Formel 1

Ferrari erklärt Quali-Debakel: Keine personellen Konsequenzen

Charles Leclerc erlebte bei seinem Formel-1-Heimspiel in Monaco ein Debakel. Jetzt erklärt Ferrari Teamchef Mattia Binotto den Qualifying-Fauxpas.
von Christian Menath

Motorsport-Magazin.com - Aus in Q1: Ausgerechnet Lokalmatador Charles Leclerc erlebte bei seinem ersten Monaco-Auftritt im Ferrari ein totales Debakel. Im 3. Training hatte Leclerc noch die Bestzeit gesetzt, im Qualifying wenige Stunden später stand nur Rang 16. Wegen der Strafversetzung von Antonio Giovinazzi startet der Monegasse nun von Platz 15.

Als Leclerc nach seinen ersten Runden im ersten Qualifikationssegment nur im Mittelfeld landete, entschied sich Ferrari dazu, nicht noch einmal auf die Strecke zu gehen. Sebastian Vettel hingegen hatte Glück im Unglück: Wegen einer kleinen Mauerberührung musste er seinen schnellsten Versuch abbrechen und ging deshalb noch einmal raus.

Am Ende war es ausgerechnet Vettel, der den Sprung ins Q2 noch schaffte und damit Leclerc auf den undankbaren 16. Platz verdrängte. "Ich hatte gefragt, ob sie sicher wären, dass wir nicht mehr rausgehen müssen", schilderte Leclerc selbst. "Sie sagten: 'Wir denken ja.' Ich fragte, ob sie sicher seien, es gab keine echte Antwort, ich habe keine echte Erklärung."

Obwohl am Samstag kein Medientermin von Ferrari angesetzt war, stellte sich Mattia Binotto den Journalisten in einer kurzfristig einberufenen Runde - ein Vorgang, wie es ihn in den vergangenen Jahren bei Ferraris restriktiver Kommunikationspolitik nicht gegeben hätte.

"Es hat lange gedauert, alles durchzugehen", entschuldigte sich Binotto zunächst für die späte Erklärung. Während und direkt nach der Session wollte sich Ferrari zunächst nicht äußern. "Es war sicher kein guter Tag für Ferrari", gesteht der Teamchef.

Ferrari Teamchef: Cutoff-Zeit falsch berechnet

Auf zwei Ebenen macht Binotto jeweils zwei Fehler für das Debakel verantwortlich. "Einerseits haben wir die Cutoff-Zeit falsch eingeschätzt", erklärte er. Die Cutoff-Zeit ist jene Zeit, die benötigt wird, um nicht auszuscheiden. Dabei handelt es sich nicht um eine vor der Session festgelegte Zeit, sondern um einen sich in Echtzeit verändernden Wert.

"Dazu gibt es immer eine Sicherheitsmarge", so Binotto. "Diese war hier sicherlich nicht groß genug. Aus zwei Gründen: Einerseits haben wir unterschätzt, wie stark sich die Strecke über die Session hinweg entwickelt. Auf der anderen Seite haben wir unterschätzt, wie viel Vertrauen die Fahrer hier in Monaco über die Session hinweg gewinnen und deshalb schneller werden. Die Marge muss in Zukunft größer sein."

Binotto: Hätten Tools überstimmen müssen

Doch nicht nur die Berechnung hat versagt, auch die Entscheidungsfindung. "Die Tools sind eine Sache, wir vertrauen auf sie, aber wir hätten sie auch überstimmen können und heute sicher müssen", erklärt Binotto. "Wir müssen aufholen und das bedeutet auch, dass wir Risiko eingehen müssen. Wir wollten keinen zusätzlichen Reifensatz in Q1 opfern, um dann in Q2 und Q3 noch genügend Reifen zu haben. Das Aus in Q1 ist aber schlimmer, als der Preis, den es dafür gegeben hätte."

Es war nicht die erste strategisch zumindest fragwürdige Entscheidung vom Ferrari-Kommandostand. Zieht Binotto nun Konsequenzen? "Ich glaube, wir haben die richtigen Leute und die richtigen Prozedere. Aber wir müssen an den Tools arbeiten, das werden wir sicher angehen", verspricht der Teamchef.

Manch einer vermutete, dass sich Ferrari zu sehr auf Vettel fixierte und Leclerc dabei aus den Augen verlor. Dieser Theorie widerspricht Binotto vehement: "Das ist überhaupt nicht der Fall. Wir haben zwei komplette Teams, eins für jeden Fahrer. Es ist für beide exakt gleich."


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