Formel 1

Formel 1, nach China-Crash: Sainz hat kein Problem mit Kvyat

Daniil Kvyat schoss in China beide McLaren ab. Keine Giftpfeile von Carlos Sainz und Lando Norris. Toro-Rosso-Teamchef mit Strafe nicht einverstanden.
von Florian Becker

Motorsport-Magazin.com - Aus Daniil Kvyat und dem Shanghai International Circuit wurde auch beim Rennen 2019 keine Liebesgeschichte. Der Torpedo feierte am Sonntag in China ein unfreiwilliges Comeback - und wieder nahm er ein ganzes Team aufs Korn. In der ersten Runde boxte Kvyat in einem misslungenen Dreikampf beide McLaren von der Strecke. Alle drei Piloten schrieben eine Nullnummer. Glück für den Russen: Diesmal speite keiner der Unfallgegner Gift.

"Ich habe kein Problem mit ihm", winkt Carlos Sainz ab, obwohl er von Kvyat in Kurve sechs der ersten Runde unsanft torpediert wurde. Wenige Meter später rempelte der außer Kontrolle geratene Toro-Rosso-Pilot dann auch noch seinen Teamkollegen Lando Norris von der Strecke. Schnell wurden Erinnerungen an 2016 wach.

Damals wurde Kvyat von Sebastian Vettel für die Kollision zwischen ihm und Ferrari-Teamkollege Kimi Räikkönen verantwortlich gemacht, wobei der Heppenheimer ihm auch den Spitznamen 'Torpedo' gab. Kvyats Reputation war danach angeschlagen. Nach einem weiteren Fehltritt in Sochi musste er sein Red-Bull-Cockpit für Max Verstappen räumen.

Sainz sieht Schuld bei Kvyat, Norris sieht Rennunfall

Von Toro Rosso erhielt Kvyat 2019 nach einem Jahr Auszeit zum dritten Mal eine Chance. Die Pace ist da, doch die Resultate lassen noch auf sich warten. Doch wer nach dem Fehltritt in Shanghai nun glaubte, dass Sainz und Norris in die Torpedo-Kerbe schlagen, irrte. "Ich denke, er weiß es selbst. Er wird die Bilder sehen und dann war es das", ist Sainz überzeugt.

Der Spanier befand sich in Kurve sechs außen neben Kvyat. Er wurde zuerst touchiert, als der Russe durch einen leichten Rutscher die Lenkung und damit auch seine Linie leicht öffnen musste. "Das ist eines dieser Dinge. Du musst in der ersten Runde mehr Geduld haben, selbst wenn du nicht den besten Start hattest. Das Rennen ist 56 Runden lang", mahnt Sainz.

Während er die Schuld damit bei Kvyat sah, wertete der Teamkollege die Szene etwas anders. "Das sah für mich mehr nach einem Rennunfall aus", so Norris. "Er hat Carlos etwas herausgedrängt und die Berührung zwischen den beiden hat ihn in mein Auto geschickt. Ich bekam einen heftigen Schlag und wurde ausgehebelt."

Kvyat und Toro Rosso mit Strafe nicht einverstanden

Die Rennleitung war auf Sainz' Seite. Kvyat erhielt von den Offiziellen eine Durchfahrtsstrafe und zwei Strafpunkte. "Ich habe den Zwischenfall mit den beiden McLaren in der ersten Runde angeschaut und stimme der Strafe nicht zu", so der 24-Jährige. "Ich denke, das war ein typisches Sandwich in der ersten Runde. Diese Dinge können passieren, wenn wir so eng zusammen fahren."

Sein Teamchef warf noch eine ganz andere Version in die Verlosung. "Er hatte in der ersten Runde einen Unfall, nachdem er von hinten getroffen wurde, was sein Auto destabilisiert hat. Zeitgleich kam Norris zurück auf die Strecke, nachdem er weit gegangen war", sagt Franz Tost. "Meiner Meinung nach hätte Daniil nichts weiter machen können, aber die Stewards haben ihm trotzdem eine Strafe gegeben."

McLaren und Kvyat trauern Punkten hinterher

Beide McLaren-Piloten mussten nach dem Zwischenfall für einen Reparaturstopp an die Box kommen und fielen dadurch weit zurück. Kvyat fuhr weiter und ließ die Nase an seinem STR14 erst beim regulären Service wechseln. Der weitere Schaden war jedoch zu groß, um ein zählbares Resultat einzufahren.

"Die Pace, die wir mit einem kaputten Auto gezeigt haben, war sehr stark. Es ist enttäuschend, das nicht in ein gutes Resultat umgewandelt zu haben", so Kvyat, dessen Teamkollege Alex Albon sogar nach einem Start aus der Boxengasse als Zehnter noch einen Punkt ergatterte.

Sainz landete abgeschlagen auf dem 14. Platz. Norris' McLaren wurde wenige Runden vor Schluss vom Team zurückgezogen: "Das ist mein erstes DNF in der Formel 1. Das ist natürlich sehr enttäuschend. Das Potential Punkte zu holen, war heute da. Aber es sollte nicht sein. Für mich war es danach ein einsames Rennen. Ich hatte viele Beschädigungen und dann noch einen Reifenschaden", so der 19-Jährige.


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