Formel 1

Formel 1 Monza 2019: Die heißesten Fragen vor dem Italien GP

Nächster Halt der Formel 1 2019: Italien. Verhindert Mercedes die Ferrari-Festspiele in Monza? Oder stört der Regen die rote Show? Die Brennpunkte.
von Florian Becker
Formel 1 2019: 5 Brennpunkte vor dem Italien GP: (07:39 Min.)

Ferrari hat sich dank Charles Leclercs Sieg beim Formel-1-Rennen in Spa-Francorchamps gerade rechtzeitig zurückgemeldet. Die Scuderia reist nach dem ersten Triumph 2019 auf einem Hoch zum Heimspiel in Monza an diesem Wochenende. Doch können der frischgebackene Sieger und Teamkollege Sebastian Vettel die Tifosi auch in Italien beglücken? Oder hat Mercedes ein Rezept gegen die größte Stärke der Roten gefunden? Die Brennpunkte für den Grand Prix im Highspeed-Tempel.

#1 Hat Vettel eine Antwort auf Leclercs Sieg?

Der erste Grand-Prix-Sieg von Charles Leclerc war nur eine Frage der Zeit. Schon bei den Testfahrten hatte er Sebastian Vettel den Kampf angesagt und den Teamleader im Verlauf der Saison langsam aber sicher verdrängt. Bei seiner Triumphfahrt in Belgien ließ der Monegasse dem viermaligen Weltmeister abermals nicht den Hauch einer Chance.

Vettel dürfte spätestens jetzt begriffen haben, dass mit dem 21-Jährigen die Wachablösung angebrochen ist. In Monza muss er der Ferrari-Pilot sein, der als erster über die Ziellinie fährt. Denn lässt Leclerc mit einem zweiten Streich beim Ferrari-Heimspiel die Herzen der Tifosi noch höher schlagen, wird Vettel bei diesen schnell in Vergessenheit geraten.

Abgeschrieben ist Super-Seb trotz sich häufender Niederlagen gegen Leclerc noch nicht. Wer Vettels Karriere verfolgt hat, weiß, dass der Heppenheimer ein Stehaufmännchen ist. Von Daniel Ricciardo gab's 2014 bei Red Bull eine Klatsche, weil Vettel der ultimative Drive fehlte. Findet er das richtige Mindset, fährt ihm Leclerc nicht mehr um die Ohren. Nur die Zeit für diesen mentalen Reset drängt jetzt gewaltig.

#2 Findet Mercedes ein Rezept gegen Ferrari?

Ferrari konnte in Spa-Francorchamps erstmals in dieser Saison seine große Stärke voll ausspielen. Gegen den Topspeed des SF90 hatte Mercedes nicht den Hauch einer Chance. Was Leclerc und Vettel in den Sektoren eins und zwei herausfuhren, holten Hamilton und Bottas im kurvigen Mittelsektor nicht mehr auf - und letzteren gibt es in Monza nicht einmal.

Hamilton prognostiziert den Tifosi schon Ferrari-Festspiele, denn eine Wunderkur für den F1 W10 wird es kaum geben. Andererseits beschränkt sich Ferraris Vorteil auf das Qualifying. Im Rennen fehlte Hamilton am vergangenen Sonntag keine Sekunde zum Sieg. Und auch 2018 brachte Ferrari der Topspeed in Monza nicht viel. Hamilton fing Kimi Räikkönen wenige Runden vor dem Ziel ab.

Mercedes baut deshalb auch am kommenden Wochenende auf die eigene große Stärke: die Rennpace. Das Reifenmanagement spielt auch in Monza eine Rolle, und das hat Mercedes besser im Griff. Darüber hinaus ist für Sonntag Regen vorhergesagt - und wenn der eintritt, ist Anpressdruck auch in Monza wieder Trumpf. Und davon hat Mercedes bekanntlich jede Menge.

#3 Red Bull mit neuem Fahrerduo noch gefährlicher?

Max Verstappen erlitt in Spa einen kleinen Rückfall in alte, längst abgelegte Muster. In einer exakten Kopie seines Manövers aus der Saison 2017, kollidierte er nach dem Start in La Source mit Kimi Räikkönen. Die erste Nullrunde für Red Bulls Teamleader hätte für die Konstrukteurswertung einen herben Rückschlag bedeuten können, doch zum Glück kam Neuzugang Alexander Albon rechtzeitig in Fahrt.

Der Thailänder holte nach seiner Motorenstrafe mit Platz fünf das Maximum heraus und beeindruckte bei seiner Aufholjagd mit kompromisslosen Überholmanövern. Ohne Grid-Penalty kann Albon sich ab Monza im Spitzenfeld strategisch nützlich machen, zumal dieses Wochenende Verstappen nach einem Motorwechsel von hinten ins Rennen geht.

#4 Halten die Motoren?

Mercedes' Motorenupdate für Spa-Francorchamps brachte ein ungewohntes Bild mit sich. Bei Sergio Perez und Robert Kubica gingen zwei der Power Units aus Brixworth in Rauch auf. Und auch Ferrari hatte in Form von Antonio Giovinazzi einen Motorschaden bei ihrer Spec 3 zu beklagen. Somit erwischte es sowohl bei Mercedes als auch bei Ferrari die Kunden.

In beiden Motorenabteilungen laufen die Untersuchungen auf Hochtouren. Bis Monza ist die Zeit jedoch knapp, und da werden die Power Units wieder richtig gefordert. Der Vollgasanteil ist auf dem Autodromo Nazionale die Monza mit 84 % sogar noch höher als in Spa. Wirklich alarmiert waren die Top-Teams durch die Defekte in Belgien allerdings nicht.

Mercedes verzichtete trotz der Motorschäden bei Racing Point und Williams nicht auf Performance, und Ferrari hatte ohnehin eine bewährte Spezifikation im Einsatz. Beim Heimrennen sollen Vettel und Leclerc allerdings das Upgrade erhalten. Nichtsdestotrotz sollte das Risikomanagement auch ihn Monza sitzen. Eine Garantie ist das aber noch lange nicht.

#5 Bringt das Wetter alles durcheinander?

Bella Italia gibt's am Wochenende wohl nur im Fotoalbum. Denn für die diesjährige Ausgabe des Grand Prix von Italien ist fast durchgehend Regen vorhergesagt. Schon der Freitag soll mit einer Wahrscheinlichkeit von bis zu 60 Prozent ins Wasser fallen. Nach einem trockenen Samstag steigt die Regenwahrscheinlichkeit für das Rennen sogar auf 80 Prozent.

Wer erinnert sich nicht an Sebastian Vettels ersten Sieg, den er 2008 in Monza im Toro Rosso bei widrigsten Bedingungen holte. Oder an das Qualifying vor zwei Jahren, nach dem Lance Stroll vom zweiten Startplatz ins Rennen ging? Mit dieser Prognose ist das Potential für Überraschungen in jedem Fall groß - zumal wir seit Brasilien 2016 kein richtiges Regenrennen mehr hatten, und der eine oder andere Pilot im Grid noch nie ein F1-Rennen im Nassen bestritten hat.


Weitere Inhalte:
Wir suchen Mitarbeiter
Mitarbeiter Motorsport Designer Journalismus Programmierer Video