Formel 1

Formel 1, Vettel warnt vor Verkehrschaos im Monza-Qualifying

Schon in Spa kam es im Qualifying zu haarigen Szenen. Sebastian Vettel warnt: In Monza wird der Gipfel erreicht. Schuld sind die Reifen.
von Christian Menath

Motorsport-Magazin.com - Im Qualifying zum Belgien GP vor knapp einer Woche kam es zu turbulenten Szenen. Lewis Hamilton krachte fast ins Heck seines Teamkollegen, konnte eine Kollision nur mit blockierenden Vorderrädern verhindern. Während die beiden Mercedes-Piloten fast standen, rauschten die Renault-Piloten mit über 300 Stundenkilometern an ihnen vorbei.

"Das hat sich etwas gefährlich angefühlt", schildert Hamilton. "Ich konnte nicht weg, ich hätte aufs Gras gemusst. Ich war hinter Valtteri eingeklemmt. Ich stelle mir vor, wenn ich auf einer schnellen Runde wäre und dann jeder mit fünf Meilen herumschleicht, das wäre besorgniserregend und eine Ablenkung."

Es war nicht der einzige Zwischenfall im Q3 in Spa: Auch beim zweiten Anlauf fuhren die Piloten im letzten Sektor übertrieben langsam. Sebastian Vettel machte die Schleichfahrt anschließend für den großen Rückstand auf Teamkollege Charles Leclerc verantwortlich. Der Monegasse hielt sich aus allem raus und konnte sich optimal auf seine Quali-Runde vorbereiten.

Dass es in den letzten Kurven zu Stau kommt, ist kein neues Phänomen in der Formel 1. Jeder Pilot will für seine schnelle Runde den besten Spot haben und deshalb den Abstand zum Vordermann bestmöglich managen. 2019 ist das Problem aber deutlich schlimmer als in den Jahren zuvor.

Spa war nicht das erste Mal in dieser Saison, dass es zu Problemen im Qualifying kam. Schon in Shanghai gab es größere Diskussionen, weil manche Piloten gar nicht mehr auf ihre schnelle Runde gehen konnten, so langsam wurde gefahren.

Hamilton schimpft: So langsam wie nie zuvor

"Ich kann mich nicht daran erinnern, im letzten Jahr jemals so langsam gefahren zu sein", schimpft Lewis Hamilton. Doch warum ist es 2019 so dramatisch? Gleich zwei Faktoren spielen eine Rolle: Die geänderte Aerodynamik und die neueste Generation der Pirelli-Reifen.

Die Regeländerung sollte es einfacher machen, einem anderen Auto zu folgen. Weil durch die einfacheren Flügeloberflächen Abtrieb verloren ging, mussten die Dimensionen der Flügel geändert werden, um den Verlust zu kompensieren. Der Heckflügel ist breiter und steht höher in der Luft. Dadurch verursacht er deutlich mehr Luftwiderstand.

Je mehr Luftwiderstand ein Auto erzeugt, desto wichtiger wird der Windschatten. "Und der Windschatten ist dieses Jahr stärker als je zuvor", meint Hamilton. Vor allem in Spa ging es nicht nur darum, Abstand zum Vordermann zu halten, sondern genau im richtigen Fenster zu sein, um auch noch vom Windschatten zu profitieren.

"Man kämpft um den besten Platz auf der Strecke", bestätigt Sebastian Vettel und warnt: "In Monza wird das ganze gipfeln. Man muss den richtigen Windschatten finden, denn es macht einen Unterschied - aber das war auf diesen Strecken schon immer so."

Vettel gegen neue Qualifying-Regeln

"Ich bin mir nicht sicher, was wir machen können, um es zu stoppen", so Hamilton. "Vielleicht sollten wir mindestens im Boxenlimiter fahren oder so. Man sollte aber nicht fünf oder zwei MPH oder was auch immer fahren können. Wir fahren aber wirklich so langsam wie möglich, um Leute vorbeizulassen."

Vettel widerspricht: "Ich bin nicht für mehr Regeln, wir haben ohnehin schon zu viele." Doch der Ferrari-Pilot liefert einen anderen Lösungsvorschlag: "Was wir wirklich ändern und daraus lernen sollten ist, dass wir bei den Reifen nicht so am Limit sein sollten. Man kämpft nicht nur um den Windschatten, sondern auch darum, den Reifen ins optimale Fenster zu bekommen. Das war in der Vergangenheit nicht so kritisch wie jetzt."

Vettels Problem im Spa Qualifying war am Ende nicht der Windschatten, sondern der Reifen. Genau deshalb hatte sich Leclerc dazu entschlossen, auf Windschattenspiele zu verzichten. Er wollte sich vollständig auf seine Reifen konzentrieren.

"Wenn wir bessere Reifen hätten, könnten wir mit etwas mehr Geschwindigkeit spielen", glaubt Vettel. Hamilton stimmt zu: "Jedes Wochenende schrauben sie die Reifendrücke nach oben, das ist verrückt. Das macht es immer ein bisschen schwieriger für uns. Außerdem bekommt man die Reifen ohnehin schwer zum Arbeiten. Und sie sprechen schon davon, die Heizdecken abzuschaffen - dann kriegen wir nie Temperatur in die Reifen, wenn sie das machen..."


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