Formel 1

Formel 1, Hamilton dankt Lauda: Er hat mein Leben verändert

Lewis Hamilton sprach nach seiner Pole Position in Monaco erstmals über den Verlust von Niki Lauda. Den Weltmeister trifft der Verlust seines Mentors hart.
von Florian Becker

Motorsport-Magazin.com - Die Doppelpole von Mercedes in Monaco war Balsam auf den Seelen der Weltmeister-Truppe. Der Verlust von Formel-1-Legende und Team-Aufsichtsrat Niki Lauda wiegt am ersten Rennwochenende nach der traurigen Nachricht schwer auf den Herzen des gesamten Teams. Vor allem Pole-Sitter Lewis Hamilton verband viel mit Lauda. Nachdem der Brite sich am Mittwoch noch von der Pressekonferenz entschuldigen ließ, sprach er nach dem Qualifying erstmals über den schmerzlichen Verlust.

"Er hat mein Leben verändert. Ohne ihn wäre ich heute vielleicht nur einmal Weltmeister. Jetzt sitze ich hier als fünffacher Weltmeister. Ich verdanke ihm viel", so Hamilton über die für ihn so wichtige Bezugsperson. Der sonst gerne mal etwas theatralische Hamilton übertrieb mit diesen Worten keineswegs. Lauda war es, der ihn 2012 von McLaren zu Mercedes lockte. Ohne den Österreicher hätte Hamilton die Comfortzone seiner langjährigen Förderer kaum verlassen.

McLaren-Boss Ron Dennis hatte Hamilton im Alter von zwölf Jahren unter Vertrag genommen und ihn bis in die Formel 1 gebracht. In seiner Debütsaison fuhr der hauseigene Nachwuchspilot auf Anhieb mit Teamkollege Fernando Alonso auf Augenhöhe und um die Weltmeisterschaft. Ein Jahr später war das McLaren-Märchen für Hamilton mit dem ersten WM-Titel perfekt. Doch dann endete der Höhenflug der Traumehe.

Niki Lauda überzeugte Lewis Hamilton von Mercedes

Während Red Bull und Ferrari um die Weltmeisterschaft kämpften, kämpfte Hamilton mit McLaren meist auf verlorenem Posten. Sebastian Vettel avancierte bei Red Bull zum neuen Shooting Star. Doch Lauda hatte nicht vergessen, zu welch großartigen Leistungen Hamilton im Stande war.

"Ich erinnere mich noch, wie ich hier in Monaco am Pool saß und Niki mich angerufen und mir gesagt hat, dass ich zu Mercedes kommen soll", erinnert sich Hamilton an das Telefonat zurück, das sein Leben für immer verändern sollte. Etwas, das Lauda in den 1990er Jahren als Berater von Ferrari bereits mit Michael Schumacher gemacht hatte, um diesen von Benetton zur Scuderia zu lotsen.

Letztendlich war es die Überzeugungskraft Laudas, die Hamilton dazu veranlasste, sich nach 15 Jahren von McLaren abzunabeln. "Ross [Brawn, damals Mercedes-Teamchef] hat versucht mich mit seinen Visionen für das Team zu überzeugen und ich glaube an diese Vision, aber letztendlich war es Niki, der mich überzeugt hat", so Hamilton.

Niki Lauda ist tot - Erinnerung an die Formel-1-Legende: (03:00 Min.)

Hamilton und Lauda: Ein ungleiches Dreamteam

Hamilton machte nach dem Wechsel zu Mercedes auf persönlicher Ebene eine in der Formel 1 nie zuvor gesehene Transformation. Der Brite entwickelte sich vom McLaren-Prototyp eines Rennfahrers zu einem Jetsetter und Weltstar. Etwas, das man von Lauda zeitlebens nicht behaupten konnte.

So unterschiedlich ihre Persönlichkeiten waren, so nah waren sich Hamilton und Lauda in ihrem Universum, der Formel 1. Der pragmatische Lauda und der extrovertierte Hamilton wurden zu einem ungleichen Dreamteam. "Niki war mein 'partner in crime'. Er war ein Racer", sagt Hamilton.

Mercedes-Teamchef Toto Wolff kann das nur bestätigen. "Lewis und Niki hatten eine besondere Beziehung", so der Österreicher. "Es war nicht nur eine Beziehung zweier Teammitglieder, sondern zweier Weltmeister. Ich denke, es ist so schwierig für ihn, weil sie sich so nahe standen."

Lauda war als fester Bestandteil der Mercedes-Teamführung für Hamilton von essenzieller Bedeutung: "Obwohl er selber nicht mehr fuhr, fragte er mich immer, was wir am Auto verbessern können. Und das wurde dann in der Fabrik gemacht. Ich verdanke ihm viel." Nach Laudas Lungentransplantation im Sommer 2018 tauschten sich beide regelmäßig aus.

"Ich stand in den letzten acht Monaten sehr viel mit Niki in Kontakt. Wir haben uns immer gegenseitig Videos geschickt", so Hamilton. "Es war schwierig. An manchen Tagen ging es ihm wirklich gut, er war lebendig und stark und sprach über die Rennen. Andere waren dafür sehr schwierig."

Hamilton macht seinen Job: Niki hätte es so gewollt

Hamilton sah sich in der Pressekonferenz, nur anderthalb Tage nach der niederschmetternden Nachricht, noch nicht dazu in der Lage, über Lauda zu reden: "Es war auch am Mittwoch hier noch hart, deshalb wollte ich nicht sprechen." Seine 85. Pole Position, die er als eine der besten seiner Karriere bezeichnete, widmete er Lauda.

"Letztendlich sind wir Profis. Niki hätte von uns einfach nur gewollt, dass wir einsteigen und er sagte dann immer: "Einfach Arschbacken zusammen!", und das habe ich jedes Mal versucht, wenn ich ins Auto gestiegen bin", so Hamilton. "Wir versuchen mit einem Lächeln herumzulaufen und uns gegenseitig aufzubauen, und ihn stolz zu machen. Hoffentlich werden wir das morgen auch machen, um etwas Besonderes zu zeigen."


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