Formel 1

Hülkenberg entgeht Strafe: Absicht kann nicht bewiesen werden

Nico Hülkenberg bekommt für das Auslassen der Schikane Qualifying keine Strafe. Obwohl er ein Chaos auslöste, können die Stewards keine Absicht beweisen.
von Christian Menath

Motorsport-Magazin.com - In dubio pro reo: Im Zweifel für den Angeklagten, heißt es im Gerichtsjargon. Nico Hülkenberg machte sich diese Regel im Qualifying zum Italien GP zunutze. Der Renault-Pilot fuhr im Q3 im letzten Versuch als erster Pilot auf die Strecke und verpasste gleich nach dem Boxenausgang die erste Schikane.

"Ich habe so sehr in den Rückspiegel geschaut, dass ich nicht richtig aufgepasst habe", erklärte Hülkenberg seinen Fehler. Trotzdem musste der Deutsche bei den Stewards antanzen. Nicht jeder glaubte, dass Hülkenberg die Schikane unabsichtlich verpasste.

Die Videoaufnahmen zeigen ganz klar, dass er zunächst einlenkt, sich dann aber offensichtlich aktiv dafür entscheidet, völlig ohne Not in den Notausgang zu fahren. Die Styroporplatten umfuhr er anschließend auch noch extrem langsam - so dass man auf die Idee kommen konnte, er hätte absichtlich den Umweg genommen, um die ungeliebte erste Position abgeben zu können.

Hülkenberg löst Monza-Bummeln aus

Niemand wollte am Ende des Qualifyings als Erster auf die Strecke gehen, weil jeder vom Windschatten des Vordermanns profitieren wollte. Als Hülkenberg zurück auf die Strecke kam, ging das Schneckenrennen weiter. Denn auch Carlos Sainz, der hinter Hülkenberg auf die Strecke gegangen war, wollte die Führung nicht übernehmen.

Also fuhren Hülkenberg und Sainz sehr langsam Seite an Seite, so dass auch alle anderen Piloten auf das Schleicher-Duo aufliefen. Das Schneckenrennen endete damit, dass von den neun verbliebenen Fahrern nur zwei rechtzeitig über die Ziellinie fuhren. Alle anderen konnten ihre letzte Runde nicht mehr fahren, weil die Zeit bereits abgelaufen war. Auch Hülkenberg selbst war betroffen.

Trotzdem sprachen die Stewards Hülkenberg frei - oder vielmehr mussten ihn freisprechen. "Die Stewards merken an, dass sich die Regeln darauf beziehen, die Strecke 'absichtlich' zu verlassen. Und in diesem Fall konnten wir nicht entscheiden, dass der Fahrer die Strecke absichtlich verlassen hat", heißt es im offiziellen Statement.

Hülkenberg lässt die Kritik kalt: "Die, die sich beschweren, hätten früher rausfahren sollen." Auch aus neutraler Perspektive sieht der Deutsche keine Probleme an der Q3-Farce. "Eine Farce? Nein, jeder Sport hat seine eigenen Regeln und jeder will nun Mal den Vorteil für sich. Wir sind einfach alle 30 Sekunden zu spät losgefahren."

Ob Hülkenberg aber auch ganz straffrei bleibt, ist noch nicht fix: Auch für das Bummeln mit Sainz und Stroll läuft eine Untersuchung gegen ihn. Hier steht die Entscheidung noch aus.

Update 20:48 Uhr: Auch in dieser zweiten Cause kommt Hülkenberg straffrei davon. Die Stewards beließen es bei einer Verwarnung. Dasselbe gilt für Stroll und Sainz.


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