Longruns.

Doch Vettel ist sich nicht sicher, ob der Ferrari-Zeitplan ein Vorteil war: "Ich bin ein bisschen im Verkehr hängen geblieben und die Strecke hatte sich auch nicht so stark entwickelt wie angenommen."

So ganz vergleichen kann man die schnellsten Runden deshalb noch nicht. Nachdem Ferrari bei den letzten vier Rennen auf Pole stand, kam der Rückstand auf Mercedes aber für viele überraschend.

Mercedes im ersten Sektor top

Die langgezogenen Esses kommen Mercedes besonders entgegen. Der erste Sektor besteht fast ausschließlich aus Kurven. Die sind Mercedes-Terrain. Auch Red Bull ist hier stark. Die Schwachstellen des Ferrari werden hier schonungslos gezeigt. Mit Singapur-Upgrade wurde der SF90 zwar auch in den Kurven besser, auf dem Niveau von Mercedes und Red Bull ist man aber noch nicht.

Dazu brachten Mercedes und Red Bull kleinere Upgrades. Mercedes legte am Frontflügel, den Seitenkästen und dem Unterboden nach. Red Bull erhielt einen neuen S-Schacht, einen überarbeiteten Heckflügel und ein neues Benzin. Ferrari muss auf das Russland-Paket vertrauen.

Die Sektorzeiten bestätigen die Vermutungen. Im kurvenreichen ersten Sektor fehlen drei Zehntelsekunden auf die Bestzeit von Lewis Hamilton. Auch Max Verstappen konnte sich noch vor beide Ferrari-Piloten schieben.

Bottas-Windschatten bringt halbe Sekunde

Im zweiten Sektor kommt die Power mehr zu tragen. Hier liegen Vettel und Leclerc auf den Plätzen zwei und drei. Nur Bottas war schneller. "Aber er hatte auf der Geraden einen Windschatten, das hat ihm fünf Zehntel gebracht", verrät Teamkollege Hamilton. Die Blitzerdaten bestätigen das: Während Bottas mit 305,8 Stundenkilometern auf Rang drei der Tabelle liegt, ist Hamilton mit 296,7 km/h auf Rang 16.

Aber auch im zweiten Sektor gibt es mit Degner und Spoon zwei schnelle Passagen, in denen Mercedes das Tempo vorgibt. Deshalb fällt selbst im Power-Sektor der Ferrari-Vorsprung gering aus.

Bei Mercedes war man entsprechend zufrieden. "Ich glaube, dass wir noch ein paar kleinere Verbesserungen an der Fahrzeugbalance vornehmen können, aber insgesamt fühlte sich das Auto sowohl auf kürzeren als auch auf längeren Runs gut an. Ich bin mit dem Auto sehr zufrieden, es fühlte sich auf Anhieb gut an", freut sich Bottas.

Bei Ferrari waren die Balance-Probleme etwas größer. "Mal war die Vorderachse das Problem, mal die Hinterachse", klagt Vettel. "Insgesamt war es nicht zu schlecht, aber es fehlt einfach die Pace. Ich glaube, wir können uns noch steigern, aber für ganz vorne wird es eng."

Red Bull in Suzuka endlich zurück?

Ganz vorne will auch Red Bull endlich wieder sein. Seit der Sommerpause ist Sand im Getriebe, meist lag man deutlich hinter Mercedes und Ferrari. Das Honda-Heimspiel war zumindest am Freitag ein Aufwärtstrend. "Vor allem im 2. Training haben wir uns deutlich verbessert", so Verstappen. "Aber wir sind noch immer nicht da, wo wir sein wollen. Mercedes ist noch immer sehr stark..."

Kleiner Hoffnungsschimmer für Verstappen: "Wir haben nun einen Tag mehr, die Probleme zu lösen." Auch wenn die Teams am Samstag nicht an die Strecke dürfen, in den Fabriken herrscht Hochbetrieb. Die Ingenieure haben noch bis Sonntagmorgen Zeit, das perfekte Setup mittels Simulator und Simulationen herauszuarbeiten. Das gilt aber für alle Teams.

Und bei den Longruns? In Russland überzeugte Ferrari endlich auch mit guter Rennpace. Kann die Scuderia - wenn schon nicht auf eine Runde - dann im Dauerlauf an Russland anknüpfen? Suzuka zählt zu den anspruchsvollsten Strecken für die Reifen. Nirgends im Kalender sind die lateralen Kräfte auf die Pneus höher.

In Russland ist die Belastung auf die Reifen eher geringer. Dazu ist der Asphalt in Sotschi auch noch extrem sanft zu den Gummis. In Japan hingegen ist der Asphalt wieder anspruchsvoller. Deshalb brachte Pirelli auch die drei härtesten Mischungen mit. Diesem Umstand scheint Ferrari nun wieder Tribut zollen zu müssen.

Formel 1 Japan, Longruns im 2. Training auf Soft

Fahrer Reifenalter Stintlänge Zeit
Bottas 11 5 1:34,721
Hamilton 19 12 1:34,963
Verstappen 12 6 1:35,554
Leclerc 17 8 1:35,968
Albon 14 6 1:36,245

Auf den Soft-Reifen fuhr Mercedes allen davon. Valtteri Bottas fuhr mit 1:34,7 den schnellsten Longrun. Hamilton fuhr deutlich länger, war aber nur zwei Zehntel langsamer. Verstappen musste im Red Bull schon deutlich abreißen lassen. Der Niederländer war bereits acht Zehntel langsamer als Bottas.

Ferrari musste sich die Longrun-Arbeit aufgrund des unterschiedlichen Programms aufteilen. Leclerc übernahm den Soft-Reifen, Vettel den Medium. Leclercs Soft-Zeiten waren satte 1,2 Sekunden langsamer als jene von Bottas.

Formel 1 Japan, Longruns im 2. Training auf Medium

Fahrer Reifenalter Stintlänge Zeit
Hamilton 12 4 1:34,267
Verstappen 7 5 1:34,447
Bottas 17 10 1:34,649
Albon 16 6 1:35,523
Vettel 22 12 1:36,279

Auf Medium sah es nicht besser aus. Vettel fuhr satte zwei Sekunden langsamer als die Spitze. Zwar fuhr der vierfache Formel-1-Weltmeister auch deutlich länger als alle anderen, aber selbst wenn man nur die erste Hälfte seines Longruns heranzieht, fehlt noch immer mehr als eine Sekunde.

Zwischen Mercedes und Red Bull geht es dafür auf Medium deutlich enger zu. Hamilton legte mit 1:34,3 Minuten vor, Verstappen war knapp zwei Zehntelsekunden langsamer. Auf die härtesten Pneus verzichteten die Top-Teams komplett.

Ferraris Hoffnungsschimmer: Normalerweise sind die Longruns am Freitag deutlich schwächer als die Rennpace am Sonntag. So groß war der Rückstand jedoch selten. Und auch auf eine Runde bleibt fraglich, ob der SF90 seine Vorteile ausspielen kann. Suzuka ist für Ferrari die bislang größte Herausforderung der Rückrunde.

Formel 1: Neuer Zeitplan und TV-Programm Japan GP 2019

Donnerstag:
08:00 Uhr: Fahrer-Pressekonferenz - Teilnehmer: Leclerc, Sainz, Verstappen, Hülkenberg, Russell

Freitag:
03:00 Uhr - 04:30 Uhr: 1. Freies Training (LIVE: F1 TV Pro, n-tv, ntv.de, tvnow.de)
05:00 Uhr: Teamchef-Pressekonferenz - Teilnehmer: Vasseur, Binotto, Steiner, Tanabe, Abiteboul
07:00 Uhr - 08:30 Uhr: 2. Freies Training (LIVE: F1 TV Pro, ntv.de, tvnow.de, ORF1)

Sonntag:
03:00 Uhr: Qualifying (LIVE: F1 TV Pro, RTL, tvnow.de, ORF1, SRF2)
07:10 Uhr: Rennen (LIVE: F1 TV Pro, RTL, tvnow.de, ORF1, SRF2)


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